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Borussia Dortmund : Roman gegen Roman

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Harmonie, trotz Kampf ums Tor: Weidenfeller (links) und Bürki gehen miteinander kollegial um Bild: Picture-Alliance

Am Donnerstagabend bestreitet Borussia Dortmund in der Europa-League-Qualifikation beim Wolfsberger AC (21.05 Uhr) das erste Pflichtspiel der Saison. stellt sich die Torhüterfrage: Platzhirsch Weidenfeller schweigt, Herausforderer Bürki gibt sich selbstbewusst. Welcher Roman

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          Roman Bürki gehört die Zukunft im Tor von Borussia Dortmund, daran dürfte niemand ernstlich zweifeln. Es bleibt aber die Frage, wann diese Zukunft beginnt, jetzt gleich oder vielleicht erst in einem Jahr. Vor wenigen Wochen vom SC Freiburg ins Ruhrgebiet gewechselt, besitzt der 24 Jahre alte Schweizer vorläufig den Status des Herausforderers, muss also seinen zehn Jahre älteren Mitbewerber Roman Weidenfeller verdrängen, um die Nummer eins zu werden. Roman gegen Roman - der Kampf um den Stammplatz zwischen den Pfosten dürfte bis zum Bundesligastart andauern. Weidenfeller ist nicht irgendjemand; er geht in seine vierzehnte Saison als BVB-Profi; rund ein Jahrzehnt war er die erste Kraft im Dortmunder Tor.

          Cheftrainer Thomas Tuchel dürfte die Entscheidung, wer den Vorzug erhält, so lange wie möglich hinauszögern, schon um die maximale Motivation der Bewerber aufrechtzuerhalten. Wer von beiden an diesem Donnerstagabend (21.05 Uhr/ live in Sport1) im Hinspiel der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde gegen den österreichischen Klub Wolfsberger AC das Dortmunder Tor hütet, darf sich noch nicht als Nummer eins fühlen. Tuchel hat beide Bewerber im Laufe der Vorbereitung gleich behandelt und immer abwechselnd aufgestellt. Oder wie zuletzt beim Test gegen Juventus Turin je eine Halbzeit spielen lassen. Noch zeichnet sich kein Sieger ab. Tuchel lobte jüngst den Auftritt des Routiniers, ohne ihm einen Bonus geben zu wollen. „Weidenfeller spielt derzeit als Platzhirsch eine Toprolle, aber es ist nicht der Zeitpunkt, etwas zu entscheiden“, sagte der Trainer. „Derzeit ist alles vorstellbar.“

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          Im Umgang miteinander geben sich die Konkurrenten kollegial, ihr Verhältnis wirkt für den Außenstehenden harmonisch. Und auch das, was zu hören ist, klingt nach einem fairen Wettbewerb, den jeder auf seine Weise angeht, ohne vergleichende Werbung zu betreiben. Weidenfeller, lange ein Meinungsmacher in der Mannschaft, gibt neuerdings den Schweiger, obwohl er als einer der kommunikativsten Spieler bekannt ist; einer, der sich (fast) immer gestellt hat in den vielen Jahren, in denen er bei Dortmund gefragt war und gefragt wurde, wenn andere in Deckung gingen. Der Dienstälteste will nichts Falsches sagen. Er lässt seine Verdienste und seine Erfahrung für sich sprechen. Soll doch der Neue sich auf verbales Glatteis begeben.

          Bürki sieht sich nicht auf der Bank

          Bürki nutzt die Plattform, die sich während der Vorbereitung bietet. Er macht das nicht ungeschickt. Vor den versammelten Medien würdigt er Weidenfellers Erfolge und Verdienste im Stile eines Laudators. „Roman ist fast eine Legende beim BVB. Ich habe großen Respekt vor ihm und kann viel von ihm lernen“, sagt Bürki. Weidenfeller habe Titel gewonnen, die für ihn, Bürki, kaum zu erreichen seien. Das klingt bescheiden, doch der Nachsatz relativiert die Aussage: „Auf dem Platz sind wir alle gleich.“

          In Einzelgesprächen wird Bürki deutlicher. Manches, was er sagt, klingt so, als wüsste er mehr oder wäre zumindest davon überzeugt, dass Tuchels Wahl auf ihn fallen wird. „Ich komme hierhin, um zu spielen, nicht, um mich auf die Bank zu setzen“, sagte er den „Ruhr-Nachrichten“. „Das wäre nicht ich, das würde nicht meinem Naturell entsprechen. Ich will immer ans Limit, will immer das Maximum herausholen. Und das ist natürlich der Platz zwischen den Pfosten.“ Der Schweizer Zeitung „Blick“ sagte Bürki sogar: „Ich gehe davon aus, dass ich zum Saisonstart spiele.“ Weidenfeller bleibt ruhig; er hat gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft schien er keine Chance mehr zu haben, in den Kreis der Nationalmannschaft aufgenommen zu werden, obwohl er mit Dortmund zweimal deutscher Meister geworden war und das Finale der Champions League bestritten hatte. Am Ende wurde Weidenfeller doch Weltmeister, wenn auch nur als Ersatzspieler, der nicht zum Einsatz kam. Die Erfahrung lehrt ihn, dass es sinnvoller sein kann, Ansprüche spielend zu untermauern, als darüber zu reden.

          Wie schnell sich das Blatt wenden kann, hat der Torhüter in der Saison nach der Weltmeisterschaft erfahren. Jürgen Klopp, zu dieser Zeit Trainer des BVB, hatte Weidenfeller auf die Bank gesetzt, unter anderem weil er „das Lächeln von Mitch“ als hilfreich empfand, um dem starken Abwärtstrend entgegenzuwirken. Mitch Langerak, der Australier, würde inzwischen beim VfB Stuttgart gute Laune verbreiten, wenn ihm das Lachen nicht aufgrund einer Verletzung vergangen wäre. Weidenfeller dagegen arbeitet weiter in Dortmund. Statt zu lächeln, setzt er ein Pokerface auf. Bürki, der Herausforderer, gilt als leichter Favorit, weil er mit dem Ball am Fuß der Bessere ist, was im modernen Fußball von modernen Trainern wie Tuchel geschätzt wird. Aber ob das reicht, auf die Schnelle einen verdienten Torwart zu verdrängen, der gewiss kein Sicherheitsrisiko darstellt, erscheint offen.

          Es steht unentschieden im Dortmunder Tor. Also scheint auch ein Job-Sharing nicht ausgeschlossen - wie beim FC Barcelona, der zuletzt das Triple gewonnen hat. Bei den Katalanen hat Marc-Andre ter Stegen in den Pokalwettbewerben gespielt. In der Primera Division stand sein Rivale Claudio Bravo im Tor. Auch beim BVB scheint eine solche Arbeitsteilung nicht ausgeschlossen. Tuchel sagt nur, er werde „irgendeine Lösung“ finden. Das könnte noch ein wenig dauern.

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