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Torwart-Trend : Eine Tor-Chance für die Jugend

  • -Aktualisiert am

Mit achtzehn Jahren zur Nummer eins in Mönchengladbach gekürt: Marc-André ter Stegen Bild: dapd

Eine neue Generation von Torhütern erobert die Bundesliga. Sie sind jung und cool, haben starke Nerven und das Vertrauen der Trainer. Der nächste ist Bernd Leno, der mit 19 Jahren die Planstelle bei Bayer Leverkusen anstrebt.

          Die Älteren werden sich noch erinnern, und manch Jüngerer vielleicht auch: Über Torhüter hieß es, sie seien wie guter Rotwein, je älter desto besser. Erst ein hohes Maß an Routine verleihe den Männern zwischen den Pfosten die Ruhe und Souveränität, um einer Abwehr Vertrauen einzuflößen. Was einst wie ein ehernes Fußballgesetz erschien, besitzt in der Bundesliga keine Allgemeingültigkeit mehr. Inzwischen wagen viele Trainer es, Torhüter aufzustellen, die Anfang zwanzig sind oder noch jünger. Der nächste, der diesen aktuellen Trend bestätigt, dürfte Bernd Leno sein. Bayer Leverkusen hat den Neunzehnjährigen in dieser Woche vom VfB Stuttgart ausgeliehen, um die Lücke zu schließen, die entstanden ist, weil Stammtorwart René Adler mindestens bis Ende September verletzt ausfällt und die beiden Ersatzleute in den ersten Pflichtspielen der Saison nicht hatten überzeugen können.

          Obwohl Leno an seinem neuen Arbeitsplatz erst wenige Trainingseinheiten absolviert hat, könnte er schon an diesem Sonntag im Heimspiel gegen Werder Bremen sein Debüt geben. Der Leverkusener Trainer Robin Dutt sieht „die Wahrscheinlichkeit, dass er im Tor steht“. Leno habe „im Training einen guten Eindruck gemacht und sich cool präsentiert“. Sportdirektor Rudi Völler spricht von „einer hochwertigen Lösung“. Cool – das sind sie, die jungen Torhüter, deren Gesichter teils bubenhaft anmuten, die aber eine Gelassenheit ausstrahlen, als hätten sie hundert oder mehr Bundesligaspiele hinter sich. Die Verpflichtung Lenos folgt einem Trend, der sich in den vergangenen Monaten beschleunigt hat. Auch Ron Robert Zieler (Hannover 96), Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern), Oliver Baumann (SC Freiburg), Thomas Kraft (Hertha BSC Berlin) und Ralf Fährmann (Schalke 04) besitzen mit Anfang zwanzig schon eine Planstelle in der Bundesligamannschaft ihres Vereins.

          „Es geht nicht mehr nur darum, Bälle zu fangen“

          Marc-André ter Stegen wurde vom Mönchengladbacher Trainer Lucien Favre sogar schon im Alter von achtzehn Jahren zur Nummer eins gekürt – mitten im Abstiegskampf, als die Mannschaft schon mit einem Bein in der zweiten Liga stand. Er gab seinen Einstand im Derby gegen Köln, bei einer Partie also, die nicht nur des Tabellenstandes wegen von höchstem Schwierigkeitsgrad war. „Das war unsere allerletzte Chance“, erinnert sich Uwe Kamps, der Gladbacher Torwart-Trainer, der selbst mehr als 450 Profispiele für die Borussia bestritten hat.

          Der nächste, der den Trend bestätigt: Bernd Leno, 19, Bayer Leverkusen

          Ter Stegen nutzte diese „letzte“ Chance, die für ihn die erste war. Und Gladbach gelang mit einer furiosen Aufholjagd der Klassenverbleib. Für den erfahrensten Trainer der Liga gilt der frühere U-17-Europameister ter Stegen schon als Mann der Zukunft in der Elite-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes. „Meiner Meinung nach wird er über kurz oder lang die Nummer zwei in Deutschland sein“, sagt Jupp Heynckes, der Trainer des FC Bayern, der beim Saisonstart erlebte, wie ter Stegen den Gladbacher Sieg in München festhielt und für einen Nachmittag sogar Nationaltorwart Manuel Neuer in den Schatten stellte.

          Verzahnung zwischen den Nachwuchsmannschaften und den Profis

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