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Bayern München : Torwart-Teenie auf Neuers Spuren

  • Aktualisiert am

Christian Früchtl ist erst 15 Jahre alt – und trainiert schon beim FC Bayern mit. Bild: dpa

An der Seite von Weltmeister Manuel Neuer trainiert beim FC Bayern in Qatar Christian Früchtl. Der Torwart ist 1,90 Meter groß und hat Schuhgröße 50. Noch erstaunlicher aber ist sein Alter.

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          Mit 15 Jahren im Trainingslager der Bayern-Profis – das hat es beim Fußball-Rekordmeister auch noch nicht gegeben. Für Torwarttalent Christian Früchtl beginnt das neue Jahr aufregend. In Qatar darf der Teenager an der Seite von Weltmeister Manuel Neuer sein Talent beweisen und auf dem Platz versuchen, die Schüsse von Robert Lewandowski, Thomas Müller und Co. abzuwehren.

          „Ja klar, es ist schon früh“, sagt Sportvorstand Matthias Sammer zur erstaunlichen Maßnahme, den blutjungen Früchtl als vierten Torwart mit nach Doha ins Wintercamp zu nehmen: „Aber er sieht auch nicht aus wie 15.“ In der Tat: 1,90 Meter groß, Schuhgröße 50 – Früchtls körperliche Konstitution bezeichnet Sammer als „wahnsinnig“.

          „Er bringt eine Menge mit. Er ist interessant und gut“, äußerte der Sportvorstand über den U16-Schlussmann aus Niederbayern, der vor anderthalb Jahren von der Spielvereinigung GW Deggendorf ins Jugendhaus des Rekordmeisters zog. Seine Schulferien durfte Früchtl bis kommenden Dienstag verlängern, um bis dahin als Azubi neben Weltklassemann Neuer sowie Sven Ulreich und Tom Starke von den großen Stars unter der Anleitung von Torwartcoach Toni Tapalovic viel lernen zu können. „Er macht das gut. Er ist sehr aufnahmefreudig, saugt alles auf“, lobte Starke (34) den Trainingskollegen, der sein Sohn sein könnte.

          Rein körperlich muss sich der Teenager nicht vor Manuel Neuer verstecken.

          Sehnsüchtig schweift derweil der Blick von Mario Götze über den Fußballplatz. Auf dem Fußweg zum Kraftraum kann der Weltmeister beobachten, wie seine Bayern-Kollegen sich am Freitagmorgen in Doha bei strahlendem Sonnenschein auf dem perfekten Grün der Aspire Academy die Bälle zupassen. Der 23-Jährige ist dagegen auch zu Beginn des neuen Jahres Zuschauer: Götze muss im Wintercamp individuell für sein Comeback schuften, mit einsamen Läufen auf einem Nebenplatz und dem ungeliebten Aufbautraining in der Fitnesshalle.

          „Ich habe nicht gedacht, dass es so gravierend ist“, sagte Götze über jene schwerwiegende Oberschenkelverletzung, die er Anfang Oktober beim 0:1 im EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Irland erlitten hatte. Wenigstens zeichnet sich ein baldiges Ende der Leidenszeit ab. „Solange Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, und das ist der Fall, ist alles gut“, versicherte der Rekonvaleszent.

          Aber fest steht schon jetzt: Den Rückrundenstart in zwei Wochen beim Hamburger SV wird Götze verpassen. Und damit ist er im Kampf um die Plätze in der so stark besetzten Münchner Offensive gleich wieder hintendran. Franck Ribéry ist noch länger verletzt, Arjen Robben muss in Doha wegen einer Erkältung pausieren. Das hätte Götze für sich nutzen können. „Wir peilen mal den Februar an“, sagte er in Doha zum anvisierten Zeitpunkt für die Rückkehr ins Team. Und dann laute sein Ziel, „möglichst schnell wieder bei hundert Prozent zu sein“.

          Die Zeit drängt. Denn 2017 läuft Götzes Vertrag in München aus. Und in der Fußballbranche ist es üblich, dass spätestens ein Jahr vorher die Weichen gestellt werden. Verlängern oder verkaufen heißt die Frage für den deutschen Rekordmeister. „Mario soll gesund werden, und dann sehen wir weiter. Dann setzt man sich zusammen und tauscht sich aus“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer im Trainingslager.

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          Götzes drittes Jahr in München konnte noch keine Antwort auf die Frage geben, ob der 37 Millionen Euro teure Angreifer eine lohnenswerte Investition für den FC Bayern war. Die „Bild“-Zeitung vermeldete am Freitag ein Interesse von Jürgen Klopp, seinen einstigen Dortmunder Schützling zum FC Liverpool holen zu wollen - sogar schon in der Winterpause. Das darf ausgeschlossen werden. Und Zweifel sind erlaubt, ob das Verhältnis von Klopp und Götze nicht nachhaltig gelitten hat beim Wechsel des Nationalspielers 2013 von Borussia Dortmund nach München. Misstöne gab es jedenfalls.

          Dass der FC Bayern kurz vor Weihnachten mit den Weltmeister-Kollegen Thomas Müller und Jérôme Boateng sowie dem Spanier Javi Martínez die Verträge langfristig bis 2021 verlängerte, muss im Umkehrschluss nicht zwangsläufig gegen Götze ausgelegt werden. Da warten beide Seiten aktuell ab. Und der Verein wird sicherlich auch die Meinung des neuen Trainers Carlo Ancelotti einholen. Welche Rolle spielt Götze in dessen Bayern-Plänen?

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          Vielleicht erhofft sich auch Götze einiges vom Neuanfang unter dem Nachfolger von Pep Guardiola. Im Gegensatz zu Bundestrainer Joachim Löw vertraute der Katalane Götze nie zu hundert Prozent. Im dritten Bayern-Jahr wollte Götze eigentlich auch im Vereinstrikot dauerhaft beweisen, ein Leistungsträger zu sein, an dem Guardiola selbst in den großen Spielen nicht mehr vorbeikommen würde.

          „Ich will, dass Mario gesund ist“, sagte Guardiola zum Start in die Wintervorbereitung und erinnerte an die gute Form des 23-Jährigen bis zur Länderspielblessur vor drei Monaten: „Davor war Mario auf einem sehr hohen Niveau.“ Das Niveau von Götzes Rückrunde wird auch über die Zukunft des noch so jungen Weltmeisters entscheiden - ob beim FC Bayern oder sonstwo.

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