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96-Torhüter Zieler : Der wertvollste Mann wird zum Schnäppchen

  • -Aktualisiert am

Weil Hannover so schlecht spielt, rückt auch für Ron-Robert Zieler die EM in weitere Ferne. Bild: dpa

An Hannovers Niedergang sind viele schuld – Ron-Robert Zieler sicher nicht. Ein Wechsel wird daher immer wahrscheinlicher. Trotzdem hat der Torwart des Tabellenletzten schon jetzt ein Problem.

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          Gerade erst habe er wieder mit Andreas Köpke gesprochen, erzählte Ron-Robert Zieler jüngst tapfer. Und der Bundestorwarttrainer habe ihm versichert, dass noch keine Vorentscheidung gefallen sei. Also darf sich der Torhüter von Hannover 96 vor dem Bundesligaspiel am Freitag gegen Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) weiter ein bisschen darauf hoffen, bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich vom 10. Juni bis zum 10. Juli dabei zu sein. Seine Form und seine Stabilität würden jedenfalls dafür sprechen. Dass bei den vergangenen beiden Länderspielen Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Kevin Trapp im Aufgebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) standen, war indes ein Fingerzeig dafür, dass man es als Torhüter des abgeschlagenen Tabellenletzten leider schwer hat im gewohnt großen Kreis deutscher Top-Torhüter.

          Der 27 Jahre alte Zieler war nie einer, der laut und deutlich Werbung in eigener Sache macht. „Ich versuche mich nur auf meine Leistung zu konzentrieren“, sagt er mit Blick auf die EM, „der Rest liegt nicht in meiner Hand.“ Im Einklang mit tadellosem Auftreten und einer erstaunlichen Fehler-Unanfälligkeit selbst in dieser Spielzeit hat sich Zieler längst zum beliebtesten Profi bei Hannover 96 gemausert.

          „Die aktuelle Situation tut sehr weh“

          Seit 2010 im Klub, ist der sechsmalige Nationalspieler zum Gesicht der „Roten“ geworden – schade nur, dass er sie zum Saisonende verlassen wird. Seine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 6,5 Millionen Euro halbiert sich beim Abstieg. Schon länger wird er mit Manchester City in Verbindung gebracht, und auch in seiner Heimatstadt Köln gibt es Überlegungen, Zieler zu verpflichten, sollte Stammtorwart Timo Horn dem Werben von RB Leipzig nachgeben.

          Aus Zielers Sicht hätte es nie so weit kommen müssen. „Hannover 96 ist mir in den Jahren sehr ans Herz gewachsen. Der Verein, die Stadt, die Menschen. Deshalb tut mir die aktuelle Situation auch sehr weh.“ Das überraschende Remis beim ersten Spiel des neuen Trainers Daniel Stendel am vergangenen Freitag in Berlin war ein Punkt für die Moral – tabellarisch ändert sich wenig für die Niedersachsen und ihren Torwart.

          Dass Zieler in der zweiten Liga weitermacht, gilt als ausgeschlossen. Nicht einmal Vereinspräsident Martin Kind glaubt das: „Ich würde Ron-Robert Zieler nicht empfehlen, als Nationaltorwart mit uns in die zweite Liga zu gehen.“ Kind hat sich im Übrigen sehr über das Vertragsmanagement bei Zieler geärgert. Den wertvollsten Spieler für eine derart geringe Summe gehen zu lassen sei ein schweres Versäumnis. Auf dem englischen Markt wäre er selbst beim Zehnfachen der Summe noch ein Schnäppchen, bedenkt man, wie dauerhaft gut seine Leistungen sind und wie selten er verletzt ist.

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          Ron-Robert Zieler ist in mancherlei Hinsicht ein erstaunlicher Profi. Ein Führungsspieler der leisen Sorte, einer, der sich nie produziert, immer professionell auftritt und nach jeder Niederlage die Fassung wahrt, wenn er vor die Medien tritt. Es muss schon einiges passieren, bevor er mal aus der Haut fährt – selbst in dieser Abstiegssaison hat er die Fehler seiner Vorderleute meist still erduldet und einige von ihnen ausgebügelt.

          Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien vor zwei Jahren war Zieler der ideale dritte Mann im Team des DFB hinter Neuer und Roman Weidenfeller. Jetzt muss er hoffen, dass Köpke und Bundestrainer Joachim Löw in ihm nicht den Torwart eines Absteigers sehen, sondern den Keeper, der sein Team trotz teils überragender Leistungen einfach nicht vor dem freien Fall bewahren konnte. Schuld waren andere.

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