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Torwart Manuel Neuer : Schalker aus dem königsblauen Bilderbuch

  • -Aktualisiert am

Gibt den Ton im Schalker Tor an: Manuel Neuer Bild: ddp

Der Karrierestart von Schalke-Torwart Manuel Neuer verblüffte viele. Nicht nur, weil er Platzhirsch Frank Rost ablöste und noch ohne Niederlage ist. Am Sonntag steht der 20-Jährige nun beim Spitzenspiel in Bremen im Fokus.

          Manuel Neuer ist noch jung, gerade für einen Torhüter. Der Karrierestart des Zwanzigjährigen verblüfft viele in der Branche, und auch Neuer selbst kommt sich vor wie ein hochbegabter Schüler, der eine oder gar mehrere Klassen übersprungen hat. „Es ist schon komisch“, sagt er, „im vergangenen Jahr war ich der jüngste Torwart in der Mannschaft, jetzt bin ich der älteste.“ Die beiden Ersatzleute Ralf Fährmann und Dennis Lamczyk sind noch jünger als Neuer.

          Seit er Frank Rost aus dem Tor des FC Schalke 04 verdrängt hat, spielt die Mannschaft wie ein Meisterschaftskandidat. Der Auszubildende mit fester Planstelle hat schon viel gelernt, nur eines nicht bei seinem Crash-Kurs Fußball-Bundesliga: zu verlieren. In den zwölf Bundesligaspielen mit ihm zwischen den Pfosten blieb Schalke ungeschlagen. An diesem Sonntag treten die Westfalen in Bremen an, beim punktgleichen Tabellenführer Werder. In dieser Partie könnte Neuer zum ersten Mal in seiner jungen Profikarriere als Verlierer vom Platz gehen.

          „Der Medien-Boykott hat mir sicher geholfen“

          Angst wird er vor der Begegnung nicht haben. Er, der im November am Tag vor dem Heimspiel gegen Bayern München vom Trainer gesagt bekam, er sei die neue Nummer eins als Nachfolger eines renommierten, hochbezahlten Torwarts wie Frank Rost. An jenem Sonntag wurde er von einem Talent zum Bundesligatorwart eines Spitzenklubs, und er ist es geblieben. Während Rost den Verein wechselte und zum Hamburger SV ging, nutzte Neuer seine Chance „auf Schalke“ konsequent.

          Er schert sich nicht darum, dass er öffentlich als Newcomer wahrgenommen wird. „Ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mache mir keine großen Gedanken darüber, was in der Zeitung steht“, sagt er. Dass sein Aufstieg in die Zeit des Schalker Medien-Boykotts fiel, kam ihm gelegen. „Diese Phase hat mir sicher geholfen, sonst wäre der Druck auf mich noch größer geworden.“

          „Die A-Nationalmannschaft ist sicher ein Traum“

          Neuer hält die Bälle wie ein Routinier und fängt an zu begreifen, was er noch alles erreichen könnte. „Nun, da ich es geschafft habe, möchte ich mich auf Schalke langfristig durchsetzen“, sagt er. Und eines Tages will er noch höher hinaus. „Die A-Nationalmannschaft ist sicher ein Traum, aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Man muss zwei oder drei Jahre in der Bundesliga und international gute Leistungen bringen, um in das Aufgebot zu rutschen.“ Gerade Neuers Werdegang aber zeigt, dass es im Fußball manchmal schneller geht, als man denkt. Trainer Slomka hatte rasch zu verstehen gegeben, dass Neuer die Nummer eins bleiben werde. Mit dem Vereinswechsel machte Rost in der Winterpause schließlich den Weg frei für die ganz junge Lösung.

          Neben seinem Talent und seiner erstaunlichen Ruhe hat der spielende Torwart Neuer einen Vorzug, der sich für die Karriere besonders gut macht. Schon als vierjähriger Junge hütete der inzwischen gut 1,90 Meter lange Schlussmann das Tor einer Schalker Jugendmannschaft. In der Nähe des Vereinsgeländes geboren, stand er als Fan in der Nordkurve des Parkstadions und jubelte seinem Vorbild zu. „Ich war lange vor dem Anpfiff dort, weil ich Jens Lehmann beim Aufwärmen zuschauen wollte“, erzählt Neuer. Beim FC Schalke aufgewachsen, hatte er lange genug Zeit, sich an das fortwährende Getöse im königsblauen Klub zu gewöhnen. „Ich kenne es nicht anders und komme gut damit klar“, sagt er.

          Neuer hat nicht vergessen, wo er herkommt

          Inzwischen wird Neuer mit großen Worten zitiert, die von seinen Vorgesetzten stammen könnten. „Wenn wir an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen, können wir Meister werden.“ Wie es scheint, ist Neuer gewappnet, mit dem frühen Ruhm fertig zu werden. Er wirkt nicht nur zwischen den Pfosten stellungssicher. Abheben werde er nicht, sagt er. „Da mache ich mir keine Sorgen. Meine Eltern und meine Freunde passen schon auf mich auf. An Spieltagen demonstriert Neuer seine Nähe zur Basis mit einem T-Shirt, das zum Vorschein kommt, sobald er sein Torwarttrikot ablegt.

          Es trägt die Aufschrift „Buerschenschaft“ und signalisiert, dass der Torhüter nicht vergessen hat, wo er herkommt. Im Gelsenkirchener Ortsteil Buer liegt die Arena, und Neuer ist dort zu Hause. Er werde das T-Shirt weiter unter seiner Dienstkleidung tragen, sagt er. „Zum einen drücke ich damit die Verbundenheit mit meinen Jungs in der Nordkurve aus, zum anderen hat es mir auch Glück gebracht.“ Abergläubisch ist also auch dieser außergewöhnliche Jungprofi.

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