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Mainz-Torwart Müller : „Was er heute gerissen hat, war sensationell“

  • -Aktualisiert am

Florian Müller zeigte in seinem ersten Spiel für Mainz 05 eine starke Leistung. Bild: dpa

René Adler war geschwächt, Robin Zentner verletzt. Also kam Torwart Florian Müller bei Mainz 05 in Hamburg zu seinem Bundesliga-Debüt. Und er zeigt eine famose Leistung – vor allem in der 62. Minute.

          2 Min.

          Die wenigen Mainzer Fans im Volksparkstadion waren während des ganzen Spiels kaum zu hören, nur einmal kurz vor Schluss riefen sie kurz und gut vernehmbar den Namen ihres Helden des kalten Nachmittags: „Müller, Müller!“ Wie ein Absteiger hatten die Mainzer gespielt, nach vorne ging nichts, hinten wirkten sie sogar gegen diesen HSV oft verletzlich (20 Hamburger Torschüsse). Aber Torwart Florian Müller rettete dem FSV mit seinen Paraden diesen wichtigen Punkt. 0:0 – das war offenbar genau das, was Trainer Sandro Schwarz wollte. Und weil Werder und Wolfsburg auch nicht gewannen, bleibt Mainz im Rennen um den Klassenverbleib. Am wichtigsten aber: Sie haben den HSV nicht näher herankommen lassen; der Abstand beträgt sieben Punkte.

          Bundesliga

          Sandro Schwarz war vor allem mit dem Ergebnis zufrieden: „Es war nicht berauschend heute. Wir haben viel zu viele Fehler beim Umschaltspiel gemacht. Aber von der Moral her war es top, in Unterzahl ein 0:0 mitzunehmen.“ Der FSV hat in Hamburg schon gute Spiele gezeigt, mutig, klug eingestellt, abgezockt. Die Partie an diesem 25. Spieltag gehörte nicht dazu. Kurioserweise spielten die Mainzer nach der Gelb-Roten Karte gegen Leon Balogun – er hatte Luca Waldschmidt im Strafraum geschubst (61. Minute) – wehrhafter als zuvor mit zehn Feldspielern. Sie rührten Beton an, und der konfus anrennende HSV kam in seinen mehr als 30 Minuten numerischer Überlegenheit zu keiner Torchance.

          62. Minute in Hamburg: Filip Kostić legt sich den Ball zum Strafstoß zurecht und sieht dabei aus, als dächte er noch beim Anlaufen darüber nach, dass nun der wichtigste Schuss seiner Karriere folgt. Das kam Florian Müller im Mainzer Tor zugute. Kostićs schwachen Schuss parierte der 20 Jahre alte Keeper. Die 200 mitgereisten Anhänger jubelten. Mehr waren es nicht, weil der geplante Sonderzug wegen Schnee und Eis nicht losfahren konnte.

          Der 1. FSV Mainz 05 hatte eine schwache Leistung geboten, aber dieser Torwart schenkte ihnen einen Punkt – nicht nur durch seine Parade beim Elfmeter. Müller kommt aus dem eigenen Stall und ist nach Christian Mathenia, Loris Karius und Robin Zentner der vierte Torwart in vier Jahren, der es aus Mainz zum Bundesliga-Torwart gebracht hat. René Adler noch von einer Grippe geschwächt, Zentner nach seiner Oberschenkelprellung nicht einsatzfähig: Da sprang Müller ein und wirkte bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz gleich hellwach. Er gilt ja als Wettkampftyp, und beim FSV haben sie ihm immer zugetraut, auf höchstem Niveau spielen zu können. Aber gleich in einem solch wichtigen Spiel? Sein Trainer lobte: „Was er heute gerissen hat, war sensationell.“

          Filip Kostic war die tragische Figur beim Hamburger SV. Bilderstrecke
          Filip Kostic war die tragische Figur beim Hamburger SV. :

          Einmal musste Müller hinter sich greifen. Der Hamburger Schipplock hatte per Hacke auf Kostić gelegt, der traf mit links. Aber der Video-Assistent in Köln schaltete sich ein und hatte Kostićs Abseitsstellung erkannt (25. Minute). Seinen ersten Bundesliga-Ball hatte Müller schon nach fünf Minuten abgewehrt, als der überraschend aufgestellte Sven Schipplock frei zum Schuss kam. Auch den Versuch von Walace ein paar Minuten später wehrte Müller ab. Er war nun voll im Spiel und war der große Rückhalt. Auch in der 22. Minute, als Kostić schießen durfte, doch Müller lenkte den Ball über die Latte. Man sah in Hamburg deutlich, warum Mainz die zweitschlechteste Abwehr der Bundesliga nach Köln hat. Und nach vorne ging nichts. Vor allem Gerrit Holtmann spielte Fehlpass um Fehlpass; deswegen blieb er nach der Pause in der Kabine.

          Einzig der eingewechselte Daniel Brosinski sorgte mit seinem Freistoß in der 51. Minute für die beste Mainzer Chance. Sein Schuss streifte das HSV-Tor. Danach stellten die Mainzer bis auf einen weiteren Brosinski-Freistoß das Fußballspielen ein. Sie igelten sich ein und ermauerten sich dieses 0:0. Die Einwechslungen von Karim Onisiwo und Anthony Ujah nahmen Zeit von der Uhr gegen einen HSV, der nur der Variante lang und weit vertraute. Das war für den umsichtigen Kapitän Stefan Bell leicht zu verteidigen. Vier Minuten Nachspielzeit überstanden die Mainzer. Mit Blick auf die Partie gegen Schalke am Freitag warnte Trainer Schwarz aber: „Von der Leistung her haben wir deutlich Luft nach oben. Das wissen wir auch.“

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