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Neuer Darmstadt-Trainer : Doppelt geblitzt und voller Feuer

  • -Aktualisiert am

Der Neue am Böllenfalltor: „Lilien“-Trainer Torsten Lieberknecht Bild: dpa

Nach dem überraschenden Abgang von Markus Anfang haben die „Lilien“ einen neuen Trainer. Torsten Lieberknecht kann es kaum erwarten, schneller als erlaubt den Posten beim SV Darmstadt 98 anzutreten.

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          Zur Vorstellung eines neuen Cheftrainers kommt auch an kleineren Fußballstandorten wie Darmstadt ein nicht alltäglicher Pulk Medienvertreter zusammen. Carsten Wehlmann würde dennoch gerne auf Termine wie diese eine Weile verzichten. „Ich gehe davon aus“, sagte der „Lilien“-Sportdirektor am Donnerstag, „dass wir im nächsten Jahr nicht wieder hier sitzen.“

          Das würde bedeuten, dass es Torsten Lieberknecht ein wenig länger aushält am Böllenfalltor als seine Vorgänger. Der 47-Jährige tritt die Nachfolge von Markus Anfang an, der sich nach nur einer Saison gen Bremen verabschiedet hat. Zuvor vermochten sich auch die Trainer Dimitrios Grammozis, Dirk Schuster bei seiner zweiten Darmstädter Amtszeit und Torsten Frings allesamt keine zwei vollen Spielzeiten bei den „Lilien“ zu halten.

          Lieberknecht hat immerhin schon bewiesen, dass er eine Verbundenheit aufbauen kann zu dem Fleckchen Erde, an dem sein aktueller Arbeitgeber beheimatet ist. Zehn Jahre und in drei verschiedenen Ligen trainierte er Eintracht Braunschweig. Sein letztes Engagement beim MSV Duisburg war weniger erfolgreich. „Ich bin angefixt und finde es wahnsinnig interessant, so einen Verein übernehmen zu dürfen“, sagte Lieberknecht.

          „Ganz viel Christian Streich“

          Daher habe er es auch besonders eilig gehabt, im Auto nach Darmstadt zu kommen. Gleich zweimal – immerhin sollen es nur moderate Geschwindigkeitsüberschreitungen gewesen sein – sei er geblitzt worden. „Ich bin voller Enthusiasmus nach Darmstadt gefahren“, sagte der gebürtige Bad Dürkheimer. Mit der Überzeugung, auch in Südhessen „meine authentische, emotionale Art rüberzubringen“. Damit hat Lieberknecht schon begonnen.

          Zupackend, offen, unverstellt und auch mal augenzwinkernd präsentierte er sich mit seinem pfälzischen Idiom. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass Lieberknecht als Typ beim Traditionsverein und seinen Fans gut ankommen wird. Denn wenn er von Leidenschaft, Bodenständigkeit, Identifikation und Authentizität spricht, geht dies nicht in den freien Raum, sondern wird unterfüttert durch seinen Auftritt und seine Vita. „Ich sauge alles auf – den Klub, die Schwingungen in der Stadt und bei den Fans. Ich möchte anfassbar und nahe sein, das sind für mich wichtige Komponenten. Ich brenne für die Sache.“

          Zu seinen Zeiten als Spieler bei Mainz 05 teilte er mitunter das Zimmer mit Jürgen Klopp. Ähnlich wie die Liverpooler Trainerikone beschreibt er den Einfluss des verstorbenen Fußballlehrers Wolfgang Frank auf ihn als groß. Auf die Frage, welcher Trainertyp er sei, habe er nur gewartet, sagte Lieberknecht – und antwortete: „Ein bisschen Friedhelm Funkel, ganz viel Christian Streich, aber auch ein bisschen Julian Nagelsmann wegen der Taktik und so.“

          Das erste Mal auf den Platz stehen mit seiner neuen Mannschaft wird Lieberknecht zum Trainingsauftakt am 19. Juni. Zwei Profis kennt er besonders gut: Fabian Schnellhardt aus gemeinsamen Duisburger Tagen und Neuzugang Philip Tietz, der einst bei Braunschweig gegenüber von den Lieberknechts wohnte. Der Darmstädter Kader ist nach den Abgängen einiger Stammkräfte noch unfertig.

          Lieberknecht kündigte an, nach der starken Rückrunde (33 Punkte) „nicht alles umstülpen zu wollen. Das wäre der falsche Ansatz.“ Die taktische Formation 4-2-3-1, die auch seit Jahren zum vorrangigen Rüstzeug der „Lilien“ gehört, hat auch Lieberknecht häufig spielen lassen. „Mir sind Prinzipien wichtiger als Zahlenspiele. Jeder Spieler soll bei mir wissen, was er in jeder Situation zu tun hat. Und man muss auch die Schwachpunkte seines Systems kennen.“

          In seiner halbjährigen Arbeitslosigkeit habe er ein paar Dinge reflektiert, sich fortgebildet und „mich mit der Agentur für Arbeit herumgeschlagen“, erzählte der Vater von drei Kindern zwischen 10 und 16 Jahren. Auch bei der Frage nach einem Saisonziel wird beim SVD im Vergleich zu den Vorjahren nicht mehr laviert.

          „Ein einstelliger Tabellenplatz ist eine gute Sache. Man sollte ambitioniert bleiben und sich nicht kleiner machen, als man ist. Die ‚Lilien‘ sind ein etablierter Zweitligaklub“, sagte Lieberknecht. Nicht ungeschickt sagte der neue Coach zum Schluss noch: „Darmstadt ist für mich kein Sprungbrett.“ Das durfte man durchaus an die Adresse der „Lilien“-Fans und seiner Trainer-Vorgänger gerichtet auffassen. „Wenn ich auch hier zehn Jahre bleiben könnte“, sagte Lieberknecht „wäre es fantastisch. Denn dann wissen wir, dass es erfolgreich war.“

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