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Torsten Frings : Der letzte Angriff

  • -Aktualisiert am

Jetzt wird nochmal angegriffen: Torsten Frings steht vor einem wichtigen Jahr in seiner Karriere Bild: REUTERS

Torsten Frings kämpft um seine alte Dominanz. Nach dem Verlust des Stammplatzes bei der deutschen Nationalelf und einer recht schwachen Hinrunde mit Bremen muss er sich nun zeigen. Frings ist allerdings ein Mann der Widersprüche.

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          Torsten Frings ist bei Werder Bremen noch wichtiger geworden in dieser Saison. Er ist nicht mehr nur Vizekapitän, Wortführer und der erfahrenste Spieler, er führt jetzt auch noch die Mannschaftskasse. Es war Mitte Januar, Werder absolvierte gerade ein Trainingslager in der Türkei, als Torsten Frings verriet, dass er in diesem Jahr noch kein Strafgeld eintreiben musste für diese Kasse – außer bei sich selbst. Frings schmunzelte, die Zuhörer lachten, nur die Verantwortlichen von Werder fanden das nicht komisch. Der 32 Jahre alte Altmeister der Bremer hatte am Abend zuvor in einem Testspiel wegen Schiedsrichter-Beleidigung die Rote Karte gesehen.

          Das war kein guter Start in ein für ihn so wichtiges Jahr. Frings möchte 2009 in die Nationalmannschaft zurückkehren und mit Werder eine schwache Hinrunde korrigieren. Er sagt: „Ich habe zu meiner alten Stärke zurückgefunden.“ Das ist ein typischer Frings-Satz, deutlich und direkt. Aber Torsten Frings ist auch ein Mann der Widersprüche. Bei Werder wollte er in der Debatte um fehlende Disziplin ein Vorbild sein, stattdessen hat er sie mit diesem Platzverweis in der Türkei noch verschärft.

          Als er 2005 vom FC Bayern nach Bremen zurückkehrte, beklagte er sich im Nachhinein über die große Nähe einiger Bayern-Spieler zu den Münchner Medien. Kaum angekommen bei Werder, pflegte er selbst den besten Draht zu einem meinungsmachenden Boulevardblatt. Dass er sich 2007 beinahe das Kreuzband riss und ein Jahr später über den Bundestrainer ärgerte, wusste die „Bild“-Zeitung zuerst.

          Erfolgreicher Jahresbeginn: In Dortmund zog Frings mit seinen Bremern ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein
          Erfolgreicher Jahresbeginn: In Dortmund zog Frings mit seinen Bremern ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein : Bild: ddp

          So fiel auch beim Streit mit Joachim Löw auf, dass er ihm durch die öffentliche Art und Weise seiner Kritik genau den Respekt versagte, den er umgekehrt für sich einforderte. Aber gerade diese Auseinandersetzung sagt viel aus über Frings' Einstellung, und sie prägt sein Verhalten bis zum heutigen Rückrundenstart gegen Arminia Bielefeld (17.30 Uhr / Live bei Premiere und im FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker).

          „Es gibt nur ein Argument: Und das ist die Leistung“

          Eigentlich fühlt Frings sich in der Öffentlichkeit nicht wohl, er ist im Kern ein zurückhaltender, fast schüchterner Typ. Er hat sich im Laufe der Jahre aber stetig die Karriereleiter hinaufgearbeitet: nach Dortmund, zu den Bayern, in die Champions League und zweimal zur WM. Und weil diese Karriere in einer Zeit begann, in der die Hierarchien innerhalb einer Fußballelf noch steil waren und erfahrene Kräfte über reichlich Privilegien verfügten, ist er davon überzeugt, dass jede Mannschaft Anführer braucht. Je dominanter, desto besser. Frings meint, dass ihm diese Rolle zusteht nach 78 Länder- und 326 Bundesligaspielen. Das Einzige, was nicht mitgewachsen ist mit seiner Karriere, ist wohl sein Gespür dafür, im richtigen Moment das Richtige zu sagen.

          Bei Werder Bremen kritisiert er seine Mitspieler bisweilen schroff. Das Problem ist nur, dass er die meisten damit eher nervt als anspornt. Auch für seine Kritik an Joachim Löw hatte kaum jemand Verständnis. Dieser verlorene Machtkampf hat bei Torsten Frings Spuren hinterlassen. Zunächst zog er sich zurück im vergangenen Herbst. Als Werder in die Krise geriet, war von ihm kaum etwas zu hören. „Man muss spüren, wo als Spieler die Grenze ist, da ist er ein-, zweimal zu weit gegangen. Aber Torsten hat erkannt, dass es nur ein Argument gibt, das alles andere vom Tisch wischt. Und das ist die Leistung“, sagt der Bremer Sportdirektor Klaus Allofs.

          Die wurde bei Frings stetig besser am Ende der Hinrunde. Deshalb geht er jetzt wohl noch einmal in die Offensive. Er tut das auch wieder verbal, bewegt sich dabei aber innerhalb der von Allofs genannten Grenzen. Zum Thema Nationalelf sagt Frings: „Wenn er meint, er lädt mich ein, dann fahre ich hin, denn grundsätzlich bin ich sehr gern dabei.“ Frings nennt Joachim Löw nicht beim Namen, das zeigt, dass er noch immer verärgert ist über den Verlust seines Stammplatzes. Aber mittlerweile behält er das für sich.

          „Für sein Spiel muss man richtig fit sein, und das ist er jetzt“

          Frings möchte unbedingt zurück in die Nationalmannschaft, und er möchte mit Werder Bremen noch auf Platz drei in der Bundesliga (siehe auch: Die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga). Das treibt ihn sicht- und hörbar an. „Wir müssen wieder Vollgas geben und zeigen, dass wir noch da sind“, sagt er, das gilt für Werder wie für ihn. Für diese Worte wählt er sogar den richtigen Zeitpunkt, denn die Voraussetzungen für seinen Angriff sind gut. Frings ist fit und ausgeruht, er machte „endlich mal wieder richtig Urlaub“ im Winter, statt wie in den Jahren 2007 und 2008 ständig verletzt zu sein. In seiner Krankenakte dieser Zeit stehen zwei Innenbandrisse, ein eingegipstes Knie, ein Rippen- und ein Nasenbeinbruch. Klaus Allofs sagt: „Für sein Spiel muss man richtig fit sein, und das ist er jetzt.“

          In Bremen kann Frings sich gut für die Nationalelf empfehlen. Er hat dort kaum Konkurrenz im defensiven Mittelfeld und wird von Trainer Thomas Schaaf bedingungslos gestützt. Werder spielte so wechselhaft und antriebsschwach in der Hinrunde, dass man aus dieser Zeit andere Lehren gezogen hat als der Deutsche Fußball-Bund: Der Klub hatte eher zu wenig Frings als zu viel, er stärkt die Hierarchie seines Kaders eher, als dass er sie verflacht. „Torsten ist einer, der gegen schlechte Phasen angeht und sich zeigt“, sagt Schaaf. Genau das will Frings jetzt tun.

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