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0:0 gegen Mönchengladbach : Torloser Mutmacher für Mainz

Alexander Hack (rechts) vom FSV Mainz im Laufduell mit Thorgan Hazard) Bild: EPA

Der ersehnte Heimsieg bleibt Mainz 05 trotz großen Kampfs verwehrt. Die Rheinhessen bleiben auf dem Relegationsrang. Der Punkt gegen Borussia Mönchengladbach kann aber wertvoll sein.

          3 Min.

          Giulio Donati kämpfte bereits eine Viertelstunde vor Schluss mit Wadenkrämpfen, nach Spielschluss fielen nahezu alle Mainzer vor Erschöpfung zu Boden. Und die 30.000 Zuschauer applaudierten, weil die Mannschaft von Mainz 05 ihr Versprechen gehalten hatte, zum Auftakt des Saisonendspurts vollen Einsatz aufs Feld zu bringen. Trainer Sandro Schwarz hatte schließlich einen Neustart ausgerufen für die letzten sieben Spiele und wollte dafür „Widerstandskämpfer“ auf dem Feld sehen. Die Laufleistung von 120 KIlometern und ein Wert von stolzen 279 Sprints, der Zweitbeste der Spielzeit, war ein Beleg für die passende Einsatzbereitschaft, nachdem die Mainzer zuletzt gehemmt von der eigenen Verunsicherung nur selten ins Laufen kamen. „Wir wollten eine Leistung bringen, die die Zuschauer sehen können“, sagte Trainer Sandro Schwarz. „Das ist uns gelungen.“ Allein das Ergebnis, ein 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach, war ein Stimmungsdämpfer, weil er den Tabellen-Sechzehnten nur sehr bedingt voranbringt in seinem Kampf um den Klassenerhalt.

          Bundesliga

          Die Rheinhessen, de nur vier Spiele lang ohne eigenen Torerfolg sind, verpassten den Sprung weg vom Relegationsrang und sind nach 28 Spielen nun weiter punktgleich mit dem Fünfzehnten aus Wolfsburg, der Vorsprung auf den nächsten Gegner 1. FC Köln auf dem direkten Abstiegsplatz beträgt sechs Punkte. „Wir werden uns nun sicher nicht drei Tage abfeiern für ein 0:0 gegen Mönchengladbach. Wir bleiben im Fokus und schauen auf das zweite Spiel unserer Endrunde“, sagte Schwarz. Dieses findet am kommenden Samstag in Köln statt, wo der direkte Verfolger FC seine letzte Chance für den Nichtabstieg wahren will.

          Mehr als die reinen Zahlen sollte den Mainzern aber die große Einsatzbereitschaft, die Zweikampfhärte und die Lauffreude des zuletzt bezüglich der Mentalität in Frage gestellten Teams Mut geben, wenngleich bei weitem nicht alles gelang, was die Mainzer sich gegen die mit ebenfalls spärlichen nun neun Punkten in der Rückserie arg erfolglose Elf vom Niederrhein vorgenommen hatten.

          Das gegenüber der Niederlage in Frankfurt auf gleich acht Positionen veränderte und nach geraumer Zeit erstmals in einer 4-3-3-Grundformation angetretene Team von Trainer Schwarz, in dem der kleine Argentinier de Blasis nach wochenlangem Ersatzspielerdasein als personifizierter Widerstandsgeist eine gewisse Aufmüpfigkeit ins Team brachte, agierte aus sichtlicher Furcht vor Gladbacher Kontern zunächst statt mit wildem Anlaufen klug mit angezogener Handbremse und lauerte vor allem auf Balleroberungen im zentralen Mittelfeld und anschließende Umschaltgelegenheiten, die sie zuhauf erzwangen. Allerdings fehlte der letzte Punch, um daraus Kapital zu schlagen. Der einzige ernsthafte Torschuss gelang folgerichtig nur aus großer Distanz von Kapitän Stefan Bell (17. Minute).

          Die Gladbacher waren dem Torerfolg derweil näher, als Raffael nach einem öffnenden 40-Meter-Pass des nach einer Verletzungspause ins Team zurückgekehrten Jannik Vestergard und einem Querpass von Patrick Hermann knapp am Mainzer Tor vorbeizielte. In der 42. Minute herrschte im Mainzer Strafraum nach einer von mehreren leichtfertigen Aktionen von Innenverteidiger Alexander Hack Chaos. Schlussmann René Adler, den Trainer Schwarz im Wettstreit mit den Torhüterkollegen Robin Zentner und Florian Müller offenkundig zu seinem Mann des Vertrauens für die Saisonschlussphase erkoren hat, musste jedoch nicht eingreifen, da die Borussen den Ball zu wenig entschlossen vertändelten. Adler nutzte, ohne selbst eingreifen zu müssen, solche Gelegenheiten, um seine Vorderleute mit Glückwünschen für gelungene Grätschen oder andere Abwehraktionen zu ermutigen. „Es ist wichtig, dass wir Emotionen ins Spiel kriegen“, sagte der 35 Jahre alte frühere Nationaltorwart. „Als Torwart hast Du da wenige Möglichkeiten durch Aktionen, da musst du dann eben Mitspieler abfeiern.“

          Mönchengladbachs Nico Elvedi (rechts) im Zweikampf mit Levin Öztunali. Bilderstrecke

          Aus der Pause kamen die Mainzer mit neuem Mut und neuem Schwung: Nach einer ersten gelungenen Ballstaffette über Latza, Berggreen und Serdar kam der Ball zu de Blasis, der mit seinem Schuss am Mönchengladbacher Torhüter Yann Sommer scheiterte (47.). Der Angriff war ein Signal zur Attacke, so wie es Schwarz vor dem Spiel mit den Worten „Feuer frei!“ angekündigt hatte. Zunächst versuchten es die Mainzer mit Distanzschüssen von Gbamin und Hack, mit wachsendem Mut liefen schließlich auch die zuvor zögerlichen Mittelfeldspieler Serdar und Latza bis in den Strafraum durch. Die klarste Chance hatte Hack nach einem Eckball von Daniel Brosinski. Der Kopfball prallte aber von der Latte auf und eben nicht hinter die Torlinie (66.).

          Anschließend mussten die Mainzer ihrem hohen Tempo Tribut zollen. Mönchengladbach hatte nun die Chance zum Auswärtssieg. Torhüter Adler rettete das torlose Unentschieden aber, als er sich zunächst erfolgreich gegen Thorgan Hazard und Lars Stindl stemmte (71.), ehe er in der Nachspielzeit zunächst einen Schuss von Hazard entschärfte, ehe er gut reagierte und weit vor seinem Tor gegen den nach einem katastrophalen Fehlpass des eingewechselten Mittelstürmers Anthony Ujah alleine auf ihn zueilenden Josip Drmic den Punkt endgültig rettete. „Das war letztlich ein verdientes Unentschieden und nach der Schlussphase ein wichtiger Punkt für uns“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder. „Die Mannschaft hat Mentalität gezeigt. Das steckt schon immer im Team drin. Heute haben wir es auch für alle erkennbar gezeigt.“

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