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Ingolstadt in der Relegation : Dr. Steelhammer findet das Rezept

  • -Aktualisiert am

Mission Klassenverbleib: Für Tomas Oral ist Coaching ein Spiel mit den Emotionen. Bild: Imago

Tomas Oral ist in dieser Saison schon der fünfte Trainer, der sich beim FC Ingolstadt versucht. Sein Verpflichtung, die wie eine Panikaktion wirkte, hat Erfolg – weil der neuer Coach in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich ist.

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          Eigentlich waren alle Ingredienzien einer Horrorsaison vorhanden. Die Mannschaft: leblos. Die Zuschauer: verärgert. Die Trainer: wurden alle paar Wochen ausgewechselt. Der FC Ingolstadt hatte sich von Saisonbeginn an so rasant auf Talfahrt begeben, dass nach gesundem Ermessen am Ende der Spielzeit eigentlich nur der Abstieg in die dritte Liga stehen konnte. Zumal das allerletzte Ziehen der Notbremse Anfang April wie eine Panikaktion anmutete. Die Bayern erinnerten sich an den vor acht Jahren schon mal beim FCI tätigen, zuletzt lange arbeitslosen Fußballlehrer Tomas Oral, der den aus FC-Bayern-Zeiten bekannten Michael Henke als Assistenten mitbrachte.

          2. Bundesliga

          Oral ist so etwas wie der „Dr. Steelhammer“ der hiesigen Trainerzunft. Unvergessen die Maßnahme, mit der er einst seine Rettungsmission beim damaligen Zweitligaklub FSV Frankfurt begann: Er ließ die Profis durch die Autowaschanlage der vom Trainingsgelände aus fußläufig erreichbaren Tankstelle marschieren – um sie von all dem Groll und Frust, der vor Orals Ankunft herrschte, „reinzuwaschen“. In Ingolstadt hat der 46-Jährige die Spieler nicht nass gemacht. Dafür aber in kürzester Zeit eine mit erheblichem Mitteleinsatz zusammengestellte, aber nie zusammengewachsene Equipe auf Erfolg getrimmt.

          In einem starken Zweitligaschlussspurt machte Oral die fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz wett. Und im Relegationshinspiel am vergangenen Freitag beim Drittliga-Dritten SV Wehen Wiesbaden setzten sich die Ingolstädter 2:1 durch. Beste Voraussetzungen also zum Klassenverbleib via Saisonzugabe. „Wenn man mit einer zu hohen Führung ins Spiel geht, kann es auch in eine andere Richtung gehen“, sagt Oral vor dem Rückspiel an diesem Dienstag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Relegation, im ZDF und im Eurosport Player). „Das Gegentor war zwar ärgerlich, schärft aber unsere Sinne.“ Bis in die 96. Minute hinein hatte der FCI in der Wiesbadener Arena 2:0 geführt, als der SVWW-Angreifer Daniel-Kofi Kyereh mit seinem Treffer seinem Team neue Hoffnungen bescherte.

          Die Hessen hatten sich nicht als Außenseiter geriert, sondern sich nach einer starken Drittligasaison mit 70 Punkten und dem Ligahöchstwert von 71 Toren auf Augenhöhe mit den Bayern gewähnt. Der Plan ging auch über weite Teile der ersten Halbzeit auf, doch die Ingolstädter Treffer durch Dario Lezcano Sekunden nach Anpfiff und Sekunden nach Wiederanpfiff schanzten dem FCI nun viele Vorteile zu. Vorsprung durch Technik? Das war es nicht wirklich. Denn die Wehener haben nun zwei Jahre in Serie mit stringentem Offensivfußball ihre Zweitligatauglichkeit bewiesen und wittern noch immer Chancen.

          „Die Ausgangsposition ist noch nicht das Endresultat“, sagt Trainer Rüdiger Rehm. „Meine Jungs sind zu allem in der Lage. Wir sind jetzt in der Relegation angekommen und bereit, Ingolstadt einen unglaublichen Fight abzuliefern.“ Das erste Relegationsduell war rasch auch zu einem emotional aufgeladenen Duell zwischen den Trainerbänken geworden. So mancher verbale Giftpfeil flog da während des Hinspiels hin und her. Auch Rehm ist als Heißsporn im Dienst bekannt. Als Agent Provocateur tat sich aber vor allem Oral (negativ) hervor. Es wirkte fast zwanghaft, wie Oral, Henke und Sportdirektor Thomas Linke den vierten Offiziellen dauerhaft belagerten. Als Oral dann die Pressekonferenz mit dem Vorwurf eröffnete, das Verhalten der Wehener Bank sei nicht akzeptabel gewesen, verdrehte Rehm nur noch die Augen.

          Oral ist nach Stefan Leitl, Alexander Nouri, Roberto Pätzold, Jens Keller die fünfte Fachkraft, die sich in dieser Saison am FCI versucht. Der Unterfranke ist aber der Erste, der Coaching vornehmlich als Spiel mit den Emotionen begreift. Bevor Oral in Ingolstadt einen Kurzzeitvertrag bis Saisonende unterschrieb, war er häufig in seinem Café in seiner Wahlheimat Frankfurt anzutreffen. Dies trägt den äußerst passenden Namen „Café Leidenschaft“.

          Sportdirektor Linke hat den fünften Trainer ausgemacht als „Hauptverantwortlichen für die Kehrtwende. Als er vor einigen Wochen anfing, haben alle in Ingolstadt geglaubt, wir sind abgestiegen. Daher sind wir sehr glücklich, dass er die Mannschaft schnell erreicht hat und wir diese Relegation spielen dürfen.“ Bei der Wahl der Mittel für dieses an sich begabte, in weiten Teilen bundesligaerfahrene Team war Oral nicht zimperlich. So hat er in den Angriff neben dem wendigen Lezcano den langen Stefan Kutschke beordert, auf den zahlreiche lange Bälle geschlagen werden. Auf dass auf die Horrorsaison ein Happy End folgt.

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