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Thorsten Fink : Trainer mit Abstandshalter

  • -Aktualisiert am

Immer mit der Ruhe: Thorsten Fink hat die Hamburger Ansprüche heruntergeschraubt Bild: dpa

Thorsten Fink ist weder Kumpel noch harter Hund. Er macht Fehler, hat sich beim HSV aber Respekt erworben. An diesem Samstag (18.30 Uhr) kehrt er zurück nach München, wo er als Spieler große Erfolge feierte.

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          Auch in der punktspielfreien Länderspielwoche hat der Fußball-Lehrer Thorsten Fink eine Aufgabe gefunden. Er hat sich ausführlich mit seinem Angreifer Maximilian Beister beschäftigt. Fink tritt gern als kerniger, ehrlicher Typ auf, als Mann mit Grundsätzen.

          Dass er das nicht immer ist, beweist das Beispiel Beister. Obwohl der zuletzt unberücksichtigte Hamburger Jungstar im Training und im Testspiel gegen Vålerenga Oslo aufreizend lustlos auftrat, wechselte ihn Fink vor zwei Wochen gegen den FC Augsburg ein - weil außer Beister kein anderer Stürmer auf der Bank saß, so begründete das Fink.

          Es war eine Brüskierung des eifrigen Per Skjelbred, der draußen hocken blieb, obwohl er unter der Woche vorbildlichen Einsatz gezeigt hatte. Beister setzte seine Arbeitsverweigerung im Pflichtspiel fort und sah nach einem Foul die Rote Karte. Fink (und alle anderen Offiziellen) schimpften vehement auf ihn, doch zum Ende der Woche entdeckte Fink den Pädagogen in sich und kündigte aufbauende Gespräche mit dem nun Langzeitgesperrten an.

          Nach außen mag solch eine Einwechslung eine beliebige Alltagsaktion eines Bundesligatrainers sein. Nach innen war der Beister-Tausch ein verheerendes Signal: Seht her, war die Botschaft, selbst einer, der eine Woche nur den Stehgeiger gibt, bekommt am Wochenende eine Chance. Und der brave Hinterbänkler Skjelbred fällt durch.

          „Ich bin weder Kumpeltyp noch harter Hund“

          Fink tut sich schwer damit, solche Fehler zuzugeben. Im Falle Rajkovic brauchte er ein dreiviertel Jahr. Nach einem Trainingsgeschubse mit Heung-Min Son im vergangenen Sommer suspendierte er Rajkovic, Son ging straffrei aus. Erst als die Not in der Abwehr im Februar groß war, begnadigte er Rajkovic. In Sachen Menschenführung lernt niemand jemals aus. Aber in einem medial ausgeleuchteten Haifischbecken, wie es der 25 Mann starke Kader eines Bundesligaklubs darstellt, sind solche Ungleichbehandlungen fatal.

          Thorsten Fink, seit dem 17. Oktober 2011 Trainer des HSV, betrachtet seine Profis aus einer mittleren Distanz. Er ist weit genug entfernt, um nicht als Einschmeichler dazustehen, aber doch nah genug dran, um Stimmungen aufzuspüren. „Ich bin weder Kumpeltyp noch harter Hund“, sagt er. Fink hat Verdrängung, wenn er einen Raum betritt, er hat diese inneren Abstandshalter, die auch Persönlichkeiten haben: Kommt mir nicht zu nahe! Damit hat er beim HSV schon mal eines geschafft: Er hat aufgeräumt. Alle haben Respekt vor ihm. Kein Profi legt sich mit ihm an.

          Der Trainer und sein bester Helfer: Fink mit Rafael van der Vaart
          Der Trainer und sein bester Helfer: Fink mit Rafael van der Vaart : Bild: dpa

          Die Ruhe zu bewahren, mit keinem zu kungeln und Fußball als Fußball zu begreifen, das ist eine Leistung in einem ewigen Unruheverein wie dem HSV, in dem noch jeder Aufsichtsrat eine Meinung hat, wie zu spielen sei - von den Legenden vergangener Tage wie Seeler, Kaltz, Hrubesch mal ganz abgesehen. Fink scheint all das nicht zu interessieren.

          Er sichert seinen Posten auf seine Art ab, zum Beispiel, indem er im vergangenen Sommer gegen die Langsamkeit von Sportchef Frank Arnesen beim Einkauf protestierte. Angst hat Fink sicher nicht. Er setzte sich durch, was ihm auch vereinsintern genutzt hat: Fink ist als Coach unumstritten. In van der Vaart und Badelj bekam er zwei Spieler, die ihm weiterhalfen.

          Modewort „Gegenpressing“ noch nie benutzt

          Er hatte ja schnell gemerkt, dass der Kader der Beinahe-Abstiegssaison 2011/2012 dringend renoviert werden musste. Als der HSV vor genau einem Jahr am Abgrund stand, hat auch der Trainer einen schmerzlichen Lernprozess erlebt. Er sagt: „Ich war es gewohnt, mit dem FC Basel in der Schweiz immer nur zu siegen. Wir wurden zweimal hintereinander Meister, da war die Ausrichtung am Wochenende klar.“

          Doch Hamburg war nicht Basel, hier war manches Remis schon ein Erfolg, und Finks markige Sprüche und seine Bayern-Vergleiche vom Beginn trugen nicht weiter. Er habe Hamburg und den HSV erst kennenlernen müssen, sagt Fink, und es spricht für ihn, dass er das Großkotzige vom Herbst 2011 als unpassend ausgemacht und auf sanftere öffentliche Töne umgestellt hat. Basel und die Bayern, das waren unpassende Referenzrahmen für einen HSV im Abstiegskampf. An diesem Samstag (18.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET)

          Spieler, die dem Trainer weiterhelfen sollen: Sportdirektor Frank Arnesen (links), Petr Jiracek. Milan Badelj und Fink
          Spieler, die dem Trainer weiterhelfen sollen: Sportdirektor Frank Arnesen (links), Petr Jiracek. Milan Badelj und Fink : Bild: dpa

          Der Malocher aus Dortmund, der als Profi über Wattenscheid nach München kam, ist kein Mann geschliffener Sätze. Die Europa League ist bei ihm manchmal noch der Uefa-Pokal, und nur sehr selten hört man ihn über Systeme und Taktiken referieren. Das Modewort „Gegenpressing“ hat er noch nie in den Mund genommen.

          Dadurch wirkt Fink trotz seiner 45 Jahre altbacken im Vergleich mit den modernen, verbal glänzenden „Konzepttrainern“. Er ist kein Tuchel, kein Streich, er zieht sich nicht ins stille Kämmerlein zurück und brütet stundenlang über der Taktik. Er genießt zusammen mit seiner Frau und den beiden Söhnen auch mal das Leben in der Großstadt.

          „Ich wüsste nicht, warum wir das nicht schaffen sollten“

          So scheiden sich die Geister an Thorsten Fink. Ein Mann für höhere Aufgaben? Oder gut bedient beim schwer erziehbaren Bundesliga-Dino? Es war sicher eine Leistung, die schwache Mannschaft des Vorjahres vor dem Niedergang zu bewahren. Nun klopft der HSV an die Tür zum europäischen Wettbewerb.

          Doch die entscheidende Schwäche, das ewige HSV-Hemmnis, ist die mentale Hängematte nach guten Spielen, die prompt zur nächsten Niederlage führt. An deren Beseitigung beißt sich auch Fink die Zähne aus. Im Grunde ist es eine Selbstverständlichkeit, mit einem 40-Millionen-Euro-Etat für die Profis Europa anzupeilen (und zu erreichen). Das sagt Vorstand Carl Jarchow klipp und klar: „Ich wüsste nicht, warum wir das nicht schaffen sollten.“

          In Basel feierte Fink seine bisher größten Erfolge als Trainer
          In Basel feierte Fink seine bisher größten Erfolge als Trainer : Bild: imago sportfotodienst

          Fink vertraut seinen eigenen Fähigkeiten, aber er misstraut denen seiner Spieler. Deshalb will er den Erfolg des HSV kurzfristig nicht am Tabellenplatz festmachen. Mittel- und langfristig will er den Verein natürlich im Europapokal unterbringen. Gelingt das, würden die Fragezeichen hinter den Qualitäten des Fußball-Lehrers Thorsten Fink verschwinden.

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