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Thorsten Fink : Die nächste neue HSV-Ära

  • -Aktualisiert am

Thorsten Fink wird neuer HSV-Trainer Bild: dpa

In Thorsten Fink glaubt man beim Hamburger SV, endlich den richtigen Trainer gefunden zu haben – wieder einmal. Der frühere Bayern-Profi kostet eine Million Euro Ablöse.

          Es muss ein völlig neues Gefühl gewesen sein, nicht mehr defensiv um die Dinge herumzureden, sondern das vorzustellen, wovon Frank Arnesen nach eigenen Aussagen schon wochenlang überzeugt war. Strahlend und bester Laune sagte der 55 Jahre alte Teamchef des Hamburger SV am Donnerstag zur Mittagszeit, er sei „sehr, sehr zufrieden“, dass Thorsten Fink als Trainer zum HSV komme.

          Die Lobeshymnen über den 43 Jahre alten ehemaligen Bayern-Profi hörten gar nicht auf. „Fink ist ein Trainer mit Hunger, er ist ein Gewinner mit einer klaren Philosophie vom Fußball, die auch meine ist“, sagte Arnesen. Thorsten Fink soll es also sein, der beim HSV eine neue Ära einläutet – wieder einmal. Doch vielleicht gelingt es dem Bundesliga-Novizen ja tatsächlich besser als seinen sieben Vorgängern seit 2007, an Elbe und Alster stilprägend zu wirken.

          Beim HSV gab man sich jedenfalls alle Mühe, Aufbruchstimmung zu erzeugen – auch wenn der große, neue Hoffnungsträger noch gar nicht da war. Fink, bis Mittwochnacht in Diensten des Schweizer Meisters FC Basel, gab über die Internetseite des HSV die Freundlichkeiten zurück und behauptete, es sei eine große Herausforderung, bei einem Klub wie dem HSV zu arbeiten.

          Er kenne Druck aus seiner Zeit beim FC Bayern. Vorrangiges Ziel sei, die neue Mannschaft aus dem Tabellenkeller zu führen. Seine erste Gelegenheit dazu wird Fink am 22. Oktober bekommen, wenn der HSV gegen den VfL Wolfsburg spielt. Bei der nächsten Partie an diesem Sonntag in Freiburg wird sich Teamchef Arnesen also zum ersten und letzten Mal auf die Bank setzen.

          Fink bekommt einen Vertrag bis 2014

          Sechs Stunden soll sich Arnesen mit Fink in Basel unterhalten haben – wobei Arnesen zugab, schon gleich nach der Entlassung Michael Oennings Mitte September mit der Idee Fink gespielt zu haben. Nach einiger Recherche sei Fink zu seinem Wunschkandidaten geworden, erzählte Arnesen, als habe es andere Namen wie van Gaal oder van Basten nie gegeben. Mit dem gebürtigen Dortmunder soll sich der HSV nun in eine rosige Zukunft aufmachen: Fink bekam einen Vertrag über zweieinhalb Jahre bis Juni 2014 ohne Ausstiegsklausel.

          Er kostet den HSV eine Ablöse von rund einer Million Euro, denn er ist vertraglich noch bis Mitte 2013 an die Basler gebunden. Mittwochabend gegen 22.00 Uhr sei sich Arnesen mit dem FC Basel in Person von Vizepräsident Bernhard Heusler einig gewesen. Am Donnerstagvormittag sei der Vertrag unterzeichnet worden. Von seinen Spielern hat sich Fink schon verabschiedet.

          Verhandlungstaktik statt Absagen vom FC Basel

          Nach den Wochen der Zwischenlösungen gibt es also wieder eine Perspektive für den HSV, etwas, womit man planen kann. Aus der Mannschaft kamen nur zufriedene Worte; Stürmer Mladen Petric berichtete, er habe viele Kurznachrichten von ehemaligen Basler Mitspielern bekommen, die zu diesem Trainer gratulierten – unter Fink ist der FC Basel zweimal Schweizer Meister geworden und schlägt sich aktuell ausgezeichnet in der Champions League. „Mit ihm wird endlich die nötige Ruhe einkehren“, sagte Petric.

          Nach den ersten Gesprächen mit Fink auf Mallorca am vergangenen Wochenende hatten die Basler die Zeichen noch auf Stopp gestellt und von einem Wechsel nichts wissen wollen. Fink hatte sich branchenüblich verhalten und nach außen gemauert, obwohl er seinen Arbeitgeber schon hatte wissen lassen, dass er gern nach Hamburg gehen würde. Was zunächst wie eine nächste Absage für den HSV wirkte, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Verhandlungstaktik der Basler, um eine hohe Ablöse für Fink zu erzielen. Letztlich ist er aber sogar billiger geworden als Bruno Labbadia, der den HSV 2009 mehr als eine Million Euro kostete, als er von Bayer Leverkusen kam.

          Fink wird vor einigen Herausforderungen stehen

          Arnesens Warten auf Fink war mutig. Aber er ist vom ihm so überzeugt, dass er Geld und Geduld investierte: „Ich weiß auch, dass viel passiert ist in diesem Verein, aber jetzt haben wir eine wirklich gute Lösung“, sagte Arnesen am Donnerstag. Fink hat in Basel nachgewiesen, dass er gern mit jungen Spielern arbeitet und ihnen schnell Verantwortung überträgt. Er lässt einen dominanten Fußball mit zwei Spitzen spielen, wobei man sehen muss, wie ihm das bei einem Team gelingt, das neu zusammengestellt gegen den Abstieg spielt. Arnesen sagte: „Thorsten Fink ist ein Typ, der mit jeder Herausforderung besser wird.“

          Davon wird er beim komplizierten Großklub HSV genügend bekommen. Aber wie es in Hamburg so ist: Mancher fühlte sich durch den neuen Namen auf der Trainerbank aus der misslichen Lage mit Tabellenplatz 18 schon so gut wie befreit. Bevor der erste Ball unter Fink gerollt ist.

          Thorsten Fink

          Geburtstag: 29.10.1967

          Geburtsort: Dortmund

          Beruf: gelernter Bürokaufmann, Fußballprofi von 1989 bis 2003,
          Fußballlehrer seit Dezember 2005

          Als Spieler:

          1989-1994 SG Wattenscheid 09
          1994-1997 Karlsruher SC
          1997-2003 FC Bayern München
          2003-2006 FC Bayern München II

          Als Trainer:

          2006-2007 Red Bull Salzburg Juniors
          2007-2008 Red Bull Salzburg (Co-Trainer)
          2008-2009 FC Ingolstadt
          2009-2011 FC Basel (Schweiz)
          ab dem 17.10.2011 Hamburger SV

          Größte Erfolge als Spieler:

          Champions League-Sieger 2001 mit dem FC Bayern München
          Weltpokalsieger 2001 mit dem FC Bayern München
          Deutscher Meister 1999, 2000, 2001 und 2003 mit dem FC Bayern München
          Deutscher Pokalsieger 1998, 2000 und 2003 mit dem FC Bayern München

          Größte Erfolge als Trainer:

          Schweizer Meister 2010 und 2011 mit dem FC Basel
          Schweizer Pokalsieger 2010 mit dem FC Basel
          Aufstieg in die 2. Bundesliga 2008 mit dem FC Ingolstadt

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