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Nachfolger von Heynckes : Tuchel wird nicht Trainer beim FC Bayern

  • Aktualisiert am

Thomas Tuchel vergangene Woche beim Prozess zum Anschlag auf den Dortmunder Bus. Bild: EPA

Die Münchner wollten Verhandlungen beginnen, doch Thomas Tuchel sagt ab. Er wird laut einem Bericht nicht Trainer der Bayern, sondern steht bei einem Topklub im Ausland im Wort.

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          Thomas Tuchel wird nach Informationen der „Bild am Sonntag“ (BamS) nicht Nachfolger von Jupp Heynckes als Trainer beim FC Bayern München. Der frühere Coach von Borussia Dortmund stehe „bei einem anderen Top-Club im Ausland im Wort. Damit kam Bayern für ihn nicht mehr infrage.“ Dabei hatte man sich laut „BamS“ schon darauf geeinigt, Verhandlungen mit dem 44 Jahre alten Tuchel zu beginnen. Dessen Berater Olaf Meinking war am Samstagabend für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auch der FC Bayern kommentierte den Bericht auf Anfrage nicht.

          Auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass Tuchel nicht nach München wechseln wird. Demnach habe der Coach den Bayern am Donnerstag erklärt, dass er nicht zur Verfügung stehe. Am Freitag hätten die Verantwortlichen um Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic noch in einer Telefonkonferenz versucht, Tuchel umzustimmen. Vergeblich. Ein offizielles Angebot für Tuchel habe es aber noch nicht gegeben. Nach Angaben des „Kicker“ soll es sich beim neuen Verein von Tuchel um den FC Arsenal handeln. Dort steht noch Arsene Wenger bis Sommer 2019 unter Vertrag, der allerdings umstritten ist ob der sportlichen Talfahrt der letzten Zeit. Ein Zeitpunkt für die Amtsübernahme wird nicht genannt. Von Tuchel und Arsenal gab es zunächst keine Reaktion zu dem Thema.

          In London würde Tuchel auf die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Shkodran Mustafi treffen. In Henrich Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang stehen zwei frühere Dortmunder bei den Gunners unter Vertrag. Per Mertesacker beendet seine aktive Laufbahn und wird Jugendkoordinator bei Arsenal. Eine andere Personalie bietet durchaus Konfliktpotential. Trainer Tuchel und Chefscout Sven Mislintat waren in Dortmund zerstritten. Nun würden sie sich bei Arsenal in gleicher Konstellation wiedersehen. Die „Bild“-Zeitung und das Portal Sportbuzzer berichteten im Laufe des Sonntags allerdings, dass der Arsenal-Deal nicht perfekt sei und Tuchel eher zu Paris Saint-Germain wechseln werde.

          Ein früherer Spieler Tuchels beim BVB traut dem Trainer das alles offenbar ohne Einschränkungen zu. „Ich bin ein sehr großer Fan von ihm. Er kann alle großen Klubs der Welt trainieren“, sagte der für Manchester City spielende Ilkay Gündogan bei einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft in Berlin.

          In der Öffentlichkeit und in den Medien wird bei den Bayern seit Monaten über zahlreiche Heynckes-Nachfolger spekuliert, unter anderem über den von Heynckes selbst sehr geschätzten Tuchel. Der frühere Coach des BVB und von Mainz 05 galt als Top-Kandidat für den deutschen Fußball-Rekordmeister. Tuchel ist derzeit ohne Arbeitgeber und damit im Gegensatz zu anderen Trainern nicht gebunden.

          Heynckes hatte vor zwei Wochen mit einer Aussage zu seiner Zukunft verblüfft. „Ich habe bislang noch nie definitiv gesagt, dass ich am 30. Juni aufhören werde“, sagte der 72-Jährige. Diese Bemerkungen zu seiner Zukunft in der Pressekonferenz vor dem HSV-Spiel bedeuten keine Abkehr von der Ursprungsaussage beim Amtsantritt im vergangenen Oktober, als Heynckes von einer Hilfsaktion bis zum Saisonende sprach. Diese Aussage hat er niemals widerrufen. Auch Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte sich im Stadionmagazin zur ungeklärten Trainerfrage geäußert. „Wir betrachten sehr entspannt und zum Teil auch amüsiert, was da so alles spekuliert wird“, schrieb der Vorstandschef.

          Nun könnte es sein, dass Rummenigge deutlich weniger amüsiert über die neueste Entwicklung ist. die Bayern erleben es schließlich nicht oft, dass ihnen Wunschkandidaten absagen. Die vermeintliche Entscheidung Tuchels könnte den Klub nun vor unverhoffte Probleme in der Vorbereitung der kommenden Spielzeit stellen.

          Tuchel war in der vergangenen Woche erstmals seit langem wieder öffentlich aufgetreten. Dabei machte er den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund mitverantwortlich für seinen Weggang vom Bundesligaverein im Sommer 2017. Im Dortmunder BVB-Prozess sagte Tuchel am vergangenen Montag als Zeuge aus, es habe nach dem Attentat große Uneinigkeit zwischen ihm und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geherrscht. „Der größte Dissens war wahrscheinlich, dass ich im Bus saß und er nicht.“ Daraus habe sich ein komplett unterschiedlicher Umgang mit dem Vorfall ergeben. Auf die Frage, ob er glaube, ohne den Anschlag heute noch Trainer des BVB zu sein, antwortete Tuchel: „Ja, davon würde ich ausgehen.“

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