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Thomas Tuchel im Gespräch : „Die Debatte um Ballack ist unfair“

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„Die Deutschen waren eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen, weil sie vom ersten Spiel an richtig losgelegt haben” Bild: Wonge Bergmann

Thomas Tuchel ist der Trainer-Aufsteiger des Jahres, er führte Mainz ins Bundesliga-Mittelfeld. Der 36 Jahre alte Fußball-Lehrer verkörpert das Gleiche wie die Nationalelf: Jugendlichkeit, Frische, Leistungswillen, Selbstbewusstsein. Seine WM-Analyse.

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          Müssen wir nach der Niederlage gegen Spanien unseren guten Eindruck vom deutschen Team korrigieren?

          Nein, in keinster Weise. Die deutsche Mannschaft ist von Beginn der WM an mit einer klar erkennbaren Handschrift, mit einem klaren Stil aufgetreten und hat auf beeindruckende Weise Ergebnisse eingefahren. Dafür gebührt der Mannschaft und den Trainern großes Lob. In einem Halbfinale gegen den Topfavoriten der WM, der mit sieben Spielern des FC Barcelona aufgelaufen ist, entscheidet dann auch die Tagesform.

          Wie beurteilen Sie insgesamt die WM?

          Nach dem zähen Beginn hat das Turnier Fahrt aufgenommen. Die Deutschen waren meines Erachtens eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen, weil sie vom ersten Spiel an richtig losgelegt haben. Es ist sicher sehr schwer, eine Nationalmannschaft in der kurzen Vorbereitungszeit so zu formen wie ein Vereinsteam. Aber Joachim Löw und den Deutschen ist es offenbar gelungen. Man braucht dazu viel Fingerspitzengefühl vom gesamten Stab.


          Können Sie als Bundesligatrainer Erkenntnisse aus der WM ziehen oder ist das Geschäft auch wegen des Qualitätsunterschieds der Spieler von Mainz 05 und der Nationalspieler ganz anders als das eines Nationaltrainers?

          Man kann schon Erkenntnisse gewinnen. Seit Beginn der K.o.-Runde haben wir alle Spiele aufgenommen und suchen uns beispielhaft Bilder heraus fürs Videostudium mit der Mannschaft.

          Was genau wollen Sie da zeigen?

          Beispielsweise Laufwege, offensive Laufwege vor allem, wenn die deutsche Mannschaft im 4-2-3-1-System spielt, sind viele gute Sachen dabei, die wir unseren Spielern demonstrieren können. Oder das Verteidigerverhalten von Brasilien mit seinen überragenden Innenverteidigern. Bei Mexiko das Passspiel, das Spielen und Gehen. Ballzirkulation, Freilaufverhalten oder die Angriffsauslösung bei Spanien, wenn die durch die Mitte das Tor bedrohen und spät erst auf die Außen gehen. Solche Sachen schneiden wir und zeigen sie auch, um unserem Spiel Neues hinzuzufügen oder um uns in manchen Verhaltensweisen zu bestätigen, dass es auch auf höchstem Niveau zu Erfolg führt.

          Bringt die WM auch neue Trends?

          Ich tue mir schwer, einen Trend abzulesen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Unberechenbarkeit in der Flugbahn des Balles zu mehr Weitschussversuchen führt.

          War das bei vorangegangenen Weltmeisterschaften anders?

          Ja. Vor vier Jahren gab es eine deutliche Wende hin zur Kultivierung des eigenen Ballbesitzes, der bei der WM 2006 und der EM 2008 zum Erfolg der Italiener und der Spanier geführt hat. Da ging es nicht mehr nur ums reine Umschalten wie zuvor. In Südafrika war nur auffällig, dass einige wieder versucht haben, mit drei Mann in der Abwehr zu spielen. Wir werden aber auf jeden Fall bei vier bleiben.

          Haben Sie eine Erklärung, weshalb die Südamerikaner zu Beginn so stark aufspielten und mit vier Teams ins Viertelfinale kamen?

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