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Thomas Schaaf im Interview : „Ich brauche Oasen des Ausgleichs“

  • Aktualisiert am

„Ich wollte die Luft mal rauslassen” Bild: picture-alliance/ dpa

Der Bremer Coach Thomas Schaaf spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über die Belastungen eines Bundesligatrainers, Jürgen Klinsmanns Rücktritt und anstrengende Nächte nach Spielen in der Champions League.

          3 Min.

          Der Bremer Coach Thomas Schaaf spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über die Belastungen eines Bundesligatrainers, Jürgen Klinsmanns Rücktritt und anstrengende Nächte nach Spielen in der Champions League.

          Sie waren während der WM nicht so viel zu sehen, war das Zufall oder gewollt?

          Ich wollte die Luft mal rauslassen und nicht überall präsent sein. Die Arbeit verlangt einem sehr viel ab, man muß sich einfach mal Freiräume schaffen.

          Gab es denn viele Anfragen?

          Sehr viele. Ich hätte da einen Kommentar schreiben können, dort eine Kolumne. Ich habe mich wirklich bewußt zurückgehalten: so wie Jürgen Klopp, jeden Tag im Studio, das kam für mich nicht in Frage.

          Mögen Sie es, begehrt zu sein?

          Das bedeutet doch, daß man als Person mit Fachwissen geschätzt wird. Dadurch wird im Grunde nur dokumentiert, daß man gute Arbeit leistet.

          Hat die Familie ihr Veto eingelegt und Sie etwas gebremst?

          Nein, die Familie nimmt da weniger Einfluß. Das entscheide ich selbst. Ich glaube, ich hatte eine gute Balance während der WM. Ich weiß selbst, daß ich wesentlich mehr hätte machen können.

          Hilft Ihnen ein Coach oder Berater bei solchen Entscheidungen?

          Nein. Was Auftritte im Fernsehen angeht, das besprechen wir im Verein. Ansonsten geht es doch immer darum: Was willst du von dir preisgeben? Letztlich geht alles auf Kosten der Privatsphäre. Das guckt man sich an und sagt dann eher mal: nein. Ich könnte oft mehr dieser Termine annehmen. Vor allem Homestories sind wohl sehr interessant.

          Abgesehen von einem Interview mit Ihrer Frau im Magazin „rund“ gibt es aber wenig dieser Art aus dem Hause Schaaf.

          Wir möchten, daß unsere Privatsphäre respektiert wird. Ein Teil von Öffentlichkeit ist okay, aber wir brauchen einen gewissen Schutz. Schon allein was unsere Tochter angeht.

          Fühlen Sie sich auch manchmal ausgebrannt wie Jürgen Klinsmann?

          Ich verstehe seine Entscheidung, aber: Wir haben das ganze Jahr Programm, Woche für Woche! Die Bundesliga läuft Tag für Tag. Das ist eine ganz andere Geschichte als die Nationalmannschaft. Man darf das nicht vergleichen. Es ist wirklich manchmal viel verlangt: immer wieder nachlegen, immer wieder freundlich sein, immer wieder konzentriert sein. Da ist dann die Familie ganz wichtig. Sie gibt mir sehr viel, und ich muß sehen, daß ich nicht zuwenig gebe. Sie muß ja auch etwas zurückbekommen.

          So wie 2004 am Tag nach der Meisterschaft, als Sie Ihrer Tochter beim Korbball zuschauten?

          Ja.

          Wie erholen Sie sich denn von der Beanspruchung als Trainer?

          Erst einmal ist es schön, wenn man Erfolg mit der Mannschaft hat. Dann ist vieles leichter. Ich muß mir immer wieder Oasen des Ausgleichs schaffen: Sport machen, laufen, Fahrrad fahren, mit meinem Team oder der Truppe mitkicken. Da versuche ich, etwas loszuwerden.

          Besonders hart müssen die Nächte nach Spielen in der Champions League sein. Sie gelten als besonders kurz.

          So ist es. Erst mal dauert es ja lange, bis man überhaupt ins Bett kommt. Dann will man das Spiel verarbeiten, man will aber auch einen Austausch, und man will auch schlafen. Das ist ein Zwiespalt. Man stellt sich Fragen, warum dies, warum das passiert ist. Und schläft wenig.

          Wann ist das Spiel dann verarbeitet?

          Eigentlich schon am nächsten Tag. Da gilt ja schon wieder volle Konzentration auf das nächste Spiel. So ist das in der Bundesliga.

          Sie sind oft während des Spiels auch eher ruhig. Möchten Sie nicht manchmal in die Bank beißen?

          Ja, manchmal wird man seine Spannung auch so los. Aber es ist ja der Job, der dann die Konzentration zurückfordert.

          Wie ist es im Urlaub? Kommen Sie ohne den „Kicker“ aus?

          Ich suche mir ja gewisse Oasen, Orte mit wenig Rummel, wenig Programm, Orte, wo ich nicht ständig mit dem Fußball konfrontiert werde. Ich sage mir dann, jetzt mach ich mal ein Break, eine Pause. Das geht schon. Aber es dauert doch seine Zeit, bis ich richtig abgeschaltet habe.

          War Ihnen schon einmal alles zuviel?

          Sicherlich gibt es Phasen, wo man die Anforderungen des Jobs stark merkt. Ich spüre schon, was die Arbeit mir abverlangt. Aber diese Arbeit im Team macht auch viel Spaß. Wichtig ist es, daß man sich immer mal rausnimmt und hinterfragt, wie es weitergeht, auch zusammen mit der Familie und mit Freunden. Deshalb braucht man keine Fünfjahresverträge. Maximal zwei sollten es sein. Wenn der Verein oder ich irgendwann meinen, es geht nicht mehr, du bist nicht mehr der Richtige, dann soll es jeder sagen können. Das ist auch okay dann.

          Wann wäre so ein Zeitpunkt?

          Einfach dann, wenn du das Gefühl hast, du kommst nicht mehr weiter. Du läufst gegen eine Wand. Dann wäre der Zeitpunkt gekommen, zu gehen.

          Das Gespräch führte Frank Heike.


          FRAGE: Sie waren während der WM nicht so viel zu sehen, war das Zufall oder gewollt?


          ANTWORT: Ich wollte die Luft mal rauslassen und nicht überall präsent sein. Die Arbeit verlangt einem sehr viel ab, man muß sich einfach mal Freiräume schaffen.


          FRAGE: Gab es denn viele Anfragen?


          ANTWORT: Sehr viele. Ich hätte da einen Kommentar schreiben können, dort eine Kolumne. Ich habe mich wirklich bewußt zurückgehalten: so wie Jürgen Klopp, jeden Tag im Studio, das kam für mich nicht in Frage.


          FRAGE: Mögen Sie es, begehrt zu sein?


          ANTWORT: Das bedeutet doch, daß man als Person mit Fachwissen geschätzt wird. Dadurch wird im Grunde nur dokumentiert, daß man gute Arbeit leistet.


          FRAGE: Hat die Familie ihr Veto eingelegt und Sie etwas gebremst?


          ANTWORT: Nein, die Familie nimmt da weniger Einfluß. Das entscheide ich selbst. Ich glaube, ich hatte eine gute Balance während der WM. Ich weiß selbst, daß ich wesentlich mehr hätte machen können.


          FRAGE: Hilft Ihnen ein Coach oder Berater bei solchen Entscheidungen?


          ANTWORT: Nein. Was Auftritte im Fernsehen angeht, das besprechen wir im Verein. Ansonsten geht es doch immer darum: Was willst du von dir preisgeben? Letztlich geht alles auf Kosten der Privatsphäre. Das guckt man sich an und sagt dann eher mal: nein. Ich könnte oft mehr dieser Termine annehmen. Vor allem Homestories sind wohl sehr interessant.


          FRAGE: Abgesehen von einem Interview mit Ihrer Frau im Magazin "rund" gibt es aber wenig dieser Art aus dem Hause Schaaf.


          ANTWORT: Wir möchten, daß unsere Privatsphäre respektiert wird. Ein Teil von Öffentlichkeit ist okay, aber wir brauchen einen gewissen Schutz. Schon allein was unsere Tochter angeht.


          FRAGE: Fühlen Sie sich auch manchmal ausgebrannt wie Jürgen Klinsmann?


          ANTWORT: Ich verstehe seine Entscheidung, aber: Wir haben das ganze Jahr Programm, Woche für Woche! Die Bundesliga läuft Tag für Tag. Das ist eine ganz andere Geschichte als die Nationalmannschaft. Man darf das nicht vergleichen. Es ist wirklich manchmal viel verlangt: immer wieder nachlegen, immer wieder freundlich sein, immer wieder konzentriert sein. Da ist dann die Familie ganz wichtig. Sie gibt mir sehr viel, und ich muß sehen, daß ich nicht zuwenig gebe. Sie muß ja auch etwas zurückbekommen.


          FRAGE: So wie 2004 am Tag nach der Meisterschaft, als Sie Ihrer Tochter beim Korbball zuschauten?


          ANTWORT: Ja.


          FRAGE: Wie erholen Sie sich denn von der Beanspruchung als Trainer?


          ANTWORT: Erst einmal ist es schön, wenn man Erfolg mit der Mannschaft hat. Dann ist vieles leichter. Ich muß mir immer wieder Oasen des Ausgleichs schaffen: Sport machen, laufen, Fahrrad fahren, mit meinem Team oder der Truppe mitkicken. Da versuche ich, etwas loszuwerden.


          FRAGE: Besonders hart müssen die Nächte nach Spielen in der Champions League sein. Sie gelten als besonders kurz.


          ANTWORT: So ist es. Erst mal dauert es ja lange, bis man überhaupt ins Bett kommt. Dann will man das Spiel verarbeiten, man will aber auch einen Austausch, und man will auch schlafen. Das ist ein Zwiespalt. Man stellt sich Fragen, warum dies, warum das passiert ist. Und schläft wenig.


          FRAGE: Wann ist das Spiel dann verarbeitet?


          ANTWORT: Eigentlich schon am nächsten Tag. Da gilt ja schon wieder volle Konzentration auf das nächste Spiel. So ist das in der Bundesliga.


          FRAGE: Sie sind oft während des Spiels auch eher ruhig. Möchten Sie nicht manchmal in die Bank beißen?


          ANTWORT: Ja, manchmal wird man seine Spannung auch so los. Aber es ist ja der Job, der dann die Konzentration zurückfordert.


          FRAGE: Wie ist es im Urlaub? Kommen Sie ohne den "Kicker" aus?

          Ich suche mir ja gewisse Oasen, Orte mit wenig Rummel, wenig Programm, Orte, wo ich nicht ständig mit dem Fußball konfrontiert werde. Ich sage mir dann, jetzt mach ich mal ein Break, eine Pause. Das geht schon. Aber es dauert doch seine Zeit, bis ich richtig abgeschaltet habe.


          FRAGE: War Ihnen schon einmal alles zuviel?

          Sicherlich gibt es Phasen, wo man die Anforderungen des Jobs stark merkt. Ich spüre schon, was die Arbeit mir abverlangt. Aber diese Arbeit im Team macht auch viel Spaß. Wichtig ist es, daß man sich immer mal rausnimmt und hinterfragt, wie es weitergeht, auch zusammen mit der Familie und mit Freunden. Deshalb braucht man keine Fünfjahresverträge. Maximal zwei sollten es sein. Wenn der Verein oder ich irgendwann meinen, es geht nicht mehr, du bist nicht mehr der Richtige, dann soll es jeder sagen können. Das ist auch okay dann.


          FRAGE: Wann wäre so ein Zeitpunkt?


          ANTWORT: Einfach dann, wenn du das Gefühl hast, du kommst nicht mehr weiter. Du läufst gegen eine Wand. Dann wäre der Zeitpunkt gekommen, zu gehen.

          Das Gespräch führte Frank Heike.

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