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Bayern München : Müller und das Fußball-Comeback des Jahres

Mann der Stunde im deutschen Fußball: Thomas Müller Bild: dpa

Mit diesem Revival des Raumdeuters Thomas Müller haben selbst größte Fußball-Experten nicht gerechnet. Die Entwicklung des weitergebildeten Weltmeisters könnte einem anderen ausrangierten Ausnahmespieler Mut machen.

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          Wer hätte gedacht, dass Thomas Müller im Alter von 30 Jahren noch einmal zum Mann der Stunde werden könnte? Was angesichts des nun seit Monaten stabilen Hochs Thomas über dem Süden des Fußball-Landes wie eine rein rhetorische Frage wirken mag, ist in Wahrheit so etwas wie das Fußball-Comeback des (Corona-)Jahres. Ein Revival, mit dem viele und selbst die größten Fußballexperten des Landes, wie zum Beispiel der Bundestrainer, nicht mehr gerechnet haben.

          Im Saisonendspurt 2020, in dem die Bayern unter Löws früherem Assistenten Hansi Flick längst wieder zu großer Form auflaufen, verblüfft der große Raumdeuter und Raumentdecker des deutschen Fußballs wieder mit einer Unberechenbarkeit und Spritzigkeit wie in seinen besten und nur scheinbar längst vergangenen Tagen. Hinzugekommen ist jedoch auch eine Reife auf dem Rasen, ein Über- und Weitblick, mit dem sich der einstige WM-Torschützenkönig nun zum besten Torvorbereiter der Liga entwickelt hat. Eine späte und bemerkenswerte Weiterbildung eines Weltmeisters – mit großem Gewinn für den FC Bayern, seinen Trainer und Förderer Flick und nicht zuletzt für Müller selbst.

          Dreh- und Angelpunkt beim FC Bayern

          Man erinnere sich: Im März 2019 hatte selbst der Bundestrainer in Müller ein sportliches Auslaufmodell gesehen, ebenso wie in Mats Hummels und Jérôme Boateng, zwei ebenfalls wieder als unentbehrlich geltende Defensivspezialisten vor dem großen Fußballklassiker zwischen Borussen und Bayern an diesem Dienstag. Müller jedoch ragt aus dem auf die Schnelle und offenkundig zu früh aufs Altenteil geschobenen Trio in diesen Tagen nochmals heraus. Der Ü-30-Profi ist so etwas wie der offensive Dreh- und Angelpunkt beim FC Bayern, ein unverzichtbarer Spieler, der schon vor Corona wieder an jenen unberechenbaren WM-Torjäger von gestern und vorgestern erinnerte, ohne den die goldene Ära des deutschen Fußballs in der vergangenen Dekade kaum möglich gewesen wäre – und der nun immer weiter über seine alte Rolle hinauswächst.

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          Beim 5:2 gegen Eintracht Frankfurt erzielte er nicht nur wieder eines jener typischen Müller-Tore, bei denen seine Arme und Beine in der Luft herumschlenkern, als gehorchten sie nur ihren eigenen Befehlen. Über sein siebtes Saisontor hinaus steuerte Müller aber auch mit der herausragenden Vorarbeit zum 1:0 seinen schon 17. Assist in dieser Saison bei, absolute Ligaspitze. Selbst der Rekord von Kevin de Bruyne (21) aus der Saison 14/15 ist in Reichweite.

          Wie schade dagegen, dass an diesem Wochenende klarwurde, dass es für den Schützen des goldenen und schönsten WM-Finaltores der deutschen Fußball-Geschichte – und eines der größten Talente, die es hierzulande je gegeben hat – in seiner Dortmunder Heimat keinen Platz mehr geben wird. Der sang- und klanglose Abschied von Mario Götze macht klar, was es an Entschlossenheit und Durchsetzungswillen weit über den durchschnittlichen Profimaßstab erfordert, sich über so viele Jahre nicht unterkriegen zu lassen.

          Am Dienstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) kreuzen sich in Dortmund nochmals die Wege der Weltmeister Müller und Götze, eines Münchner Stehaufmännchens und eines anderen Ausnahmespielers, der es mit seinen 27 Jahren hoffentlich noch werden wird. Als leibhaftiges Vorbild taugt Müller jedenfalls in jeder Fußball-Lebenslage.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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