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Thomas Müller : Der Zwei-Drittel-Bayer bleibt in München

„Man hat Enttäuschungen erlebt, man hat riesige Erfolge gefeiert“: Thomas Müller bleibt beim FC Bayern bis 2023. Bild: AFP

Der letzte echte Bayer der Bayern verlängert seinen Vertrag bis Mitte 2023. Das macht nicht nur ihn froh, sondern auch den Trainer, der zuvor einen neuen Vertrag unterschrieb. Hansi Flick stellt das Team zudem auf flexible Spieltermine ein.

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          Jupp Heynckes hat sich schon vor zwei Monaten festgelegt. „Hansi Flick ist für mich der ideale Trainer des FC Bayern“, sprach der große Altmeister über seinen aktuellen Nachfolger, fast so, als sei dieser eine Art zwanzig Jahre verjüngte Version seiner selbst: einer, der bei den Bayern „eine neue Ära prägen kann“. Bevor die Ära Flick mit der Festanstellung als Cheftrainer mit dem am Freitag unterschriebenen Dreijahresvertrag aber so richtig losgehen konnte, bei der ersten „Cyber-Pressekonferenz“ des FC Bayern am Dienstag, wurde eine andere auf eine im modernen Fußballgeschäft fast schon biblische Dauer verlängert: die Ära Müller. Die zweite dieser Art, um genau zu sein, denn mit dem häufigsten Familiennamen Deutschlands werden die besten Jahre des größten Fußballklubs Deutschland wohl für immer untrennbar verbunden bleiben.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die von Gerd Müller in München währte von 1964 bis 1979, die von Thomas Müller dauert bereits seit 2009 – und ein Ende ist nicht in Sicht. Am Dienstag verkündete der Meister, den Vertrag mit seinem beliebtesten Profi, dem letzten echten Bayern der Bayern, „einer Identifikationsfigur“ für den Klub, wie Vorstandsmitglied Oliver Kahn erklärte, bis Mitte 2023 verlängert zu haben. Dann wäre Müller knapp 34 Jahre alt und seit 14 Jahren Profi beim FC Bayern – in dessen Jugendteams er schon als Zehnjähriger gekommen war. „Gut zwei Drittel meines Lebens fahre ich jetzt schon an die Säbener Straße“, erklärte Müller. „Dieser Verein ist für mich nicht einfach irgendein Arbeitgeber. Er ist meine Leidenschaft.“

          Aber natürlich ist es gut zu wissen, wenn sich die Leidenschaft gerade in komplizierten Zeiten auch mit einem solventen Brötchengeber verbinden lässt. „Gerade in der jetzigen Situation weiß man sehr zu schätzen, dass man Arbeitnehmer beim FC Bayern ist“, sagte Flick am Dienstag. „Es ist wichtig, dass man eine gewisse Sicherheit hat. Ich bin froh, dass Thomas verlängert hat. Ich bin natürlich auch froh über meine Verlängerung, sodass wir mit dem gesamten Trainerteam die nächsten Jahre angehen können.“

          In dieser Woche fängt der sportliche Betrieb beim Meister nach drei Wochen Heimtraining gerade erst wieder das Laufen an. „Wir versuchen unsere Vorbildfunktion beizubehalten“, sagte Flick über die noch ungewohnte Übung in Kontaktlosigkeit am Ball. „Es kann zwar passieren, dass im Training der eine oder andere mal ein wenig näher am Gegenspieler dran ist. Aber das ist im Alltag, etwa im Supermarkt, auch unvermeidbar.“ Der Formaufbau ohne Kenntnis der nächsten Wettkampftermine fordert Flexibilität. „Wir müssen in der Verbindung mit der Politik und der gesamten Entwicklung auch kurzfristig für Veränderungen offen sein“, sagte Flick. „Aktuell sollen wir Körperkontakt vermeiden, also konzentrieren wir uns auf technische Fertigkeiten.“ Zudem werde man sich „auch daran gewöhnen müssen, dass die Spiele ohne Zuschauer stattfinden werden“.

          Weder zu den im Frühjahr üblichen Gesprächen des Klubs mit weiteren Spielern, deren Vertrag nach der kommenden Saison ausläuft, wie Manuel Neuer, David Alaba und Thiago, noch zu möglichen Neuzugängen äußerte Flick sich konkret. „Wir reden aktuell natürlich auch gemeinsam über die Kaderplanung“, bestätigte er immerhin. „Aber das ist intern – so wie sich das gehört.“ Auch das jüngste Gerücht an der Säbener Straße, die mögliche Ernennung von Miroslav Klose, bisher Trainer der U 17, zum neuen Flick-Assistenten, nutzte der Cheftrainer zur Demonstration von Diskretion. „Es ist genauso wie bei den Spielern: Man sollte nicht zu viel ausplaudern“, empfahl Flick. „Jeder sollte seine Gedanken ohne Einfluss der Presse ordnen.“

          Immerhin gab er den Medien durch seine Antwort auf eine taktische Frage etwas Spielraum für personelle Phantasien. „Wenn der Gegner sehr tief steht, mit zwei Abwehrriegeln vor dem eigenen Tor, sind zwei Spitzen absolut eine Option“, sagte Flick. „Wir müssen – auch für die nächste Saison – flexibler agieren, mehr Optionen haben.“ Das könnte darauf abzielen, dass man neben Robert Lewandowski auch mit von Flick geschätzten Leipziger Timo Werner spielen könnte, einem spekulativen Neuzugang. Aber natürlich könnte man das auch mit einem Evergreen namens Thomas Müller.

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