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Thomas Eichin im Gespräch : „Ich finde es gut, unterschätzt zu werden“

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„Ich wurde nicht geholt, um sofort irgendwelche verrückten Entscheidungen zu treffen“: Thomas Eichin Bild: dpa

Der 46 Jahre alte frühere Fußballprofi Thomas Eichin, seit 1999 bei den Kölner Haien, übernimmt die Geschäftsführung bei Werder Bremen. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Kistenschleppen und Informationssucht.

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          Seit Mittwoch wissen Sie, dass Sie nun doch schon am 15. Februar bei Werder anfangen werden. Haben Sie das Gefühl, dass die Bremer es zuletzt ein bisschen eiliger gehabt hatten?

          Nein. Ich trage momentan ja noch nicht zum operativen Tagesgeschäft bei. Die Transferperiode läuft am 31. Januar ab. Das Team bei Werder mit Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor  Frank Baumann ist gut aufgestellt. Ich werde informiert, was läuft. Durch das 0:5 gegen Dortmund hat sich keine neue Dringlichkeit ergeben, wenn Sie das meinen.   

          Wie haben Sie die Pleite gegen die Borussia erlebt?

          Zum momentanen Zeitpunkt werde ich mich mit sportlichen Prognosen und Kommentaren zu Werder zurückhalten. Das mache ich dann, wenn ich dort bin. So eine Niederlage ist aber nicht schön, keine Frage.

          Was haben Sie für Eindrücke von Ihren Vor-Ort-Besuchen?

          Ich habe gemerkt, dass es ein Verein ist, in dem viel miteinander kommuniziert wird, dass es herzlich zugeht. Ich komme aus der Großstadt Köln, klar, dass einem Bremen da als Stadt erst einmal eher kleiner vorkommt – aber auch zum Leben finde ich das für mich und meine Familie reizvoll. Wir  werden auf jeden Fall umziehen. Ich will sieben Tage rund um die Uhr für Werder im Einsatz sein können.

          Was sind die gravierendsten Unterschiede zwischen einem Arbeitsplatz in der Deutschen Eishockey Liga und der Fußball-Bundesliga?

          Vor allem die mediale Aufmerksamkeit. Auch wenn wir als Kölner Haie ein großer Verein im Sport in Deutschland sind, kannst Du hier schon mal zwei, drei Tage ohne pausenlose Beobachtung durch Presse und Fernsehen erleben. Bei den Haien haben wir zwei Leute im Marketing, in der Bundesliga sind es in ähnlichen Abteilungen mindestens fünfmal so viele.

          Haben Sie sich gesehnt nach der größeren Aufmerksamkeit im Fußball. War das Ihr Impuls, den Job zu wechseln?

          Ich bin gelernter Fußballer, das habe ich im Blut. Und es war immer mein Ziel, in dieses Geschäft zurückzukehren. Und dort das Stückchen mehr an sportlicher Kompetenz einbringen zu können, das ich im Eishockey nie erreicht habe – und nie erreichen werde. Ich habe bis jetzt über 1000 Spiele neben der Bande hautnah verfolgt und kann mittlerweile ganz ordentliche Beurteilungen abgeben, trotzdem merke ich in Gesprächen mit Trainern für mich, dass ich eben nicht hundertprozentig vom Fach bin. Ich werde mich in Zukunft mit Thomas Schaaf fachlich anders austauschen können, als ich es momentan mit Uwe Krupp kann. Eishockey war mein Beruf und wurde zur Leidenschaft, Fußball ist in mir drin.

          Gab es vorher keine anderen Angebote?

          Es gab sie. Auch welche, die mir gefallen haben. Aber sie fielen in eine Phase, in der es den Haien nicht gut ging, und ich den Klub nicht verlassen konnte. Und es gab auch Angebote, für die ich die Haie nicht verlassen wollte.

          Sie betonen, dass Sie Ihr Fußballwissen einbringen können, Willi Lemke beschreibt Ihre Rolle als vornehmlich kaufmännische: Sie sollten sich um die Abwicklung von Transfers kümmern, während die sportlichen Impulse von Thomas Schaaf und Frank Baumann kommen  sollten. Wie passt das zusammen?

          Es ist absolut schlüssig. Es wird nicht in mein Aufgabengebiet fallen, Thomas zu sagen, wie er am Wochenende spielen lassen soll. Meine Aufgabe wird es sein, mit Agenten und Profis zu verhandeln und die bestmöglichen Konditionen für den Verein herauszuholen. Ich bin nicht geholt worden, um eigenverantwortlich einen Kader nach meinem Geschmack zusammenzustellen.

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