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Thomas Eichin im Gespräch : „Ich finde es gut, unterschätzt zu werden“

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Dass jetzt überall abgezählt wird, die wievielte Wahl Sie für Werder eigentlich waren, hat Sie nicht gestört?

Überhaupt nicht. Ob ich die Lösung A, B, C, D oder Z gewesen wäre – das ist mir schnurz. Ich werde sowieso irgendwann an meiner Leistung gemessen und nicht an den Sprüchen, die ich abgebe. Ich bin froh, dass ich mit auf dieser Liste stand und dass man mich letztlich ausgewählt hat.

Finden Sie, dass es eine mutige Entscheidung des Vereins war, dass er sich für jemanden entschieden hat, der von außerhalb des Fußballs kommt?

Werder hat eine Person gesucht, die eine gewisse Kompetenz mitbringt. Es ist da von Vorteil, wenn du aus der Branche kommst. Aber man hat auch einen gesucht, der schon gewisse Dinge erlebt hat. Ich habe das, was ich heute mache, von der Pike auf gelernt: Ich habe bei Borussia Mönchengladbach als Marketingassistent angefangen, habe die Cola-Kästen in die VIP-Bereiche geschleppt, habe die Autogrammkarten-Sätze zusammengestellt, habe Tickets verkauft, habe Inventuren organisiert, ich habe all das getan, was jetzt meine Praktikanten machen. Mir muss keiner erzählen, was zu viel und was zu wenig ist. Ich war mir für nichts zu schade. Ich habe alles mitgemacht, und ich glaube, dass man auch so jemanden gesucht hat. Der ein gewisses Rüstzeug mitbringt.

Kistenschleppen nach der Karriere – das klingt für Fußballprofis ungewöhnlich. Nötig hatten Sie es finanziell nach zehn Profijahren nicht. Also, warum? 

Man hat gut verdient, okay, aber ich habe ja auch schon relativ früh aufgehört. Und ich habe nebenbei ein Fernstudium absolviert:  „Konzeption von Freizeitanlagen und Vereinsmanagement“. Wenn du als Fußballer oft unterwegs bist, und ständig nur den „Kicker“ und die „Sportbild“ liest, dann willst du irgendwann auch mal wieder was anderes machen. Diplom-Sportmanager durfte ich mich dann nennen, als ich den Abschluss hatte. Rolf Rüssmann hat mir den Einstieg ermöglicht, unter der Bedingung, dass ich zeitweise noch bei den Gladbacher Amateuren spielte, die ich in die Oberliga führen sollte. Nach drei Jahren bin ich aufgestiegen, zum Marketingleiter. Irgendwann wollte ich die Sachen, die ich gelernt habe, einfach mal bei einem anderen Verein ausprobieren und es kam das Angebot von den Haien. Das habe ich als Chance gesehen, eigenständig loszulegen und zu zeigen, was ich drauf habe. Dann habe ich die aktive Kickerei beendet und noch meinen Trainerschein gemacht und bin zum Eishockey.

Sie könnten also auch Thomas Schaaf ablösen.

… oder Bundestrainer werden. Mal im Ernst: Ich hab den Trainerschein gemacht, um am Ball zu bleiben. Ich habe mich immer weitergebildet, ich bin informationssüchtig. Ich bin Mitglied im Bund Deutscher Fußball-Lehrer, da kriegst du auch immer News, wie sich alles entwickelt, zum Beispiel in den Leistungszentren. So bin ich am Fußball die ganze Zeit immer drangeblieben. Ich finde es ganz gut, dass man mich in manchen Bereichen unterschätzt.

Realistische Einschätzungen wird man in Bremen vermutlich gerne sehen. Haben Sie schon ein Feedback, wie Ihr schwarz-gelbes Biene-Maja-Kostüm, in dem Sie kürzlich im Karneval zu sehen waren, von den Hanseaten aufgenommen wurde?

Ich bin eigentlich überhaupt kein Karnevalist, das interessiert mich relativ wenig. Ich habe das Thema immer professionell gelöst. Auch bei unserer eigenen Haie-Karnevalssitzung. Da verkleidet man sich eben irgendwie witzig. Das machen wir seit Jahren so. Das mit der Biene Maja war eine interne Wette, die habe ich eben einlösen müssen. Aber das hat mit Sicherheit in Bremen keinen gestört.

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