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Thomas Eichin im Gespräch : „Ich finde es gut, unterschätzt zu werden“

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Ganz klar leichter. Ich habe immer gesagt, ich gehe erst hier von Bord, wenn wir die Haie wieder zu einem Topteam in der Liga geformt haben, wo wir auch hingehören. Diese Krise, in die wir reingeraten sind, war ja eine Mischung aus vielem: Der Wegfall eines Gesellschafters, die Wirtschaftssorgen, die Reduzierung des Etats um eine siebenstellige Summe, der Tod von Torwart Robert Müller. Dann verlierst du auch noch die ersten sieben Spiele der Saison. Wenn du so was als Verein überstehst, dann zeigst du, dass du ein ganz großer Verein bist. Für die Fans war ich in dieser Zeit verständlicherweise der Totengräber des Eishockeys, der Architekt der Krise. Aber meinen besten Job habe ich in dieser Zeit gemacht. Nicht, als wir 2002 die Meisterschaften geholt haben. Sondern in diesen Jahren von 2008 bis 2010. Das war prägend, das hat uns alle geerdet.

Ist so was im Eishockey leichter als im Fußball?

Vermutlich ist es schwieriger. Eishockey hat nicht die Strahlkraft des Fußballs. Du hast im Eishockey nicht die Städte, die ihren Fußballverein als das wichtigste in ihrer Region ansehen. Du bist ziemlich auf dich allein gestellt, du must kucken, wie du Investoren findest. Deshalb gehen so viele Klubs, ob im Handball, Basketball oder Eishockey vor die Hunde, weil es sehr schwer ist, Hilfe zu bekommen. Du hast im Eishockey kaum gesicherte Einnahmen, nicht das TV-Geld, nicht die hohen Sponsorings. Auch das Planen eines Budgets ist im Eishockey unheimlich schwierig. Es ist, wie in eine Glaskugel zu kucken. Du musst prognostizieren, was hast du für eine Mannschaft, wenn du gut spielst, kommen die Zuschauer, dann läuft das Merchandising, dann kommen die Sponsoren. Schaffst du die Play-offs oder nicht - du hast wenig Planungssicherheit.

Da kommen Sie für Werder jetzt ja wie gerufen – die ganz goldenen finanziellen Zeiten gibt es an der Weser nicht mehr.

Die hat man auch nur dann, wenn Werder Champions League oder Europapokal spielt.

Aber wenn jemand kommt, der gezeigt hat, dass er eins und eins zusammenzählen kann, der solche Prüfungen bestanden hat...

Wir müssen uns als Verein definieren und sagen: Welche Möglichkeiten haben wir, wo können wir noch bessere entwickeln, sowohl im wirtschaftlichen Bereich als auch im Zusammenstellen einer Mannschaft. Das hat Werder immer hervorragend gemacht mit geschickten Transfers. Aber es war eben auch wichtig, dass Bremen europäisch gespielt hat, und das war im letzten Jahr halt nicht der Fall. Da gilt es, zusammen kreative Ideen zu entwickeln, wie wir das wieder schaffen.

Thomas Eichin (links) bekam von Willi Lemke einen Vertrag bis 2016
Thomas Eichin (links) bekam von Willi Lemke einen Vertrag bis 2016 : Bild: dpa

Sie deuten es an: Ein bisschen was vom Bremer Markenkern ist verloren gegangen.

Markenkern würde ich nicht sagen. Werder steht nach außen immer noch da als erfolgreicher Verein – bim Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad sicher immer noch unter den ersten fünf in Deutschland. Und ich denke mal, dass viele Spieler gerne zu Werder kommen. Klar ist aber auch: Hinter all dem steht der Erfolg, und wenn man es gewohnt ist, dass Werder international spielt, dann ist das natürlich der Punkt, an dem wir ansetzen werden. 

Haben Sie sich mit irgendwem aus der Branche unterhalten, sich Rat geholt, ob Sie den Schritt machen sollen? Das sind ja mit die größten Fußstapfen, in die man treten kann.

Nein, da brauche ich nicht zu überlegen. Das war eine Möglichkeit für mich, in den Fußball zurückzukommen. Da habe ich mich mit keinem ausgetauscht, außer mit mir selbst.

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