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Teil-Gehälter eingefroren : Risse in der Werder-Welt

  • -Aktualisiert am

Werder-Manager Allofs (2.v.r., am 21. September in Hannover): Auf juristischem Glatteis Bild: dpa

Schatten auf dem angeblich so vorbildlichen Bremer Geschäftsgebahren: Wegen schwacher Leistungen bekamen die Werder-Spieler im September nur 50 Prozent ihrer Grundbezüge ausbezahlt. Damit macht sich die Vereinsführung angreifbar - denn die Spieler könnten nun kündigen.

          Dass es die vermeintlich heile Werder-Welt schon länger nicht mehr gibt, hat Klaus Allofs zuletzt vor zwei Jahren in einem Interview gesagt. Auch vom Begriff der „Werder-Familie“ müsse man sich trennen. Als Arbeitgeber zum Vorzeigen hat sich Werder Bremen hingegen immer gezeigt: solides Wirtschaften, keine Schulden, hohe Gehälter, pünktliche Bezahlung. Nun fällt ein Schatten auf das Geschäftsgebaren der Bremer: der Bundesligaverein soll die Hälfte der Spieler-Gehälter im Monat September einbehalten haben.

          Wegen der schwachen Leistungen in der Bundesliga und der Champions League, vor allem beim 1:4 gegen Hannover 96 und dem 0:4 bei Inter Mailand, bekamen die Spieler nur 50 Prozent ihrer Grundbezüge ausbezahlt. Das bestätigt Werder offiziell nicht – Vereinschef Klaus Allofs sagte: „Es gibt einen Bereich bei uns, der nicht öffentlich ist. Solche Themen werden zwischen Spielern und Arbeitgebern geklärt und nicht öffentlich erläutert und diskutiert.“

          Dass Allofs über die ungewöhnliche Maßnahme nicht sprechen mag, die inzwischen von den Spielern bestätigt wurde, ist verständlich. Denn juristisch begibt sich Werder aufs Glatteis. „Willkürliche Gehaltskürzungen aufgrund angeblich nicht erbrachter Leistungen sind nicht statthaft“, sagte Ulf Baranowsky, der Geschäftsführer der Vereinigung deutscher Vertragsspieler (VdV). Frank Rybak, Justiziar der Spielergewerkschaft, führte im „Kicker“ aus: „Ein Zurückbehaltungsrecht wegen einer Minderleistung existiert nicht.“

          Bislang keine Reaktion der Profis

          Als symbolische Aktion mag es nachvollziehbar sein, den fußballspielenden Millionären bei schwachen Leistungen ins Portemonnaie zu greifen, rein rechtlich sitzt Werder Bremen am kürzeren Hebel. In der zugespitzten Form hätte ein Profi sogar das Recht, zu kündigen, wenn vereinbarte Leistungen zurückbehalten werden – und wäre dann ablösefrei auf dem Markt. Das ist ganz sicher nicht in Werders Interesse.

          Allofs soll nach dem 1:4 bei Hannover am 21. September die entsprechenden Sanktionen angekündigt haben. Die Reaktion der Profis auf die Gehaltskürzung blieb bislang aus. Weder äußerten sie sich offiziell, noch gab es einen Trainingsboykott oder ähnliches. Die Vorbereitungen auf das Spiel gegen den SC Freiburg am Samstag liefen völlig normal. Wie zu hören ist, soll der bislang nicht ausgezahlte Teil mit dem Oktober-Gehalt überwiesen werden.

          Weil eine offizielle Stellungnahme des Vereins ausblieb, vermuteten Bremer Zeitungen, Werder habe ernsthafte finanzielle Sorgen und könne die Spieler schlichtweg nicht mehr bezahlen. Dem stellte sich Allofs entgegen: „Was die rechtlichen und finanziellen Dinge angeht, verhält sich Werder Bremen korrekt. Da kann ich alle beruhigen. Da muss sich keiner Sorgen machen.“ Es wäre auch überraschend, hätte der Klub wenige Monate nach dem Özil-Transfer als Champions-League-Teilnehmer Probleme mit der Liquidität. Dass Allofs mit der im Kern verständlichen und bei den Fans gut ankommenden Machtdemonstration übers Ziel hinausschießt, hätten ihm die Hausjuristen sagen können.

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