https://www.faz.net/-gtm-a8890

Taskforce stellt Ideen vor : Wie steht es um die „Zukunft Profifußball“?

Wohin rollt der Ball? Die DFL hat ihre eigenen Vorstellungen. Bild: Imago

Zeit für Träume: Die Taskforce „Zukunft Profifußball“ präsentiert ihre Diskussionsergebnisse in 17 Handlungsempfehlungen – die Utopie ist schön, doch noch fehlt Verbindliches.

          2 Min.

          Christian Seifert wird die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im Sommer 2022 verlassen. Wie er im vergangenen Herbst ankündigte, räumt er seinen Posten als Geschäftsführer freiwillig – nach 17 Jahren, in denen er die Organisation wirtschaftlich in neue Dimensionen führte. Dass für ihn mit dem näher rückenden Ausscheiden der Wechsel ins Rollenfach der „lame duck“ drohen könnte, ist – zumal in Anbetracht der Herausforderungen durch die Pandemie – eher unwahrscheinlich.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Für Seifert, die DFL und die von ihnen repräsentierte Branche gibt es durch das weltweite Corona-Dilemma eine Menge unerwarteter Probleme zu meistern, nicht zuletzt finanziell. Wobei der 51-Jährige die Krise als Chance betrachtet, wie er deutlich machte, als er in Frankfurt den Abschlussbericht der von ihm vor knapp einem Jahr im Gespräch mit der F.A.Z. initiierten Taskforce „Zukunft Profifußball“ präsentierte.

          „Hat das eine Alibifunktion?“

          Wer ihm an diesem Mittwochmittag zuhörte, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich für den ansonsten so smarten Seifert um mehr als um ein reines Kosten-Nutzen-Projekt handelt. Sondern dass es vielmehr als ein Teil seines Vermächtnisses betrachtet werden soll, wenn später einmal über sein Wirken bei der DFL geurteilt wird. In seinen Augen besitzen die 17 Handlungsempfehlungen jedenfalls das Potential, die Rahmenbedingungen grundlegend zu verändern, unter denen zunächst hierzulande (und in absehbarerer Zukunft auch international) der Ball rollen könnte. Und das, obwohl sie keinen verbindlichen Charakter besitzen.

          „Hat das eine Alibifunktion? Ist das eine Debatte für die Kameras? Ganz sicher war es das nicht“, rechtfertigte sich Seifert auf einer virtuellen Pressekonferenz: „Es ist etwas sehr Besonderes entstanden.“ Es gelte, „Ideen und Leitplanken schrittweise in die Zukunft zu bauen“. Die Ziele für die kommenden Jahre, die das 37-köpfige Gremium mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Sport und Zivilgesellschaft benannte, klangen tatsächlich mal ehrgeizig, aber an anderer Stelle auch unverfänglich.

          „Bitte fangen Sie an, mit mir zu träumen“, sagte Heidi Möller. Die Psychologie-Professorin an der Universität Kassel moderierte die zurückliegenden vier Arbeitsgruppensitzungen, an denen unter anderem Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, der Vorstandschef von Eintracht Frankfurt, Fredi Bobic, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Christian Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft Fankulturen und Philipp Köster, der Chefredakteur der Zeitschrift „11 Freunde“, teilnahmen.

          Angestrebt, so lautete die Quintessenz ihres Brainstormings, werde bis „2030 eine sportlich erfolgreiche und wirtschaftlich gesunde Bundesliga, in der die Menschenrechte geachtet und geschützt werden, eine stärkere Bindung der Fans an die Vereine – die bis dahin durch Maßnahmen zur Nachhaltigkeit breite Bevölkerungsschichten gewonnen haben – sowie ein professioneller Frauenfußball“; konkrete Vorschläge zur Eindämmung der Millionenausgaben im Fußball, die auch von vielen Sportfreunden als unverhältnismäßig wahrgenommen werden, sind in dem Papier keine enthalten. Vielmehr ist die Rede davon, dass als Anreiz zur Umsetzung der Leitbilder ein Belohnungssystem entwickelt werden soll.

          Beschränkung von Spielergehältern?

          Seifert nannte die gegenwärtige Phase, in der sich die Menschen durch die andauernde Corona-Pandemie befinden, den größten Notfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. „Wir müssen daraus mehr mitnehmen als die Tatsache, dass wir es überlebt haben.“ Er betonte ausdrücklich seine Forderung nach einer Beschränkung von Spielergehältern im Profifußball. „Es ist ein dickes Brett, aber es lohnt sich trotzdem, darüber nachzudenken“, sagte Seifert, „und ich denke, der Weg wäre ganz im Sinne des europäischen Fußballs.“

          Die Frage sei berechtigt, warum es nicht früher gelungen ist, in einem boomenden Geschäftszweig bei der größten Ausgabeposition „irgendwie eine Lösung zu erzielen, die mit europäischem Recht vereinbar wäre“. Bei einem Salary Cap, einer in nordamerikanischen Sportarten seit langem üblichen Gehaltsobergrenze, könnten sich für Fußballprofis Einbußen auf dem Konto ergeben. „Aber selbst mit einem Salary Cap würde man, glaube ich, immer noch recht gut verdienen“, sagte Seifert, der die Gründung eines „Beirates“ bei der DFL anregte, um den interdisziplinären Dialog regelmäßig fortzusetzen.

          Weitere Themen

          Das Drama um Christian Eriksen Video-Seite öffnen

          Herzdruckmassage auf dem Platz : Das Drama um Christian Eriksen

          Bei der Begegnung zwischen Dänemark und Finnland war der 29-jährige Christian Eriksen kurz vor Ende der ersten Halbzeit kollabiert. Fans und Spieler zeigten sich fassungslos. Die gute Nachricht: Der Zustand des dänischen Nationalspielers hat sich stabilisiert.

          Topmeldungen

          Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen stehen am 29. August 2020 vor dem Reichstag in Berlin — darunter auch ein Teilnehmer, der die Reichsflagge hochhält.

          Vor Innenministerkonferenz : Deutsche Reichsflagge soll verboten werden

          Die Innenminister wollen mit einem Mustererlass das Zeigen bestimmter ehemaliger deutscher Flaggen untersagen. Rechtsextremisten nutzen etwa die Reichsflagge von 1892 als Ersatzsymbol für die verbotene Hakenkreuzflagge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.