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Talentförderung in Hoffenheim : Die Zukunft ist nicht nur Fußball

Talentförderung: Hoffenheim entgleitet die Diskussion Bild: Eilmes, Wolfgang

Gerade ihre Talentförderung sollte zu einem Alleinstellungsmerkmal der Hoffenheimer im deutschen Profifußball werden - aber eben ganz anders, als es gekommen ist. Das Projekt im Kraichgau hat gleich zwei Imageprobleme.

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          Markus Babbel kam zuletzt ins Büro von Bernhard Peters, der Hoffenheimer Sportdirektor warf den Beamer an, und dann wurde Babbel detailreich und per Powerpoint-Präsentation erläutert, welche Idee eigentlich hinter 1899 Hoffenheim steckt. Man konnte auch sagen: Ein bisschen Nachhilfeunterricht hatte Babbel dringend nötig. Denn die Botschaft des Klubs, die der bei seinem Aufstieg als besonders smart angesehene Verein so gerne im Fußball-Land verankert wissen will, schien ausgerechnet bei seinem neuen Trainer zuletzt noch nicht so recht angekommen.

          Zu Beginn des Jahres, als Babbel gerade bei Hertha BSC entlassen worden war, hatte der Wechsel eines 13 Jahre alten Talentes von Berlin nach Hoffenheim Schlagzeilen gemacht - angeheizt wurde die Diskussion nicht zuletzt durch Babbel selbst. „Es geht nicht, dass Kinder aus ihrem Umfeld gerissen werden und weit wegziehen“, sagte Babbel, „Hoffenheim ist in dieser Hinsicht besonders aggressiv.“ Ein paar Wochen später fand sich Babbel dann als Cheftrainer ausgerechnet in Hoffenheim wieder, dem „Zentrum des Kinderhandels“ im deutschen Fußball. So nennen manche Verantwortliche im Kraichgau ihren Klub mitunter schon selbst, leicht verzweifelt angesichts der Diskussion über ihre Nachwuchsarbeit, die Hoffenheim so grandios entglitten ist. Dabei sollte doch gerade ihre Talentförderung zu einem Alleinstellungsmerkmal im deutschen Profifußball werden - aber eben ganz anders, als es gekommen ist.

          “Hier ist es voll gut“

          Im vergangenen Sommer sah sich der Klub erstmals am öffentlichen Pranger. Die Hoffenheimer hatten drei Berliner Talente im Alter von vierzehn, fünfzehn Jahren verpflichtet, zwei von Hertha BSC, das andere von Tennis Borussia. Es hieß, die Jungs hätten sich wegen der guten Bedingungen für Hoffenheim entschieden. Aber all die Beteuerungen von Kindern, Eltern, Beratern sowie dem Klub überzeugten viele Trainer und Manager in der Bundesliga nicht. Sie sagten, am Ende würde doch immer das Geld entscheiden.

          Markus Babbel: Ein bisschen Nachhilfeunterricht dringend nötig
          Markus Babbel: Ein bisschen Nachhilfeunterricht dringend nötig : Bild: dapd

          Erdal, genannt Speedy, ist einer der Jungs, der damals sagte, er sähe in Hoffenheim bessere Chancen für sich, deswegen verlasse er seine Familie und Freunde, seinen Klub und seine Schule. Er wolle einfach raus aus der Stadt, das sei besser für ihn. Wenn man ihn nun nach sieben Monaten im Kraichgau erlebt, hat man nicht das Gefühl, dass er seinen Wechsel von der Hauptstadt in die Provinz bereuen würde, ganz im Gegenteil.

          “Hier ist es voll gut“, sagt Speedy, „ich fühle mich richtig wohl.“ Dem Mittelfeldspieler, der zum Kader der deutschen U-16-Nationalmannschaft von Steffen Freund zählt, bei Hoffenheim aber schon im älteren U-17-Bundesligateam spielt, fallen dabei nicht die ganz großen Dinge ein, die nun völlig anders und damit auch viel besser wären als bei Hertha BSC. Es ist vielmehr eine Summe von Kleinigkeiten, die es für ihn ausmacht, dass die Dinge in einem mit sportlichen und schulischen Anforderungen vollgestopften Alltag immer besser laufen.

          Mehr Platz im Tagesplan

          In Berlin ist er morgens gegen halb sieben aus dem Haus, und wenn er dann abends nach dem Training auf dem Olympiagelände noch gut vierzig Minuten mit der U-Bahn fahren musste, dann war er an manchen Tagen erst nach dreizehn, vierzehn Stunden wieder zu Hause. In Hoffenheim lebt er mit vier anderen Jungs in einer von sechzehn Gastfamilien, die Gasteltern sind „total nett“, mit den Jungs versteht er sich prima, vor allem mit Jasin, der auch aus Berlin kam, aber auch mit denen, die aus Österreich und den Vereinigten Staaten nach Hoffenheim gekommen sind.

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