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Mainz 05 : Schenk mahnt mehr Transparenz an

Formaljuristisch wohl in Ordnung: Präsident Harald Strutz und Mainz 05 werden zu Transparenz aufgefordert Bild: dpa

Die Vergütungsregeln bei Mainz 05 scheinen nicht mehr zeitgemäß: Sylvia Schenk von Transparency International mahnt den Verein angesichts der Diskussion um Aufwandsentschädigungen und Verdienstausfall von Präsident Strutz zu transparenterem Vorgehen.

          Der Fußball-Bundesligaverein Mainz 05 sollte die Arbeit der Vereinsführung dringend transparenter darstellen und ein Kontrollgremium einführen. Das hat Sylvia Schenk, Leiterin des Arbeitsbereichs Sport von „Transparency International Deutschland“, auf Nachfrage empfohlen. Frau Schenk bezog sich dabei auf die Diskussion um die Vergütung des Vereinspräsidenten Harald Strutz, der dieses Amt seit 1988 ausübt.

          Der Vorsitzende hatte nach dem Spiel gegen Mönchengladbach am vergangenen Freitag bestätigt, dass er seit einigen Jahren seine berufliche Tätigkeit als Anwalt zunehmend zurückgefahren habe, um nahezu vollständig für die Aufgaben als Vereinspräsident zur Verfügung zu stehen. Gemäß Vereinssatzung darf er für den durch die Einschränkung seiner Anwaltstätigkeit entstandenen „Verdienstausfall eine angemessene Aufwandsentschädigung beanspruchen“. Deren Höhe ist von den restlichen Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstands festzulegen. Inklusive der Vergütung für einen Beratervertrag, den Verein und Strutz geschlossen haben, sollen die Einkünfte des Präsidenten nach Informationen der F.A.Z. 24.000 Euro im Monat betragen.

          Als Präsidiumsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga hat der Chef von Mainz 05 Anspruch auf Sitzungsgelder. Strutz wird zudem ein Wagen zur Verfügung gestellt. Bis zum Eintritt ins Rentenalter im Lauf dieses Jahres ist Strutz mit einer halben Stelle als Justitiar beim Landessportbund Rheinland-Pfalz angestellt.

          „Hauptamt ist Hauptamt, Ehrenamt ist Ehrenamt“

          „Selbst wenn formaljuristisch alles in Ordnung ist, sollte der Verein unter Transparenzgesichtspunkten aufzeigen, wer warum wie vergütet wird“, sagte Sylvia Schenk. Die Juristin bezeichnete die jetzige Vereinsführung bei Mainz 05 als nicht mehr zeitgemäß: „Hauptamt ist Hauptamt, Ehrenamt ist Ehrenamt. Da ist eine klare Regelung angesagt. Es wäre ehrlicher, wenn es eine Anstellung beim Verein gibt oder zumindest vorab die Regeln für eine Aufwandsentschädigung feststehen.“

          Im Fall von Manager Christian Heidel hat Mainz 05 dagegen transparent gehandelt. 2005 wechselte er von der ehrenamtlichen Tätigkeit - als für den Lizenzspielerbereich verantwortliches Vorstandsmitglied - ins Hauptamt. Heidel, den die Insolvenz seines Autohauses zwang, mit seinem Hobby branchenübliches Geld zu verdienen, schuf damals klare Verhältnisse, indem sein Wunsch bei der Mitgliederversammlung vorgetragen wurde. Per Satzungsänderung wurde dem Manager als einzigem Angestellten erlaubt, einen Sitz im Vorstand einnehmen zu dürfen. Bei der selben Mitgliederversammlung wurde auch der Absatz bezüglich der Vergütungsregeln des restlichen Vorstands geändert.

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          Bei Strutz und auch angesichts der Vergütung der anderen Vorstandsmitglieder vermisst Frau Schenk, auf deren Betreiben hin bei Eintracht Frankfurt künftig zumindest die Bezüge des gesamten Vereinspräsidiums offengelegt werden, diese Transparenz vor allem mit Blick auf das Wachstum des Vereins in den vergangenen Jahren. „Bei einem Umsatz von 100 Millionen braucht man ,Checks and Balances‘. Es ist problematisch, wenn gemäß der Satzung die Vorstände wechselseitig über ihre Ansprüche bestimmen. Selbst wenn dann das Verfahren der Satzung entspricht, so sind damit doch Interessenskonflikte programmiert, oder es kann der Eindruck entstehen, die schustern sich gegenseitig etwas zu. Wer prüft denn unabhängig, welche Beträge - ob als Aufwandsentschädigung, Verdienstausfall oder Vergütung - gerechtfertigt sind?“

          Schenk merkte an, dass eine Veröffentlichung der Verdienstmöglichkeiten für einen Präsidenten von Mainz 05 auch aus anderen Gründen wichtig gewesen wäre. Der Posten hätte vielleicht andere kompetente Bewerber interessiert, die bislang von einem reinen Ehrenamt ausgegangen waren.

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