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Bundesliga-Relegation : Eine Bremer Party nach der „Katastrophensaison“

  • -Aktualisiert am

„Scheiß Saison, gutes Ende“: Bremens Trainer Florian Kohfeldt Bild: Picture-Alliance

Werder gewinnt keine Partie in der Relegation, bleibt aber in der Bundesliga. Die Erleichterung nach dem Spiel in Heidenheim ist groß. Trainer Florian Kohfeldt kündigt selbstkritisch Änderungen in Bremen an.

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          Florian Kohfeldt wusste nach dem Spiel nicht so recht wohin mit sich und seinen Emotionen. Also erst einmal das Gesicht in die Hände vergraben, die müden Augen fest gegen die noch immer leicht verschwitzten Handballen pressen und vor allem: tief durchatmen. Dann sagte er einen Satz, der so perfekt passte nach diesem 2:2 (1:0) im Rückspiel der Bundesliga-Relegation am Montagabend gegen den 1. FC Heidenheim – und sogar noch viel besser passte zur größtenteils verkorksten Runde von Werder Bremen, das sich mit diesem Remis gerade noch so vor dem drohenden Abstieg in die zweite Liga gerettet hatte: „Scheiß Saison, gutes Ende.“

          Bundesliga

          Während in Bremen erst Hunderte, später immer mehr und noch mehr Menschen auf die Straßen gingen und den Klassenverbleib feierten, fiel der grün-weiße Jubel in Heidenheim deutlich geringer aus. Werder-Fans waren bis auf einige wenige vor dem Stadion keine anwesend für eine gemeinsame Party unter dem sternenklaren Himmel.

          In Bremen kam es zu Ausschreitungen. Polizisten seien mit Flaschen und Böllern beworfen worden, teilten die Behörden mit. Ein Passant erlitt durch einen Flaschenwurf eine Kopfverletzung und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Mehrere Personen seien vorläufig festgenommen worden, die Polizei setzte Reizgas ein. Zunächst hätten sich die bis zu 700 Anhänger noch friedlich verhalten. Gegen Mitternacht sei die Stimmung jedoch gekippt, so dass die Polizei ihre Präsenz verstärken musste. Die Beamten seien auch mit Tritten attackiert worden, als Fans versuchten, eine Polizeikette zu durchbrechen. Die Einsatzkräfte fertigten diverse Strafanzeigen an, hieß es in einer Polizeimitteilung.

          Im Stadion ließen es nur die Heidenheimer krachen mit Licht, Nebel und lauter Musik, trotz des verpassten Aufstiegs in die höchste deutsche Liga – es wäre der erste überhaupt gewesen für den Zweitligaklub. Zwischenzeitlich hatten auch etwa 50 Heimfans für Aufsehen vor allem bei den Bremer Verantwortlichen gesorgt, die es während des Spiels auf die Haupttribüne geschafft hatten, von wo sie jedoch umgehend wieder verwiesen wurden.

          Von alldem aber ließen sich die Bremer Spieler und Betreuer kurz nach dem Schlusspfiff nicht beeinflussen, zu groß war die Erleichterung über das gerade noch so verhinderte Debakel, zu groß war die Freude darüber, auch nach einer „Katastrophensaison“, wie es Kohfeldt nannte, in der nächsten Saison weiter in der Bundesliga vertreten zu sein. „Wir werden das alles noch aufarbeiten und analysieren, aber nicht heute. Heute darf gefeiert werden, und zwar sowas von“, meinte der zuletzt stark kritisierte Werder-Coach und ergänzte, beinahe trotzig: „Das darf uns auch niemand madig machen.“

          Tatsächlich hatten er und seine Mannschaft es sich verdient, nach diesem Spiel als glückliche Gewinner des letzten verbliebenen Bundesligaplatzes sprechen zu dürfen, wiewohl der Erstligaklub es letztlich nicht geschafft hat, eine der beiden Relegationsduelle gegen den Tabellendritten der zweiten Liga für sich zu entscheiden. Aufgrund der Auswärtstorregel aber reichte Bremen dieses 2:2 zur Rettung in beinahe letzter Minute, nachdem das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften am vergangenen Donnerstag 0:0 ausgegangen war.

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