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SV Wehen Wiesbaden : Mit Spaß in die Millionenspiele

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Das große Spiel: Für den SV Wehen Wiesbaden ist das Relegationsspiel noch wichtiger als das DFB-Pokalspiel gegen Schalke im vergangenen Herbst. Bild: Reuters

Auch dank einer beeindruckenden Rückrundenbilanz in der dritten Liga fühlt sich der SV Wehen Wiesbaden für die Relegationspartien gegen Ingolstadt um die Rückkehr in die Zweitklassigkeit gewappnet.

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          Mögen die Millionenspiele beginnen! Sie fühlen sich gewappnet für Anspannung und Adrenalinschübe, die kommen werden, wenn eine ganze Saison auf eine Zugabe von maximal 210 Minuten Fußball verdichtet wird. Verteilt auf zwei Relegationsspiele, die entscheiden werden, ob der SV Wehen Wiesbaden nach zehn Jahren die ersehnte Rückkehr in die zweite Liga schafft. Geld und Prestige sind das eine, das auf dem (Millionen-)Spiel steht, ein bedeutender Karriereschritt für die Protagonisten das andere. „Wir haben uns diesen Bonus erarbeitet. Ich spüre, wie unglaublich viel Bock die Jungs auf dieses unglaublich geile Event haben“, sagt Manuel Schäffler.

          Der 30-jährige Angreifer hat gehörigen Anteil am Wehener Höhenflug, der nach opulenten 14 Siegen aus 19 Rückrundenbegegnungen auf Drittligarang drei endete. Schäfflers 16 Saisontreffer sind eine stolze Marke – und nimmt man die 14 Tore von Daniel-Kofi Kyereh hinzu, beheimatet der SVWW ein 30 Saisontreffer schweres Sturmduo, das auch Gegner FC Ingolstadt beunruhigen dürfte. An diesem Freitag (18.15 Uhr, live im F.A.Z.-Relegations-Liveticker im ZDF) steigt das Hinspiel in der Wiesbadener Arena, die Entscheidung fällt am Dienstag zur selben Zeit in Ingolstadt. „Wir können gar nicht anders, als intensiv, leidenschaftlich und offensiv zu spielen“, sagt Cheftrainer Rüdiger Rehm, der „enge und heiße Partien“ prognostiziert.

          Heißsporne auf den Trainerbänken

          Es ist ein Zeichen von Selbstvertrauen, dass das Wehener Lager den klassenhöheren Gegner, der zwischen 2015 und 2017 noch in der Bundesliga kickte, nicht bemüht starkredet und sich selbst als Underdog geriert. Zumal der mit Aufstiegshoffnungen gestartete FCI ein paar ausgewiesene Könner am Ball in seinen Reihen weiß. „Sie haben eine hohe Qualität, aber auch Probleme. Die wollen wir aufdecken und freilegen, erwischen und reinstechen“, sagt SVWW-Coach Rehm. „Wir können uns sehr groß belohnen und haben viel zu gewinnen. Wir alle wollen in die zweite Liga.“

          Wehen gegen Ingolstadt ist auch das Duell zweier Heißsporne auf den Trainerbänken. Der Anfang April als Retter engagierte Tomas Oral ist ebenso wie Rehm für emotionale Ausbrüche an der Seitenlinie bekannt. Nicht unwahrscheinlich, dass die beiden in den beengten Verhältnissen im Innenraum der Wiesbadener Arena verbal ins Eins-gegen-eins gehen werden.

          Beide Mannschaften haben sich den Relegationsrang in ihrer jeweiligen Liga dank eines starken Schlussspurts erkämpft. Den größeren Kraftakt hat Orals FCI hingelegt, der noch am 27. Spieltag mit fünf Punkten Rückstand scheinbar abgehängt am Tabellenende residierte. Am vergangenen Sonntag indes endete die erfolgreiche Aufholjagd bei der 2:4-Niederlage in Heidenheim, als sogar noch der direkte Klassenverbleib für die „Schanzer“ in Reichweite geraten war. Rehm hat dort wertvolles Anschauungsmaterial gewonnen, wie sich der Gegner in einem Alles-oder-nichts-Spiel verhält. Aber auch Oral ist ein Kenner der Wehener Verhältnisse, war er doch während seiner vorangegangenen Arbeitslosigkeit von seiner Frankfurter Wahlheimat aus oft bei Heimspielen in Wiesbaden zu Gast.

          Die derzeit im Umbau befindliche Arena wird am Freitagabend ausverkauft sein. Auch das mediale Interesse übertrifft den Alltag des SV Wehen Wiesbaden bei weitem. Haben die Hessen mangels regelmäßig vor Ort berichtender Medien schon vor einer Weile die Pressekonferenzen vor dem Spieltag abgeschafft, tat sich nun vor dem Relegationsheimspiel ein wahrer Wald an Mikrofonen vor Trainer Rehm auf. Sind die Drittligakicker der Wucht solcher Spiele – inklusive Liveübertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – gewachsen?

          Ohne Ingolstädter Leihgabe

          „Wir alle sind doch Fußballprofis geworden für genau solche Spiele“, sagt Stürmer Schäffler, der von 2012 bis 2014 in Ingolstadt unter Vertrag stand, über das Reservistendasein aber nicht hinauskam. Aktuell noch einen Vertrag in Ingolstadt und Wehen hat Agyemang Diawusie. Der 21-Jährige mit ghanaischen Wurzeln ist im vergangenen Sommer vom SVWW zum FCI gewechselt, in der Winterpause aber leihweise wieder zurückgekehrt. Vor den Relegationsmatches gegen seinen bayrischen Stammverein, bei dem er einen Vertrag bis Ende Juni 2021 besitzt, haben die Hessen ihn vom Spiel- und Übungsbetrieb freigestellt. „Da müssen wir einen jungen Spieler schützen. Anders ist das nicht zu händeln“, sagte Trainer Rehm. Hätte der Relegationsgegner SV Sandhausen geheißen, wäre es im Falle des von dort ausgeliehenen Florian Hansch genauso gelaufen.

          Mittelfeldspieler Jules Schwadorf und Abwehrmann Niklas Dams fehlen verletzungsbedingt zumindest für das Heimspiel an diesem Freitag. Letzterer könnte dann in Ingolstadt gegebenenfalls Abwehrchef Sascha Mockenhaupt ersetzen, wenn dieser sich die fünfte Gelbe Karte einhandelte. Auch Max Dittgen droht für das Rückspiel eine Gelbsperre. Was die Wehener aber nicht von ihrem bewährten Offensivstil abbringen soll. „Wir wollen alles dafür tun, dass der Gegner keinen Spaß an dem Spiel hat, wir dagegen unseren Spaß entwickeln“, sagte Rehm.

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