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SV Darmstadt 98 : Trainersuche unter Hochdruck bei den „Lilien“

  • -Aktualisiert am

Wo Darmstadt draufsteht, ist jetzt nicht mehr Darmstadt drin: Trainer Markus Anfang geht zu Werder Bremen. Bild: dpa

Nach dem plötzlichen Abschied von Markus Anfang zu Werder Bremen braucht Darmstadt 98 einen neuen Trainer. Spätestens in zwölf Tagen muss der Nachfolger bei den „Lilien“ schon gefunden sein.

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          Spätestens in zwölf Tagen, wenn der Profikader zu ersten Corona-Tests und kurz darauf zum offiziellen Trainingsauftakt zusammenkommt, brauchen die „Lilien“ einen neuen Chefcoach. Carsten Wehlmann sieht zwar „keinen Stillstand“ beim SV Darmstadt 98, aber klar ist, dass aktuell alles zurücktritt hinter die wichtigste Personalentscheidung dieses Sommers.

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          Der Sportdirektor gab bekannt, dass die zweitklassigen Südhessen „mit Hochdruck“ einen neuen Mann suchen, der seine Arbeit am Böllenfalltor in Kontinuität zum (Aufbau-)Werk des am Dienstag zu Werder Bremen abgewanderten Trainers Markus Anfang begreift. Der Nachfolger solle „die Art und Weise unseres Fußballs sowie unseres Weges fortführen.

          Gerade im Hinblick auf den spielerischen und aktiven Ansatz unseres Spiels. Das ist die Grundlage, wenn wir uns mit Kandidaten unterhalten, und darin sollte auch die Kernkompetenz des neuen Trainers liegen“, so Wehlmann. Ob man einem unerfahrenen Coach wie zuvor Dimitrios Grammozis oder einem mit dem Zweitligageschäft vertrauten wie Anfang das Amt übergibt, wollen sich die Darmstädter offenhalten. Gespräche mit möglichen Kandidaten hätten sofort nach dem feststehenden Verlust von Anfang begonnen.

          Darmstadt kann Trainer nicht halten

          Dass sich die „Lilien“ als Sprungbrett für Trainer zu namhaften Fußballadressen eignen, dürfte ihre Anziehungskraft steigern. Grammozis auf Schalke und Anfang in Bremen führen in der neuen Saison die beiden Favoriten bei ihren jeweiligen Projekten Wiederaufstieg an. „Dass wir Transfererlöse erzielen, ob bei Spielern oder nun bei einem Cheftrainer, ist auch eine Auszeichnung für unsere Arbeit“, sagte Wehlmann. „Das zeigt, dass es nicht unattraktiv ist, in Darmstadt zu arbeiten.“

          Es zeigte aber zuletzt auch, dass die Darmstädter nicht in der Lage sind, ihre Cheftrainer nach einer guten Saison zu halten. Grammozis führte den SVD auf Rang fünf, Anfang unlängst auf Platz sieben. Grammozis war vergrätzt über die ihm angebotene, in seinen Augen zu kurze Vertragslaufzeit, Anfang stellte die „Lilien“-Führung am vergangenen Wochenende mit seiner Einigung mit Werder vor vollendete Tatsachen.

          Der Verlust von Anfang, der mit Darmstadt die beste Zweitligarückrunde überhaupt für den Klub spielte (33 Punkte), komme fraglos „zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, wie Wehlmann sagte. Auch der von Werder gewählte Stil, mit dem der ursprünglich noch bis Mitte 2022 am Böllenfalltor gebundene Anfang abgeworben wurde, hat die Darmstädter irritiert. „Die Kommunikation hätte sicherlich in einem anderen Rahmen ablaufen können. Da klammere ich unsere Seite allerdings aus“, sagte Wehlmann.

          Während der entscheidenden Stunden des Ringens zwischen beiden Klubs am Montagabend und Dienstag waren Details an Medien lanciert worden. Wehlmann ließ durchblicken, dass die Darmstädter durchaus entschlossen waren, Anfang den Abgang zu verwehren, wenn die Bremer das erste Ablöseangebot in Höhe von 200.000 Euro nicht deutlich nachgebessert hätten. „Wir hatten einen guten Trainer unter Vertrag, mit dem wir sehr zufrieden waren. Auch wenn wir ein kleinerer Verein sind, müssen wir nicht alles tun, was andere glauben, uns vorgeben zu müssen“, sagte Wehlmann.

          Nach Medienberichten kamen die Darmstädter in den Verhandlungen ihrem Ziel eines Geschäfts, das ihnen in Summe – je nach Erfolg von Anfang in Bremen – nahezu eine Million Euro einbringt, recht nahe. Dabei profitierten sie augenscheinlich von dem Druck, der auf den finanziell klammen Norddeutschen nach dem ersten Bundesligaabstieg seit 41 Jahren lastet. Die neue grün-weiße Zeitrechnung wollten sie dann nicht ohne ihre erklärte Wunschlösung Markus Anfang beginnen.

          Ob die „Lilien“ nun auch Trainerkandidaten, die in bestehenden Vertragsverhältnissen stehen, ansprechen wollen, wie es derzeit Usus ist im deutschen Profifußball? Die Darmstädter haben sich zwar den Slogan „Aus Tradition anders“ verpasst, aber auf der Suche nach einem neuen Cheftrainer sind sie sich auch selbst der Nächste. „Im Fußball ist alles denkbar“, sagte Wehlmann. „Wir halten uns alle Optionen offen.“

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