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SV Darmstadt 98 : Ganz große Gefühle auf St. Pauli

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiche Auswärtsfahrt: Die Darmstädter Spieler bejubeln das 0:1 durch Luca Pfeiffer – gemeinsam mit den mitgereisten Anhängern. Bild: dpa

Die „Lilien“ verbessern ihre Aufstiegschancen in die Bundesliga durch einen 2:1-Auswärtssieg in Hamburg nachhaltig. Trainer Torsten Lieberknecht muss von der Tribüne zusehen – und hofft nun auf mehr.

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          Nein, er lässt sich nicht locken – nicht einmal nach einem solchen Spiel, einem solchen Sieg. Dafür ist Torsten Lieberknecht schon zu lange dabei. Die Tabellenkonstellation, das Restprogramm, welche Chancen er sehe für seine Lilien, aufzusteigen? „Wir haben 54 Punkte und sind Dritter. Das zur Tabelle“, antwortet Lieberknecht. Und die letzten Spiele in den kommenden Wochen, mit Aue, Düsseldorf und zum Finale am 15. Mai Paderborn zuhause, machbare Aufgaben? Lieberknecht sagt: „Es ist so, wie die ganze Zeit. Wir wollen wie eine Klette dranbleiben. Wir wollen jagen. Und gar nicht so viel die Tabelle ansehen.“

          2. Bundesliga

          Lieberknechts Erfahrung tut dem SV Darmstadt 98 gut. Jeder konnte ja sehen, welche Gefühle dieses 2:1 beim FC St. Pauli am Samstagabend freigesetzt hatte – alle, wirklich alle Beteiligten stürmten auf den Rasen, als Sascha Stegemann nach 94 Minuten abpfiff; eine Minute vorher hatte Torwart Marcel Schuhen noch den Schuss des Hamburgers Christopher Buchtmann weggeboxt.

          Die pure Freude, der große Jubel, die gemeinsame Feier mit den 3000 Darmstädter Fans, die in ihrem Eckchen hinter dem Tor versucht hatten, sich Gehör zu verschaffen – das waren große Momente. Lieberknecht gelingt es, daraus etwas zu destillieren, das über den Sieg, den Tag, die Tabelle hinausweist, auch deswegen ist er in der Szene beliebt.

          Er sagte: „Nach den vielen stillen Spielen vor leeren Rängen ist es ein Privileg, hier spielen zu dürfen. Solch eine Stimmung ist das Salz in der Suppe. Meine Freude darüber überwiegt ehrlich gesagt das Gefühl, hier einen Sieg errungen zu haben. Ich möchte dem ganzen Stadion, allen Zuschauern einen Riesendank aussprechen.“ Ein Abendspiel am ausverkauften Millerntor vor der Silhouette von Elbphilharmonie, Michel und dem Riesenrad des Doms: Das hat schon was.

          „Ein Tor wie gegen Bremen“

          Wobei Lieberknecht keinen Blick für die Sehenswürdigkeiten übrig hatte. Nach fünf Spielen mit nur einem Sieg und zuletzt acht Gegentoren sollte eine Lilien-Elf in Hamburg ihre Kompaktheit wiederfinden. St. Pauli begann konfus, Darmstadt in der 4-1-4-1-Formation war sofort im Spiel, kam durch Luca Pfeiffer früh zum 1:0 – in dieser neunten Minute war es der Pass von Phillip Tietz, der St. Pauli überrumpelte.

          Als die Hamburger besser in die Partie fanden und Matthias Bader gegen Etienne Amenyido auf der Torlinie rettete, folgte der Paukenschlag: Einen schon abgewehrten Eckball machte Bader wieder „scharf“, Kapitän Fabian Holland schoss die unfreiwillige Vorlage per Dropkick aus zehn Metern ins lange Eck: 2:0 in der 31. Minute. Kein Sonntagsschuss, erklärte Lieberknecht später: „Er hat solch ein Tor schon in der Hinrunde gegen Bremen geschossen.“

          Dann begann das große Leiden. 49 Minuten rannte St. Pauli an. „Wir haben tief gestanden, viel wegverteidigt, uns fehlten Pass-Sicherheit, Ballruhe“, kritisierte Lieberknecht. Das Stadion erwachte, als Lukas Daschner das 2:1 gelang (81. Minute). St. Pauli wechselte Simon Makienok ein und versuchte es nur noch mit langen Bällen – die aber schlugen oder köpften Luca Pfeiffer und Thomas Isherwood umstandslos weg.

          Lieberknecht hatte das Fußball-Drama von seinem Platz hoch unter dem Tribünendach auf der Gegengeraden verfolgt, „sehr emotional“, er war ja nach vier Gelben Karten gesperrt. Sein Team habe diese Partie auch gewonnen, weil ihr die Jonathan-Heimes-Motivationsbändchen mit der Aufschrift „Du musst kämpfen“ geholfen hätten, erzählte der Trainer später: „Johnny ist ein Teil von Darmstadt, ein Teil von Darmstadt 98. Die Bändchen waren unter der Woche an Tobias Kempe und Fabian Holland adressiert. Fabian hat der Mannschaft die Hintergründe der tragischen Geschichte genannt und das Team hat sie dann getragen.“ (Heimes, ein 2016 an Krebs gestorbener Lilien-Fan, verteilte im Böllenfalltorstadion Motivationsbändchen, die Red.).

          Alles in allem eignete sich diese bemerkenswerte Partie, um Rückenwind für die verbleibenden drei Partien zu verleihen. Auch wenn Torsten Lieberknecht das niemals so sagen würde.

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