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Zweite Fußball-Bundesliga : Darmstadt 98 wird seriös

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Ein Mann mit Durchsetzungsvermögen: Luca Pfeiffer (Mitte) bricht sich Bahn. Bild: Huebner

Beim 2:1-Sieg in Aue kommt die Ernsthaftigkeit der Darmstädter voll durch. Die „Lilien“ haben in der zweiten Bundesliga einen Höhenflug. Auch Kälte und ein robuster Gegner können ihnen nichts anhaben.

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          Torsten Lieberknecht hat in den vergangenen Wochen ein Lieblingswort entwickelt. Es lautet nicht „formidabel“ oder „beeindruckend“, was angesichts des nicht enden wollenden Höhenflugs von Darmstadt 98 passen würde. Nein, es lautet: seriös. Der „Lilien“-Cheftrainer erfreut sich nämlich nicht vornehmlich an den offensiven Glanz-und-Gloria-Momenten, welche sein Team reihenweise liefert, sondern daran, mit welcher Ruhe und Abgebrühtheit die Mannschaft verteidigt und den Gegnern kaum gefährliche Abschlüsse zugesteht. Seriös eben.

          2. Bundesliga

          Beim hochverdienten 2:1-Sieg bei Erzgebirge Aue kam die Ernsthaftigkeit, mit der diese Darmstädter in der zweiten Liga bei der Sache sind, wieder deutlich zum Vorschein. „Wir haben die Partie verantwortungsvoll sowie mit großer Seriosität runtergespielt“, lobte Lieberknecht. Trotz der „speziellen äußeren Umstände“, wie der Pfälzer sagte. Doch auch Kälte, ein robust und kampfstarker Gegner sowie die Tatsache, dass aufgrund der sächsischen Corona-Verordnungen keine Zuschauer zugelassen waren, konnten den „Lilien“ nichts anhaben.

          Sie waren den in den vergangenen Wochen erfolgreichen Auern deutlich voraus und – das zeichnet die Darmstädter in dieser Saison besonders aus – überführten ihre Überlegenheit auch in Torerfolge. Das frühe Eigentor des Auers Gonther zählte nach Videostudium nicht, weil SVD-Angreifer Phillip Tietz haarscharf im Abseits gestanden hatte.

          Doch die „Lilien“ spielen nach nunmehr sechs Siegen aus den letzten sieben Partien mit so viel Selbstvertrauen und einer Selbstverständlichkeit Fußball, dass es viel mehr bedarf, um sie von ihrem Weg abzubringen.

          Nicht so viel Begeisterung

          Nun ging dem Auftritt in Aue – wie erwartet – das Begeisternde ab, das noch die vorangegangenen Partien auf Schalke (4:2) und gegen St. Pauli (4:0) ausgezeichnet hatte. Aber diese Mannschaft weiß, dass ihre Chancen kommen und dass sie diese auch mit einer enormen Effektivität nutzen wird.

          Eine gekonnte Koproduktion des Stürmerduos Tietz/Luca Pfeiffer lieferte neuen Stoff für Schwärmereien von „Lilien“-Fans. Nach starkem Doppelpass mit Tietz bekam der 1,96 Meter große Pfeiffer seine langen Beine gerade noch sortiert, um den Ball in der 62. Minute ins Tor zu schießen. Der eingewechselte Aaron Seydel war dann 13 Minuten später so frei, eine Maßvorarbeit von Matthias Bader wuchtig zu vollenden. „Die Tore waren mit viel Ruhe herausgespielt. Zudem haben wir auch viel Qualität auf der Bank, die uns dabei hilft, solche Spiele über die Bühne zu bringen“, sagte Lieberknecht.

          Der Pfälzer dürfte ligaweit von seinen Trainerkollegen darum beneidet werden, dass er aufgrund der häufigen komforta­blen Führungen Rekonvaleszenten wie Seydel, Tim Skarke und Marvin Mehlem viel Spielzeit geben kann. Und so die Truppe auf Sicht personell noch schlagkräftiger machen kann. Für Seydel war es ein besonderes Erfolgserlebnis. Der 1,99 Meter große Offensivspieler hatte in seiner Darmstädter Zeit bislang kaum überzeugen können und kam unlängst erst aus einer siebenmonatigen Verletzungspause nach Achillessehnen-OP.

          „Man musste ihn erst mal dahin bringen, dass er wieder Vertrauen in seinen Körper findet“, sagte Lieberknecht, der in Aue in der 85. Minute aber auch einen Gegentreffer „mit viel Slapstick“ wahrnahm. Eine Verkettung von unglücklichen wie eigentümlichen Abwehraktionen ermöglichte Jonjic (85.) das Tor zum 1:2. Der Sieg geriet indes nie in Gefahr, weil die „Lilien“ ihre Seriosität sofort wiederfanden.

          Dass die Sachsen in 90 Minuten nur einen einzigen Eckball herausholten, spricht für die Gründlichkeit der Darmstädter Abwehrarbeit. Die Südhessen mit der besten Offensive und drittbesten Defensive der Liga liegen nach 15 Spieltagen jedenfalls auf Tabellenrang zwei. „Jetzt“, sagte Torschütze Seydel, „wächst schon die Vorfreude auf den Freitagabend mit dem Flutlichtheimspiel gegen Fortuna Düsseldorf.“

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