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Kurioses Tor gegen Rostock : Die Mischung macht’s bei Darmstadt 98

  • -Aktualisiert am

Phillip Tietz von Darmstadt freut sich über sein Tor zum 1:0. Bild: dpa

Der SV Darmstadt 98 erteilt Hansa Rostock eine Lektion. Nach dem 4:0 stehen die Südhessen schon in der Spitzengruppe. Dabei hilft auch das kuriose erste Tor früh im Spiel.

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          Selbst die südhessischen Gegner litten im Nachgang etwas mit dem unglückseligen nordostdeutschen Torhüter Marius Kolke. Der 31-Jährige hatte sich einst in der dritten Liga beim SV Wehen Wiesbaden als Elfmetertöter einen Namen gemacht und ist auch eine Etage höher beim FC Hansa Rostock ein verlässlicher Vertreter seines Fachs.

          2. Bundesliga

          Am Samstagabend leistete er sich aber einen Fauxpas der Marke fußballerische Slapstick-Einlage, die im Netz noch eine Weile ihre Kreise drehen dürfte. Es lief erst die dritte Spielminute, als Kolke den Ball vor sich auf den Rasen kullerte, auf der Suche nach einer Anspielstation den Blick sekundenlang nach links richtete – und den heranspurtenden Phillip Tietz von rechts übersah. Der Torjäger des SV Darmstadt 98 schoss den Ball zum Führungstreffer am verdutzen Kolke vorbei ins Netz.

          „Lilien“-Trainer Torsten Lieberknecht betonte später die Wichtigkeit des „frühen Türöffners“, doch das dürfte auch der Höflichkeit gegenüber den Rostockern geschuldet gewesen sein. Denn die Darmstädter hätten Kolkes Eröffnungsgeschenk nicht benötigt, um Hansa deutlich zu besiegen. Um mit dem letztlich souveränen 4:0 den vierten Pflichtspielsieg in Serie (drei in der Liga, einer im Pokal) zu landen und voll auf Kurs Spitzenplätze zu sein.

          Der erstarkte Marvin Mehlem (18. Minute), Tietz zum zweiten (54.) und Tobias Kempe per Elfmeter (74.) erzielten die weiteren Treffer. Die Darmstädter sind nach geglückten Saisonstart auf dem besten Weg, an die erfolgreiche Vorsaison anzuknüpfen. Das erste Spitzenspiel der noch jungen Saison beim punktgleichen Hamburger SV (neun Punkte nach vier Partien) am Freitagabend dürfte weiteren Aufschluss geben. Auf die Frage, ob der SVD mit diesem Start schon mal ein gewichtiges Signal an die Konkurrenz gesendet habe, antwortete Lieberknecht: „Völliger Quatsch.“ Es sei nur ein „weiterer Sieg, der wichtig ist“, gewesen.

          „Lilien“ kompensieren Verluste

          Aber natürlich bleibt in der Liga nicht verborgen, dass die „Lilien“ trotz angespannter Personallage zum Start und einigen spielerisch holprigen Passagen in den ersten Spielen reichlich Punkte gewonnen haben. Die Mischung macht es nach wie vor in diesem Team. Denn der SVD hält sowohl physisch als auch kämpferisch in dieser Liga problemlos mit und kann zudem spielerisch jederzeit den Unterschied ausmachen.

          Diese Mixtur ist im Zweitligabetrieb ein großes Plus, das abermals weit nach vorne tragen kann. Hansa-Coach Jens Härtel sagte, dass die Darmstädter Qualität, zum einen „unangenehm“ und zum anderen „spielstark“ zu sein, seine Mannschaft überfordert hätte. Und dass die Südhessen der stärkste Gegner des Rostocker Anfangsprogramm gewesen seien, das zuvor immerhin die Aufstiegskandidaten Heidenheim, Bielefeld und Hamburger SV umfasste.

          In der Offensive haben die Darmstädter den Verlust von Tim Skarke und Torjäger Luca Pfeiffer offensichtlich kompensieren können. Der zweimalige Torschütze gegen Rostock, Tietz, und der enorm schnelle, stets unberechenbare Braydon Manu bilden ein gefährliches Duo. Mit den skandinavischen Neuzugängen Oscar Vilhelmsson und Magnus Warming kann Lieberknecht reichlich Qualität von der Bank bringen.

          Und der von einer Hirnhautentzündung genesene Aaron Seydel als klassischer Mittelstürmer ist auch noch in der Hinterhand. Da stellt sich fast die Frage, ob Sportdirektor Carsten Wehlmann den beabsichtigten Transfer eines neuen Angreifers überhaupt noch forcieren muss.

          Lieberknecht mäkelte sogar etwas an der ersten Halbzeit herum, in der sein Team die Rostocker in der Anfangsphase schier zu überrollen drohte und nach 18 Minuten 2:0 führte. „Viele Dinge haben mir nicht gefallen, gerade die individuelle Passqualität. Wir haben uns viele Sachen, die wir uns vorgenommen hatten, mit schlampigen Pässen zunichte gemacht“, so der Pfälzer.

          „Wir waren stets bereit“

          Dass die Defensivarbeit fast ausnahmslos an diesem stimmungsvollen Abend am Böllenfalltor gelang, stellte auch Lieberknecht nicht in Abrede. „Wir waren stets bereit, viel zu investieren“, sagte er. So viel jedenfalls, dass die Rostocker quasi keine (Tor-)Chance hatten. Die zunächst aus der personellen Not geborene Dreierkette hat sich zu einem Stabilitätsanker im Darmstädter Spiel entwickelt.

          Die Besetzung Christoph Zimmermann, Jannik Müller und Klaus Gjasula kommt gemeinsam auf 89 Lebensjahre und die Erfahrung von unzähligen Defensivzweikämpfen. Besonders Zimmermann hat keinerlei Anpassungsprobleme an das Darmstädter Spiel und die Anforderungen der zweiten deutschen Spielklasse generell. Der Neuzugang aus Norwich verdiente sich gegen Rostock sogar ein Extralob vom Trainer. „Er ist ein Profi durch und durch. Er tut der Mannschaft gut, wie er das Spiel versteht. Er hat alles aufgeräumt.“

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