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Zweite Bundesliga : Teamgeist bringt Darmstadt auf Touren

  • -Aktualisiert am

Zusammen stark: Die Darmstädter sind ohne echte Stars erfolgreich. Bild: Thomas Voelker/Jan Huebner

Der SV Darmstadt 98 stellt mit 24 Treffern den derzeit besten Angriff in der zweiten Fußball-Bundesliga. Doch nicht nur das zeigt: Bei den „Lilien“ entsteht gerade etwas.

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          Fabian Holland hatte es eilig. Sein knalliger Distanzschuss war gerade im langen Eck ins Bremer Tornetz gerauscht, da machte sich der Darmstädter Kapitän auf den Weg quer über den Platz. Wehrte unterwegs alle Gratulationsversuche der Mitspieler ab, rannte zur „Lilien“- Bank und verschwand erst dort in einem blau-weißen Feierknäuel. „Das sollte zeigen, welch geile Truppe wir sind“, sagte Holland. „Wir stehen alle zusammen, dann sollten wir auch gemeinsam jubeln.“

          2. Bundesliga

          Die Aktion rund um den Führungstreffer im mit 3:0 gewonnenen Heimspiel gegen Werder Bremen am vergangenen Sonntag hatte etwas Sinnbildliches. Allem Anschein nach ist bei den Darmstädtern in kurzer Zeit etwas zusammengewachsen. Oder anders gesagt: Da entsteht gerade etwas. Dass die Profis in diesem familiär geführten Klub von besonderem Zusammenhalt schwärmen, gehört zum Darmstädter Standardton. Auch dann, wenn es nachweislich in manchen SVD-Jahrgängen zuletzt im Binnenklima nicht so stimmte.

          Die aktuelle, im Sommer personell im großen Stil veränderte Equipe betont den ausgeprägten Gemeinsinn nicht nur besonders vehement, sondern sie zeigt ihn auch. Die Vehemenz des gemeinsamen Jubels ist da nur ein Indikator. Doch gibt es weitere Zeichen. Wie emotional hochtourig die Defensivspieler dem formstarken Torhüter Marcel Schuhen zu seinen Paraden gratulieren zum Beispiel. Oder wie Schuhen sich mit heißem Herzen bei seinen Vorderleuten für gelungene Abwehraktionen bedankt. Davon, dass die beiden Transfer-Treffer und Angreifer Philip Tietz (acht Saisontreffer) und Luca Pfeiffer (sieben) ihre Egos zurückstellen und sich freimütig gegenseitig die Bälle auflegen, ist schon häufig die Rede gewesen.

          Das recht stabile Darmstädter Hoch nach dem coronabedingt vermasselten Saisonstart hat viel mit diesem Teamgeist zu tun. Die Südhessen sind gut beraten, diesen auch durch mögliche schwächere Phasen dieser Zweitligasaison hindurch zu erhalten. Zwar haben die „Lilien“ ihre starken 16 Punkte aus den vergangenen acht Spieltagen überwiegend in überzeugender Manier gewonnen. Doch eben nicht als Resultat von individueller Extraklasse, sondern als stabiles, funktionierendes, homogenes Gesamtgebilde. Daraus zogen sie ihre Stärke. Als Team ohne echte Stars. Ohne solch dominierende Charaktere, wie es die im Sommer abgewanderten Serdar Dursun (Fenerbahce Istanbul) und Victor Palsson (Schalke) gewesen sind.

          „Wir haben als Mannschaft Spaß in jedem Training“, beteuert Stürmer Pfeiffer, zweimaliger Torschütze gegen Werder. Cheftrainer Torsten Lieberknecht registriert bei den Spielern „pure Freude daran, ihrem Job nachzugehen“. Kein Wunder nach zwei Siegen in Serie mit Schmackes, dem 6:1-Erfolg in Sandhausen und dem souveränen Heimerfolg gegen Bundesliga-Absteiger Bremen vor einem stattlichen Publikum am Böllenfalltor.

          An diesem Samstag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) könnten sie die Serie ausbauen bei Holstein Kiel. Für den norddeutschen Rangfünfzehnten ist es die erste Heimpartie des neuen Trainers Marcel Rapp. Die Darmstädter müssen auf den erkrankten Flügelspieler Benjamin Goller (Angina) verzichten und nach wie vor auf den verletzten Lasse Sobiech sowie Jürgen Gjasula (Quarantäne in Albanien).

          Mit imposanten 24 Treffern stellen in der vermeintlich besten zweiten Liga aller Zeiten die „Lilien“ die beste Offensive. Und dass nach nahezu einem Drittel der Saison. In einem Nebensatz hatte Coach Lieberknecht in dem ganzen Frohsinn nach dem Werder-Spiel etwas gesagt, das quasi untergegangen ist: „vernünftig einordnen“ müsse man den aktuellen Erfolg. Diese „Lilien“ sind nämlich (noch) kein Team, dem quasi alles von allein zufliegt.

          Es muss schon vieles zugleich stimmen – von der guten Chancenverwertung über den besonderen Lauf des Sturmduos bis hin zur stabilen Abwehrarbeit in bislang oft wechselnder Innenverteidigerbesetzung. Torsten Lieberknecht hat augenscheinlich dem ganzen Lob, das die Mannschaft nach dem Werder-Spiel erreicht hat, kein weiteres hinzugefügt. „Wir haben Bremen extrem schnell ohne Analyse abgehakt und sofort den Fokus auf Kiel gerichtet“, sagte er. „Unser erklärtes Ziel ist es, mit dem Maximum von dort zurückzukehren.“

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