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Supercup-Sieg über FC Bayern : Lewandowski besteht den Charaktertest

  • -Aktualisiert am

Zweikampf mit Torwart: Robert Lewandowski macht Tom Starke schwach Bild: REUTERS

Robert Lewandowski würde gerne das Bayern-Trikot tragen. Doch Dortmund stellt sich quer und gewinnt mit ihm den Supercup gegen die Münchner. Der Pole zeigt gegen seinen Wunschklub eine gute Leistung.

          Natürlich waren wieder einmal alle Augen auf Pep Guardiola gerichtet, den neuen Trainer des FC Bayern München, der zum ersten Mal in Dortmund auftrat. Im Blickpunkt stand beim Supercup aber auch ein Mann, der noch nicht für den deutschen Rekordmeister arbeitet, dort aber schon in diesem Sommer gerne angeheuert hätte: Robert Lewandowski.

          Der polnische Nationalspieler hatte sich drei Jahre lang voller Leidenschaft in den Dienst des BVB gestellt und war in Dortmund zu einem der begehrtesten Torjäger Europas aufgestiegen. Lewandowski wurde zum Hauptdarsteller einer unendlichen und manchmal unendlich nervigen Geschichte, die schon vor Monaten ihren Anfang genommen hat.

          Aber so eindringlich der Angreifer und besonders seine beiden Berater ihren Wechselwillen bekundet und als Ziel München ausgerufen haben - sie kamen damit nicht durch. Nach langem Geplänkel sprach Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung, ein Machtwort: Lewandowski müsse seinen Vertrag, der noch knapp ein Jahr läuft, erfüllen, basta.

          Der Stürmerstar ließ an seiner Enttäuschung über die Haltung seines Arbeitgebers keinen Zweifel und brachte das auch öffentlich zum Ausdruck. Lewandowski sprach, als fühlte er sich hinters Licht geführt. Er habe die Rückrunde der vergangenen Saison in der Annahme bestritten, im Sommer wechseln zu dürfen, behauptet er.

          „Über den Umgang mit mir bin ich verwundert“

          „Ich war mir nach den Gesprächen sicher, dass ich eine freie Entscheidung treffen darf. Leider ist es jetzt auf einmal so, dass ich hierbleiben muss. Über den Umgang mit mir bin ich verwundert.“ Andere dagegen wundern sich darüber, wie wenig der Profi von heute sich um Vertragstreue (nicht zu verwechseln mit: Vereinstreue) schert.

          Das Dortmunder Stadion, ein höchst stimmungsvoller Arbeitsplatz, könnte in den nächsten Monaten eine Art goldener Käfig für Lewandowski werden. Wie wird er sich dort fühlen? Wird sein Tatendrang leiden, seine Leidenschaft am Ende zu Dienst nach Vorschrift verkümmern? Diese und ähnliche Fragen bewegen das Publikum, die Medien und vermutlich auch die Beteiligten.

          Das erste Ausrufezeichen ist gesetzt: Marco Reus trifft doppelt für Dortmund Bilderstrecke

          Beim Supercup-Spiel gegen seinen Wunschverein, das mancher zum „Charaktertest“ erhoben hatte, war Lewandowski von Anfang mittendrin im Geschehen. Auf den rechten Flügel ausgerückt leitete er das Führungstor ein, das Marco Reus, begünstigt von einem Fehler des Münchner Torhüters Tom Starke in der 6. Minute erzielte. Wenig später lief er der Bayern-Abwehr davon, setze selbst einen Treffer, wurde aber wegen Abseits zurückgepfiffen.

          In der 19. Minute bot sich Lewandowski die größte Dortmunder Chance nach dem 1:0, doch diesmal reagierte Starke prächtig und wehrte den Schuss des Polen ab. Wie die gesamte Mannschaft habe Lewandowski auch „in der Defensive sehr gut gearbeitet“, sagte Sportdirektor Michael Zorc in der Halbzeitpause. Auf diesem Gebiet waren ihm zuletzt Defizite bescheinigt worden.

          „Robbie haut sich rein. Er ist der, der er immer war“

          Die Liebe zwischen dem Klub und seinem schmollenden Star mag erkaltet sein, aber die Parteien scheinen darum bemüht, das Trennungsjahr ordentlich über die Runden zu bringen. „Wir sehen das entspannt und Robert auch“, sagt Trainer Jürgen Klopp. Schon aufgrund der drei schönen gemeinsamen Jahre würden die Partner die Saison „angemessen durchziehen“, ehe sie auseinandergingen.

          Mannschaftskollege Sven Bender hat jüngst im Trainingslager in der Schweiz festgestellt, dass sich am Betriebsklima nichts geändert habe. „Robbie haut sich rein. Er ist der, der er immer war.“ Lewandowski steht unter Beobachtung. Und wenn er mal eine schlechte Phase durchlebt, könnte ihm sogar Misstrauen entgegenschlagen. Da wird Klopps Kommunikationstalent abermals gefragt sein - wie im Frühjahr, als kurz vor dem Champions-League-Halbfinale bekannt wurde, dass Mario Götze Dortmund in Richtung München verlässt.

          Doch da war die Lage einfacher. Es ging nur darum, die Fans für ein paar Wochen ruhig zu stellen; diesmal ist es eine ganze Saison. Außerdem besaß Götze eine Ausstiegsklausel, die seine Wechselabsicht legitimiert hat. Bei Lewandowski dürfte nun jede Geste, die Art zu jubeln oder nicht, registriert werden. Das macht die Arbeit nicht einfach für den Polen.

          Dennoch gibt es Schlimmeres, als noch ein Jahr für Borussia Dortmund zu kicken, den einzigen deutschen Verein, dem die Fachwelt zutraut, dem Branchenführer aus München gefährlich zu werden. Nach dem 4:2 über die Bayern im Supercup wird vielleicht auch Lewandowski dieser Erkenntnis ein Stück näher gekommen sein.

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