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Quarantäne für Fans angeordnet : Der FC Bayern auf dem Weg ins Abseits

  • Aktualisiert am

Im Juni noch mit Werbung für die Corona-Warn-App auf dem Ärmel, jetzt auf dem Weg ins Risikogebiet: der FC Bayern München um Manuel Neuer Bild: EPA

Der Supercup in Budapest wird zum Politikum, doch die Uefa bleibt bei ihrem umstrittenen Plan. Nun wird eine Bitte an den FC Bayern laut – und für mitreisende Anhänger werden erste Konsequenzen bekannt.

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          Fritz Keller will kein Teil von „Fußball-Ischgl“ sein. „Ich selbst werde nicht nach Budapest reisen“, sagte der DFB-Präsident im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst und betonte: „Wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen.“ Letzteres zu tun verspricht auch die Uefa – und doch will sie sich ihr „Pilotprojekt“ zur Zuschauerrückkehr nicht nehmen lassen.

          Der Supercup im ungarischen Corona-Hotspot zwischen Bayern München und dem FC Sevilla am Donnerstag (21.00 Uhr/Sky) wird stattfinden – und zwar mit Zuschauern. Das teilte die Europäische Fußball-Union auf Anfrage mit. Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán soll auf der Tribüne der Puskás Arena sitzen, wie um aller Welt zu demonstrieren: alles halb so wild in Budapest!

          „So sicher wie kein Spiel zuvor“

          Zuvor hatte es intensive Gespräche zwischen allen Beteiligten gegeben, neben einem Geisterspiel stand auch eine komplette Absage der umstrittenen Begegnung im Raum. Doch am Ende hatten die Zweifler keine Chance gegen die Lobbyisten um den mächtigen ungarischen Verbandschef und Uefa-Vize Sándor Csányi. Der Supercup, behaupten die Befürworter um Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, werde „so sicher sein wie kein Spiel zuvor.“

          Markus Söder steht an der Spitze derjenigen Kritiker, die darüber nur den Kopf schütteln. Der bayerische Ministerpräsident hatte das Spiel mit seiner Aussage über ein mögliches „Fußball-Ischgl“ zum Politikum gemacht. Die große Sorge des CSU-Chefs: Ein Superspreading-Event an der Donau wie im Frühjahr im österreichischen Après-Ski-Mekka mit Hunderten oder Tausenden Infizierten in ganz Europa.

          Die Uefa beteuert dagegen, es würden alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen unternommen. Doch daran zweifeln inzwischen auch viele Fans, die die Freigabe von bis zu 20.000 Plätzen (30 Prozent) zunächst begrüßt hatten. Nur noch 1300 Bayern-Fans wollen nach Budapest, Tendenz fallend. 2100 hatten sich um eines der zuletzt 4500 zur Verfügung stehenden Tickets bemüht. Aus Sevilla sollen nur 500 Anhänger anreisen. „Es macht alles keinen Sinn“, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei t-online.de über das Uefa-Projekt, das Ceferin zur Chefsache erklärt hatte. Lauterbach hielte es für „eine großartige Geste“, wenn sich die Bayern-Bosse zu einer Art Reisewarnung an die eigenen Fans durchringen könnten.

          Doch bislang ist nichts zu hören von der Führungsriege um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, wenngleich die Münchner Delegation deutlich kleiner ausfallen soll als bei solchen Spielen üblich. Er scheint sich das Uefa-Diktum vom „Schritt in Richtung Normalität“ zu eigen gemacht zu haben. Diesen hatte auch Hansi Flick zunächst befürwortet. Weil die Infektionszahlen vor Ort allerdings weiter steigen, hat sich der Trainer inzwischen bei den Skeptikern eingereiht. Allein: Flick fühlt sich machtlos – und sucht auf dem Weg ins „Abseits“ Budapest die Flucht ins Sportliche. Der silberne Pokal, den die Uefa auf einer Donau-Brücke in Szene setzte, wäre „das i-Tüpfelchen“ auf der Münchner Triple-Saison, sagte Flick. Er erwarte aber „ein schwieriges Spiel“ gegen den Europa-League-Sieger.

          Quarantäne nach Supercup-Reise

          An diesem Dienstag wurde nun bekannt, dass Fans aus Bayern bei einer Reise zum Supercup-Finale nach der Rückkehr zum Corona-Test oder in Quarantäne müssen. Das Kabinett des Freistaats verschärfte seine Einreise-Quarantäneverordnung und strich eine bislang vorgesehen Ausnahmeregel. Demnach sind Sport-Anhänger bei Aufenthalten von weniger als 48 Stunden in Risikogebieten nicht mehr von der Quarantänepflicht befreit. Das gilt auch für Reisen zu Kulturveranstaltung oder aus Freizeitgründen.

          „Das trifft insbesondere das Thema Supercup“, sagte Ministerpräsident Söder. Der CSU-Chef appellierte abermals, dass Anhänger auf einen Besuch des Champions-League-Siegers FC Bayern am Donnerstag gegen Europa-League-Gewinner FC Sevilla verzichten sollten. „Jeder soll sich das nochmal ganz genau überlegen, ob das sinnvoll ist, denn Budapest ist ein Hochrisikogebiet“, sagte Söder. Für Geschäftsreisende bleibt die bisherige Ausnahmeregel bestehen.

          Die Rückkehrer aus Budapest müssten gleich einen Test machen, sagte Söder. „So wollen wir verhindern, dass es da eine mögliche Infektionsgefahr gibt.“ Erst nach ärztlichem Zeugnis, wonach keine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vorliegt, sind die Personen wieder von der häuslichen Quarantäne ausgenommen.

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