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VfB entlässt nächsten Trainer : Stuttgart im Schockzustand

Nicht länger Trainer in Stuttgart: Markus Weinzierl muss beim VfB gehen. Bild: EPA

Das Projekt Markus Weinzierl ist in Stuttgart gescheitert. Der Trainer war nach dem 0:6 in Augsburg nicht mehr zu halten. Nun soll es der U19-Coach der Schwaben richten und wenigstens den Relegationsrang retten.

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          Präsident Wolfgang Dietrich sprach einen Tag nach dem 0:6-Debakel des VfB Stuttgart von einer „Katastrophe“, Sportchef Thomas Hitzlsperger stellte nach der Trennung von Trainer Markus Weinzierl die Profis des schwer abstiegsbedrohten Klubs zur Rede. „Es war mir ein Bedürfnis ihnen zu sagen, dass das ganz, ganz schwach war gestern“, sagte Hitzlsperger am Ostersonntag mit ernster Miene nach der ersten Einheit mit Interimstrainer Nico Willig. „Die Jungs sollten mir schon mal erklären, wie es dazu kommen konnte.“

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          inen derart desolaten Auftritt wie jenen am Samstag beim FC Augsburg habe er als Präsident noch nicht gesehen, meinte derweil Dietrich weiter. „Wo wir stecken ist so beschissen, das kann ich mir schlimmer gar nicht vorstellen“, sagte der 70-Jährige bei strahlendem Sonnenschein auf dem Trainingsgelände. „Das muss man ganz klar so sehen.“

          Direkte Auswirkungen hatte die schlimme sportliche Entwicklung auf Coach Weinzierl, dem Hitzlsperger noch am Samstagabend nach der Rückkehr aus Augsburg seine Entscheidung mitgeteilt hatte. Ein „schwieriges Gespräch“ sei das gewesen, berichtete der Manager des Tabellen-Drittletzten. „Aber ich habe ihm gesagt, dass es für uns keine Alternative mehr gab.“ In den noch vier ausstehenden Spielen gibt es für die Mannschaft nun keine Ausreden mehr.

          „Wie man oft sagt: die Egos hinten anstellen. Wer das nicht kapiert, der darf hier keine Zukunft haben“, ergänzte der frühere Profi bei Sky. Drei Punkte Vorsprung haben die Schwaben weiter auf den 1. FC Nürnberg, der auf dem ersten direkten Abstiegsplatz steht. Sechs Punkte Rückstand sind es auf den FC Schalke 04 auf Rang 15. Tritt die Mannschaft aber auch am kommenden Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gegen Borussia Mönchengladbach so auf wie in Augsburg, könnte schon der Verbleib auf dem Relegationsplatz als Sensation gewertet werden. Das größte Glück des VfB ist allein, dass Nürnberg und Hannover 96 diese Saison noch schlechter sind.

          Die Hoffnungen für den Saisonendspurt ruhen nun auf Interimscoach Willig. Der bisherige U19-Trainer wird die Profis bis zum Saisonende betreuen. „Es gibt die klare Absprache mit Nico Willig, es wird bis zum Ende der Saison laufen und nicht darüber hinaus. Das ist ein klares Commitment von beiden Seiten“, sagte Hitzlsperger. „Er kennt den Verein, er kennt die Leute, er braucht keine Eingewöhnungszeit.“ Schon am Sonntag nahm sich Willig nach seiner ersten Einheit Zeit, um ein langes Einzelgespräch mit Offensivspieler Steven Zuber zu führen.

          Dem 38-Jährigen Coach bleibt nun eine knappe Woche, um Mario Gomez und Co. für die Partie gegen Gladbach wieder aufzurichten. Wer in der kommenden Saison den VfB trainieren soll, bleibt dagegen weiter offen und dürfte auch von der noch unklaren Ligazugehörigkeit abhängen. Fest steht bisher nur, dass Hitzlsperger ab Mai den ehemaligen BVB-Chefscout Sven Mislintat als Sportdirektor an seiner Seite hat. Mit Hitzlsperger und Mislintat sei man im sportlichen Bereich dann zwar „sehr gut aufgestellt“, sagte Dietrich. „Aber bis die neue Saison losgeht, müssen wir erstmal schauen, dass wir den Worst Case verhindern.“

          Der nächste Abstieg nach 2016 ist für die Schwaben ein Horrorszenario. Vier Spiele bleiben dem unerfahrenen Willig, der 2016 gemeinsam mit unter anderen Julian Nagelsmann seine Fußballlehrer-Lizenz erworben hatte, um das zu vermeiden.

          Wenn ihm das gelingt, soll vieles besser werden beim VfB. Drei verschiedene Profi-Trainer in einer Saison will Hitzlsperger künftig jedenfalls nicht mehr in seinem Verein erleben. „Kontinuität ist mir sehr, sehr wichtig. Ich sehe in Kontinuität die höhere Wahrscheinlichkeit für Erfolg“, sagte er. „Aber wenn Kontinuität den Erfolg gefährdet, muss man über Alternativen nachdenken.“

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