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Heimspiel gegen Bayern : Warum die Stimmung in Hannover so schlecht ist

  • -Aktualisiert am

Stadion ohne Stimmung: Der Protest in Hannover wird lauter Bild: Imago

Die Fans wenden sich aus Ärger über den Präsidenten ab, dazu kommt die sportliche Krise. Die Stimmung ist schlecht in Hannover – und an diesem Samstag (15.30 Uhr) kommen auch noch die Bayern.

          Klar, über die Spur der Verwüstung, die die Bayern bisweilen hinterlassen, möchte Martin Kind nicht so gern reden. „Ich will mal ganz anders antworten“, beginnt er. Und spricht dann über seine Bewunderung für den Branchenführer und nicht über die Bedrohung, die von ihm ausgeht. Kind schwärmt von den Münchnern, von der „Strahlkraft und Wirkung dieser Marke“. Eine Neiddebatte, so viel ist sicher, brauchte man mit ihm gar nicht erst zu beginnen. Der Präsident von Hannover 96 ist Unternehmer, und als solcher glaubt der Siebzigjährige fest an den Markt. Was die Bayern erreicht haben, haben sie sich verdient. Punkt.

          Ganz schön wäre es natürlich, wenn man bei so einer Gelegenheit auch vorzeigen könnte, was man selbst so hat. Wenn man dem vornehmen Besuch eine gute Stube oder, im besten Fall, auch noch eine aufgeräumte Mannschaft präsentieren könnte. Doch von beidem ist Hannover 96 derzeit beunruhigend weit entfernt.

          Atmosphärische Störungen im Verein

          Sportlich haben die „Roten“ seit der Winterpause nicht mehr viel hinbekommen, drei Niederlagen und drei Unentschieden haben das Team in die Nähe der Abstiegszone sinken lassen. Nach dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart schlugen die lokalen Medien eine schärfere Tonart gegenüber Trainer Tayfun Korkut an. Kind schätzt Korkut, daran gibt es keinen Zweifel. Aber weil er sagt, was er denkt, und weil am Ende, wie in der Wirtschaft, nur das Ergebnis zählt, hat er den Druck erhöht. Eine Niederlage gegen die Bayern an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesliga-Liveticker bei FAZ.NET), sofern es keine beschämende ist, würde Korkut zwar noch nicht den Job kosten.

          Aber die Gegner danach heißen Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Drei Punkte, sagt Kind, sollten es aus diesen drei Spielen schon werden. Und wenn der Negativtrend anhält? „Es gibt zum Schluss immer eine Aufgabe“, sagt der Klubchef, „das ist Hannover 96.“ Die sportliche Krise ist aber längst nicht das einzige Problem. Seit Monaten leidet der Klub unter schweren atmosphärischen Störungen. Man könnte auch sagen: Die Stimmung ist schlecht in Hannover. Und zwar so schlecht wie nirgendwo sonst in der Liga.

          Hannover-Präsident Kind hat Angst vor einer Beschädigung seiner „Marke“

          Am vergangenen Samstag gegen den VfB Stuttgart war die Tristesse wieder zu erleben: ein Fußball-Stadion ohne Leidenschaft. Ohne den Support eines harten Kerns von Fans und ohne diese besondere Dynamik, die Wechselwirkung mit dem Geschehen auf dem Platz, die daraus entstehen kann. Dazu immer wieder wütende Rufe: „Kind muss weg!“ Es ist nicht die große Masse, die das anstimmt. Aber es werden mehr.

          Und weil die Rufe von einem anderen, dem Kind-freundlichen Teil des Publikums mit Pfiffen quittiert werden, geht von den Rängen eine negative Energie aus. Die Spieler wirken verunsichert und beklagen sich mehr und mehr darüber. In dieser Woche richtete die Vereinsführung einen offenen Brief an die Fans, der zu Geschlossenheit appelliert. Er beginnt mit den Worten: „Wir haben verstanden.“ Genau das allerdings können sich viele nicht vorstellen.

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