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Martin Bader : Hannover hat auch ein Manager-Problem

  • -Aktualisiert am

Aushilfe: Als Interimstrainer setzt Daniel Stendel auf „Fußball mit Herz“. Bild: dpa

Interimstrainer Daniel Stendel soll dafür sorgen, dass sie Spielzeit von Hannover 96 ordentlich zu Ende geht. Nun steht auch der Manager Bader in der Kritik, ob diese Folgen haben wird, bleibt weiterhin offen.

          Eine Frage war schon seit Sonntag beantwortet. Die zweite, wichtigere, blieb am Montag zunächst ohne Replik. Trennt sich Hannover 96 demnächst auch von Martin Bader? Unglücklicher, als es der Sportchef des Bald-Absteigers getan hat, haben bislang nur wenige Manager in der Fußball-Bundesliga agiert. Vom Wunschkandidaten zum Mitschuldigen des wahrscheinlichen Abstiegs in nur sieben Monaten – der 48 Jahre alte Geschäftsführer von Hannover 96 konnte keine Argumente für sich und seine Arbeit in Niedersachsen sammeln.

          Das ist Klubpräsident Martin Kind natürlich nicht entgangen. Kind hatte am Sonntag gesagt: „Wir hatten alle Chancen im Winter, haben sechs Spieler verpflichtet und viel Geld in die Hand genommen. Wir hatten sechs Punkte Rückstand, jetzt sind es zehn.“ Das klang wie eine Abrechnung mit Bader und dem inzwischen entlassenen Trainer Thomas Schaaf, und es war wohl auch so gemeint.

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          Doch ob die Kritik an Bader Folgen haben wird, blieb am Montag offen. Als zur Mittagsstunde in Daniel Stendel der Nachfolger Schaafs für die verbleibenden sechs Spiele in der Bundesliga vorgestellt wurde, sah sich auch Bader mit den Sätzen Kinds vom Vorabend konfrontiert. Bader sagte, er selbst habe keine kritischen Worte von Kind gehört, im Gespräch mit ihm sei es nur um die Entlassung Schaafs und den neuen Mann auf der Bank gegangen. „Ich werte das, was mir direkt gesagt wird“, meinte Bader in Bezug auf seine möglicherweise bevorstehende Entlassung.

          Er verwies zur eigenen Verteidigung auf die „vorgefundene Situation“ im September, als er Dirk Dufner nachfolgte und eine Mannschaft antraf, die schon da dringend Verstärkungen und eine klare Trainerhandschrift benötigt hätte. Beides blieb aus, zunächst unter Michael Frontzeck, dann auch unter Schaaf – nach zehn Niederlagen in elf Spielen hatten Kind und Bader ihn am Sonntagabend entlassen.

          Der 42 Jahre alte Nachwuchstrainer Daniel Stendel soll nun dafür sorgen, dass die Spielzeit ordentlich zu Ende gebracht wird. Doch sollten weitere Partien folgen, in denen die Hannoveraner so einbrechen wie beim 0:3 gegen den Hamburger SV am Samstag, wird auch Baders Stuhl immer wackliger. Andererseits braucht Kind einen Mann mit Expertise, der den Neuaufbau in der zweiten Liga plant und vorantreibt. Ohne Bader gäbe es erst Recht ein Führungsvakuum an der Spitze des niedersächsischen Traditionsvereins in diesen Wochen und Monaten, in denen entscheidende Transferentscheidungen getroffen werden müssen. Fraglich, ob sich Kind traut, neben der Trainersuche für die kommenden Serie auch gleich noch nach einem neuen Sportchef zu fahnden.

          Daniel Stendel begann seine erste Trainingswoche als Chefcoach mit einer klaren Ansage: „Ich will eine Mannschaft auf den Platz bringen, die mit Leidenschaft und Herz spielt. Ich will die Jungs dazu bringen, dass sie alles aus sich herausholen.“ Sollte sein Team diese Minimalanforderung bei der Hertha am Freitag erfüllen, wäre schon viel gewonnen. Stendel spielte von 1999 bis 2006 bei den „Roten“ und schoss in 184 Spielen 43 Tore. Selbst nicht mit größtem Talent gesegnet, war er wegen seines Einsatzes beliebt.

          Manch ein Fan wird es schade finden, dass so ein loyaler Typ nicht die Chance erhält, mehr als eine ziemliche traurige Zwischenlösung zu sein, denn Daniel Stendel wird als derjenige in Erinnerung bleiben, der Hannover in die zweite Liga brachte. Von der neuen Saison an wird er dann wieder für das Nachwuchsleistungszentrum des Vereins arbeiten. Mit den A-Junioren erreichte Stendel gerade gegen Borussia Dortmund das Pokalfinale. Gespielt wird am 21. Mai gegen Hertha BSC. Derweil geht die Suche nach dem neuen Chef weiter. Bekannte Namen sind im Gespräch; Holger Stanislawski etwa und der alte Bekannte Mirko Slomka. Noch können die Kandidaten davon ausgehen, dass ihr neuer Vorgesetzter bei Hannover 96 Martin Bader heißt.

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