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1:1 zwischen Hertha und Werder : Und die Siegerin heißt Bibiana Steinhaus

Alles im Griff: Bibiana Steinhaus leitet ihre Premiere souverän Bild: AP

Hertha und Werder spielen unentschieden. Bedeutsamer für die Bundesligageschichte ist die gute Leistung von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus bei ihrer Premiere in der Erstklassigkeit.

          3 Min.

          Am Sonntag haben im Berliner Olympiastadion zwei Begegnungen stattgefunden. Die Begegnung zwischen Hertha BSC Berlin und Werder Bremen, das 69. Duell zwischen den beiden Klubs in der mehr als fünfzigjährigen Geschichte der Bundesliga. Und dann gab es noch die Begegnung zwischen Bibiana Steinhaus und der Fußball-Bundesliga, die erste zwischen einer Schiedsrichterin und den Männern in der ersten Klasse des deutschen Fußballs. Die Aufmerksamkeit der Medien galt vor allem der Premiere. Bibiana Steinhaus wurde von Kameras auf jeden Schritt und Pfiff begleitet und beobachtet, und als sie die Partie nach 90 Minuten und zwei Minuten Nachspielzeit beendete, stand fest: Es war tatsächlich ein ganz normales Bundesligaspiel gewesen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Frau Steinhaus hatte ihre Sache wie erwartet gut gemacht. Wenn es keine Frau wäre, hätte man nach so einem Spiel gesagt: unauffällig. Nach den Kriterien des Profifußballs war sie damit aber die Gewinnerin des Tages, denn die Partie endete nach Toren von Leckie (28. Minute) und Delaney (59.) 1:1. Es war ein gerechtes Ergebnis, das beide Teams aber nicht voran brachte. Hertha steht mit vier Punkten nach drei Spieltagen im Mittelfeld, die Bremer kommen mit ihrem ersten Punkt und ihrem ersten Tor über Rang sechzehn nicht hinaus.

          „Für uns ist es entscheidend, nach 90 Minuten nicht im Fokus zu stehen. Das ist uns geglückt, damit sind wir sehr zufrieden", sagte die 38-Jährige. Auch die beiden Trainer waren mit der Leitung zufrieden. „Großer Respekt, sie hat viel laufen lassen, obwohl es war ein körperbetontes Spiel war. Ich war sehr zufrieden", sagte Hertha-Coach Pal Dardai. Werders Alexander Nouri sagte: „Ich habe schon im
           Vorfeld gesagt, dass das Geschlecht egal ist. Bibiana Steinhaus hat das ordentlich gemacht."

          Die Hertha hatte für den Premierentag einer Schiedsrichterin in der Bundesliga allen Frauen einen Rabatt von fünfzig Prozent für den Besuch gewährt. Und der Bremer Trainer Nouri wurde vor der Premiere schnell noch einen Herrenwitz los wurde. Es sei doch super, dass sie pfeift, so Nouri, denn von zu Hause sei man es ja gewohnt, nach der Pfeife einer Frau zu tanzen. Fußball und Frauen im Jahr 2017, da geht in der Bundesliga eben immer noch was.

          Berliner Führung

          Auf dem Platz war dagegen schnell klar, dass man die Besonderheiten dieses Spiels mit der Lupe würde suchen müssen. Zwei derart haarsträubende Fehler, wie sich die Hertha in den ersten fünf Minuten leistete, hätte man einer Schiedsrichterin (und einem Schiedsrichter) zum Start aber wohl kaum so kommentarlos durchgehen lassen. Ein völlig missglückter Rückpass von Stark aus vierzig Metern war zum Eckball im Aus gelandet. Und bei einem Befreiungsschlag im eigenen Strafraum trat kurz darauf Kapitän Ibisevic so ungeschickt gegen den Ball, dass daraus die nächste Bremer Ecke wurde. Attraktiver Fußball wurde zunächst nicht geboten.

          Berliner Jubel: Hertha geht in Führung Bilderstrecke

          In der 19. Minuten pfiff Frau Steinhaus dann einen Bremer Vorteil im Mittelfeld zu früh ab, kurz darauf noch einmal. Die Proteste hielten sich jeweils in Grenzen. Denn große Chancen wären daraus wohl kaum entstanden, dafür standen die Berliner genauso wie Werder in der ersten Halbzeit selbst nach Ballverlusten zu kompakt. Nach den beiden Fehlern fand Frau Steinhaus ins Spiel und leitetet sicher. Werder wirkte in einer tempoarmen und wenig aufregenden Partie nach zwei Auftakt-Niederlagen spritziger. Viel gefährlicher vor dem Tor machte das die Bremer aber nicht. Im Gegenteil: Die Hertha nutzte in der 38. Minute durch Leckie eiskalt die erste Chance nach einer Bremer Unachtsamkeit zum 1:0. Frau Steinhaus hatte dabei nach einem Foul am Berliner Darida an der Strafraumgrenze auf Vorteil entschieden, woraus der Australier dann prompt die Führung der Berliner machte. Es war sein drittes Tor im dritten Spiel.

          Wie aus dem Nichts fiel auch der Ausgleich der Bremer. Nach einer bis dahin ereignislosen zweiten Halbzeit gelang Delany in der 59. Minute das 1:1. Nach einer Flanke schienen die Berliner die Situation durch Stark schon geklärt zu haben, doch der Ball landete nach beim Dänen, der zum verdienten Ausgleich traf. Bremen war insgesamt das aktivere, schnellere und kombinationsfreudigere Team. Nach dem 1:1 war Werder auch die gefährlichere Mannschaft, versäumte es aber, ihre Kontermöglichkeiten präzise und konsequent auszuspielen.

          Spätestens nach einer Stunde war es dann ein Bundesligaspiel, in dem auch eine Schiedsrichterin nicht weiter auffiel. Die Partie gewann an Tempo. Bremen drängte auf die Führung, die Hertha hielt stark dagegen. In der Schlussphase kam es noch zu zwei kniffligen Szenen im Bremer Strafraum, bei denen die Hertha Elfmeter forderte. Aber Frau Steinhaus lag mit ihren Entscheidungen jeweils genau richtig. Der Schiedsrichter-Chef des DFB, Fröhlich, der das Spiel auf der Tribüne beobachtet hatte, stellte nach dem Abpfiff routiniert fest: „Nach anfänglicher Nervosität, was normal ist, hat sie das Spiel gut geleitet. In allen schwierigen Situationen lag sie richtig.“

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