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Hygienekonzepte beim Fußball : Fan-Rückkehr schneller als gedacht?

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Nicht nur Pappkameraden: Die Fans sollen wieder leibhaftig und zahlreich ins Stadion kommen, sofern das Hygienekonzept stimmt. Bild: dpa

Die Debatte um Zuschauer in den Stadien begleitet die Klubs vor dem Bundesliga-Start. Von Geisterspielen ist längst keine Rede mehr. Doch wie gut funktionieren die Hygienekonzepte angesichts der Eindrücke aus Rostock und Dresden?

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          Der Eindruck der glückseligen Fans im DFB-Pokal wirkte noch nach, als selbst CSU-Chef Markus Söder einlenkte. Nach wochenlanger Abwehrhaltung sieht der einflussreiche bayerische Ministerpräsident inzwischen „eine Chance“ für eine schnelle Rückkehr der Zuschauer in die Fußball-Stadien. Schon an diesem Dienstag (16.00 Uhr) beraten nach dpa-Informationen die Chefs der Staatskanzleien der Länder über eine bundeseinheitliche Lösung, die früher kommen soll als Ende Oktober.

          Man wolle in dieser Woche versuchen, einen Kompromiss zu finden für einen Probebetrieb mit Zuschauern, verkündete Söder am Montag nach einer Kabinettssitzung in München. Dies könne möglicherweise schon zum Start der Bundesliga an diesem Wochenende mit der Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und Schalke 04 am Freitag (20.30 Uhr, im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga, in ZDF und Dazn) erfolgen.

          Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) bezeichnete dies am Montag nach Gesprächen mit den Bundesländern als mögliches Szenario. „Die Annäherung ist schon sehr weit fortgeschritten“, sagte Braun auf einer Klausur der CSU-Fraktion im Landtag in München. Dies hänge aber von den entscheidenden Gesprächen der Länder an diesem Dienstag ab.

          Braun erklärte, absolute Verbote seien immer schwierig. Wenn jemand vorweisen könne, dass er ein ausgefeiltes Hygienekonzept habe, dann sei es meistens schwer, ein absolutes Verbot durchzusetzen. Braun betonte allerdings: „Es geht aber nicht nur darum, dass man im Stadion sitzt, mit sauberem Abstand, sondern es gibt den Weg zum Fußball, es gibt den Weg vom Fußball zurück.“

          Mehrere Tausend Fans erwartet

          Zum Saison-Auftakt im Oberhaus werden in vier von neun Stadien mehrere Tausend Fans erwartet. Tendenz steigend. Die Behörden in Leipzig (8500 Besucher), Frankfurt (6500), Berlin (5000) und Bremen (8500) segneten die Hygienekonzepte der jeweiligen Klubs teils mit Sonderlob ab. „Die Fans haben gefehlt“, sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald und sprach von einem „wichtigen Signal.“

          In Nordrhein-Westfalen könnte noch in dieser Woche eine neue Corona-Schutzverordnung für mehr als nur ein paar Hundert Zuschauer erlassen werden. Bisher gilt eine Obergrenze von 300 Zuschauern. Laut Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl Josef Laumann (CDU) soll in der Regionalliga künftig „ein Drittel der Sitzplätze wieder mit Zuschauern“ möglich sein.

          Die Öffnung der Stadien dürfe nicht die Öffnung von Schulen und Kitas gefährden, sagte Söder der „Bild“-Zeitung in einem Live-Interview am Sonntagabend. Er bleibe zurückhaltend, der Probebetrieb sei aber möglich. „Wie viele Zuschauer das pro Stadion sind, das muss man noch verhandeln“, sagte der Ministerpräsident.

          Konkrete Ergebnisse gefordert

          Nach dpa-Informationen halten es mehrere Bundesländer für nötig, bereits bis Mitte September zu Ergebnissen bezüglich Obergrenzen und Kapazitäten zu kommen. Schleswig-Holsteins Regierung will den Vereinen bereits vor Saisonstart Klarheit über die Zuschauersituation verschaffen. ZDF und „Handelsblatt“ hatten berichtet, dass in der eingesetzten Arbeitsgruppe über eine Auslastungsgrenze von bis zu 40 Prozent der Stadionkapazität gesprochen werden soll. Auch fixe Obergrenzen würden diskutiert.

          Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag lediglich: „Der Auftrag der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin an die Arbeitsgruppe, der gilt weiterhin.“ Auf die Terminfrage ging er nicht ein. Ein entsprechender Beschluss könnte auch Grundlage sein für andere Sportarten, die noch viel mehr unter der Corona-Pandemie zu leiden haben als der Fußball.

          „Die Rahmenbedingungen sollten dabei grundsätzlich überall gleich sein“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius der „HAZ“ (Montag). Eine prozentuale Regelung sei dabei „vernünftig“. Es gehe darum, „den Vereinen eine Perspektive zu geben – etwas, woran sie arbeiten können, um wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen“.

          Die Corona-Pandemie „hat sich wie ein dämpfender Schleier über alles gelegt“, sagte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, im „Kicker“-Interview (Montag). „Gleich, ob es um den eigenen Urlaub geht, den Zustand der deutschen Industrie, der Politik, der medizinischen Versorgung und vieles mehr. Mein Eindruck ist, dass Corona uns an vielen Stellen die Leichtigkeit genommen hat (...). Und da Fußball ein Thema von leichter und angenehmer Nebenbeschäftigung für viele Menschen ist, kann es durchaus sein, dass diese Pandemie für den einen oder anderen ein wenig die Vorfreude trübt.“

          Generalprobe mit Mängeln

          Die ersten Spiele im DFB-Pokal verliefen als Generalprobe für die Rückkehr der Fans weitestgehend erfolgreich. Während das Spiel zwischen der Eintracht und 1860 München noch ohne Zuschauer stattfand, jubelten in Rostock, Chemnitz und Magdeburg am Sonntag etliche Anhänger auf den Tribünen – auch wenn sich sportlich jeweils die Gäste durchsetzten. Zu den Erkenntnissen gehörte aber auch, dass die Einhaltung der Corona-Regeln hohe Disziplin aller Beteiligten erfordert.

          Die Verhaltensregeln wurden in Rostock von den 7500 Zuschauern nicht immer konsequent durchgesetzt, was für Ärger und Unverständnis sorgte. Obwohl nur ein Drittel der Plätze im Ostseestadion freigegeben wurden, konnte man auf Video- und Bildaufnahmen fehlenden Abstand unter den Zuschauern auf der Südtribüne erkennen. Zudem waren zahlreiche Fans ohne Mund -und Nasenschutz zu sehen.  Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Zuschauersituation während der Partie: „Die Fotos vom DFB-Pokalspiel in Rostock von Fans Schulter an Schulter und ohne Abstand und ohne Maske lösen in mir ein ziemliches Unbehagen aus.“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) lobte über Twitter hingegen die Atmosphäre der Spiels, wofür sich die Politikerin jedoch im Anschluss mehrfach rechtfertigen musste. 

          Als Folge der Verstöße sollen Fans auf der Südtribüne künftig einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Diese Entscheidung sei nach Gesprächen mit der Stadt und dem Gesundheitsamt am Dienstag gefallen, sagte Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

          10.000 Fans in Dresden

          Zuvor hatte Rostocks Sozial- und Gesundheitssenator Steffen Bockhahn (Linke) angekündigt, dass als Konsequenz aus den Verstößen auf der Fantribüne am Samstag künftig weniger Tickets verkauft würden. Dies sei eine Option gewesen, die diskutiert worden sei, erklärte Marien. Letztlich habe man sich dann aber für die Maskenpflicht im Sektor Süd mit rund 2000 Plätzen entschieden.

          Die Montags-Partie zwischen Dresden und Hamburg erreichte mit mehr als 10.000 Fans sogar einen Zuschauerrekord. Im gesamten Stadionbereich galten Hygiene- und Abstandregeln, sowie das verpflichtende Tragen einer Mund-Nase-Maske. Dennoch kam es auch hier vereinzelt zu Verstößen – darunter auch von Seiten des Hamburger Innenverteidigers Toni Leistner. Der Spieler griff nach einer mutmaßlichen Beleidigung einen Dresden-Fan an. Die Auseinandersetzung sorgte kurzzeitig für tumultartige Szenen im Fanblock.

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