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Start der Bundesliga-Saison : Der Star ist der Trainer

Trainer-Rotation: Marco Rose (rechts) ist jetzt in Dortmund, Adi Hütter übernahm seinen Platz in Gladbach. Bild: dpa

Unter den Trainern gab es eine Rotation, wie sie die Bundesliga noch nie erlebte. Was daraus im Einzelfall entsteht, ist der große Spannungstreiber für die neue Spielzeit, vor allem an der Spitze.

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          Als Manager eines Bundesliga-Mittelklasseklubs kann man sich das schon einmal fragen: Ob das noch derselbe Sport ist? Selbst Julian Nagelsmann fragt sich ja gerade, was das eigentlich bedeutet, wenn Klubs wie Paris Saint-Germain oder die Big Spender aus England die Millionen nur so sprudeln lassen, als gäbe es kein Morgen – und auch keine Pandemie, von der es mal hieß, sie könnte das Ende einiger Exzesse bedeuten.

          Bundesliga

          Pustekuchen, die Pandemie ist, global betrachtet, kein Gleichmacher, auch wenn alle von ihr betroffen sind, sie trägt eher dazu bei, dass Ungleichheiten noch größer werden. Und so macht man sich selbst beim deutschen Branchenführer Sorgen, dass die Abstände zur internationalen Spitze in ähnlichem Maße wachsen wie die Schlangen vor den PSG-Shops, wo die Fans es kaum erwarten können, 165 Euro für das Trikot von Lionel Messi auszugeben.

          Der größte Luxus, den sich die Bundesliga leistet, ist ihr vergleichsweise konservatives Geschäfts- und Wettbewerbsmodell. Das hat vor dieser 59. Saison mehr denn je dazu geführt, dass man große Namen vergeblich unter den Zugängen sucht, nicht einmal der FC Bayern hat standesgemäß in Stars investiert, wenngleich natürlich 42,5 Millionen für Dayot Upamecano eine stolze Summe sind.

          Die wahre Königsaufgabe

          Aber nicht nur die Budgets sind schmaler geworden, auch die Ausgaben wurden, so scheint es, diesmal anders priorisiert: Der Star ist der Trainer. Zumindest dürfte das der Wunsch der vielen Klubs sein, die eine Rotation auf den Bänken in Gang gesetzt haben, wie die Liga sie noch nicht erlebt hat. Diejenige Führungskraft zu finden, die das Maximum aus den jeweiligen Möglichkeiten herausholt, ist die wahre Königsaufgabe, und es tut der Liga als Ganzes gut, dass sie zunehmend auch als solche begriffen wird.

          Was daraus im Einzelfall entsteht, ist der große Spannungstreiber für die neue Spielzeit, vor allem an der Spitze. Nagelsmann ist zwar der begabteste unter den aufstrebenden deutschen Trainern, der Schritt zu den Bayern eine fast logische Folge seiner bisherigen Karriere. Aber auch er muss eine Mannschaft von diesem Kaliber erst für sich einnehmen, sie fordern, aber nicht überfordern, das Gespür für die richtige Ansprache finden – all das, wofür sein Vorgänger Hansi Flick eine natürliche Gabe besitzt, die ihm den Weg zu sieben Titeln ebnete.

          Vorteil Dortmund und Leipzig? Nicht unbedingt. Bei der Borussia hat das Bild des Wunschtrainers Marco Rose ein paar Kratzer bekommen, bevor er überhaupt anfing, und bei RB muss Jesse Marsch nicht nur ein guter Fußball-Lehrer sein, sondern auch im Klub eine besondere Autorität verkörpern, damit die Spieler an Titelziele glauben und in Sachsen nicht zuerst ihr persönliches Sprungbrett sehen. Wobei: Passen würde das zu einer Liga, die immer mehr zur Ausbildungsliga wird – selbst wenn es am Ende doch mal wieder spannend wird.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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