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Stadionbesuch in Frankfurt : „Bringen Sie Geduld mit“

  • -Aktualisiert am

Leere Ränge: Wie will die Eintracht Zuschauer sicher in das Stadion bringen? Bild: EPA

Frankfurts Organisationschef Philipp Reschke erklärt im F.A.Z.-Interview, was für die Eintracht-Fans in Zeiten der Pandemie beim Stadionbesuch erlaubt ist und was sie erdulden müssen.

          3 Min.

          Am Mittwoch genehmigte die Konferenz der Innenminister eine Zuschauerauslastung in Stadien von bis zu 20 Prozent. Wieso bleibt die Eintracht für das erste Bundesliga-Heimspiel gegen Bielefeld (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) bei den geplanten 6500 Zuschauern und steigert nicht auf 11.000 Besucher?

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Vereinbarung der Staatskanzleien hat auf die Genehmigungslage zum Bielefeld-Spiel noch keine Auswirkung, dafür kam die Entscheidung auch zu kurzfristig. Das ist für den Anfang – von null kommend – auch eine solide Zahl.

          Bundesliga

          Ist es angedacht, die Auslastung zum zweiten Heimspiel gegen Hoffenheim am 2. Oktober zu erhöhen?

          Die Genehmigung des Gesundheitsamts umfasst eigentlich die ersten beiden Spiele. Ob sich das noch mal verändert, hängt – neben der Entwicklung des Infektionsgeschehens in der Rhein-Main-Region – vor allem von den Erfahrungswerten aus dem Bielefeld-Spiel ab. Wir werden das Anfang kommender Woche mit der Behörde analysieren und dann sehen, ob wir schon gegen Hoffenheim näher an die 20 Prozent rücken.

          Wie viele Kartenanträge erhielt die Eintracht für das Spiel gegen Bielefeld, wird die erlaubte Auslastung mit 6500 Zuschauern erreicht werden?

          Zirka ein Drittel der Dauerkartenbesitzer hat den Antrag gestellt, etwa 10.000.

          Das klingt nach einem mäßigen Interesse bei 31.000 Dauerkarteninhabern?

          Finde ich nicht. Wir haben in etwa mit dieser Anzahl gerechnet. Sie müssen bedenken, dass es für die Kartenbestellung nur einen extrem kurzen Vorlauf und für die Bestellung nur ein schmales Zeitfenster gab.

          Wie verläuft die Abrechnung?

          Wir buchen jedem Zuschauer ein Siebzehntel des Dauerkartenpreises ab, unabhängig ob er in seiner oder einer höheren Kategorie sitzt. In einer niedrigeren Kategorie wir niemand plaziert. Stehplätze gibt es nicht. Der sitzende Stehplatzdauerkarteninhaber zahlt ein Siebzehntel der Stehplatzkarte.

          Sie beschäftigen sich seit Monaten mit der Materie, haben aber auch eigene Fan-Erfahrung: Welche Tipps haben Sie für die Stadionbesucher?

          Das Allerwichtigste ist eher eine Bitte als ein Tipp: Bringen Sie Geduld mit, nicht nur zeitlich, sondern der ganzen Situation gegenüber. Vieles ist gewöhnungsbedürftig: dass der ausgefüllte und unterschriebene Gesundheitsfragebogen abgegeben werden muss, dass im Umkreis von drei Quadratmetern niemand um einen sitzt, dass nur am Sitzplatz der Mund-und-Nasen-Schutz abgenommen werden darf und deshalb auch nur dort geraucht, gegessen und getrunken werden kann, dass die Einlasszeiten und die Eingänge festgelegt werden, dass S-Bahn-Fahrer auf dem Nachhauseweg stadteinwärts nur über Bahnhof Stadion und stadtauswärts nur über den S-Bahnhof Niederrad fahren können. Das Fußball-Erlebnis am Samstag wird nicht das sein, was wir kannten. Aber es ist ein unerlässlicher Zwischenschritt auf dem Weg zurück zu dem, was wir uns wieder wünschen. Deshalb ist es enorm wichtig, alle Informationen zum Spiel genau durchzulesen und die Vorabkommunikation über die Medien und am Spieltag im Stadion zu verfolgen.

          Mit dem Blick aufs Ganze: Philipp Reschke leitet den Bereich Spieltagsorganisation. Links Vorstand Fredi Bobic.
          Mit dem Blick aufs Ganze: Philipp Reschke leitet den Bereich Spieltagsorganisation. Links Vorstand Fredi Bobic. : Bild: Jan Huebner/Pool

          Ist das „normale“ Fanverhalten eingeschränkt?

          Wenn man mal davon absieht, dass ausgerechnet beim Fußball 1,50 Meter zueinander eingehalten werden müssen und man sich nicht in den Armen liegen darf – nein. Im Ernst: Singen, Rufen, Schreien, Fahnenschwenken (bis zu einer Stocklänge von zwei Metern) ist erlaubt. Aktionen, die gerade typisch für die aktive Fanszene sind wie Choreos, Blockfahnen oder andere gewohnte Fanutensilien sind erst mal nicht möglich, weil die ganzen Auf- und Abbau-Aktivitäten schwer mit Kontaktminimierung und anderen Grundsätzen der Infektionsrisiko-Minimierung zu vereinbaren sind.

          Wo erwarten Sie die größten Probleme am Samstag?

          Neuralgische Punkte sind der öffentliche Personennahverkehr, der Einlass und die Abreise – wahrscheinlich noch nicht bei einem Zuschaueraufkommen von 6500, aber bei 10.000 und mehr wird es spätestens relevant. 6500 Zuschauer, die über einen Zeitraum von anderthalb bis zwei Stunden durch 92 Drehkreuze gehen, das sollte für eine entspannte Einlass-Situation sorgen, ohne Staus und ohne Schwierigkeiten, die Abstandsregel einzuhalten. Zu beachten: Taschen und Beutel dürfen nur DIN-A4-Größe haben, und die Gesundheitsfragebögen müssen abgegeben werden, sonst gibt es keinen Einlass. Wer den Fragebogen vergessen hat, kann das vor Ort nachholen – wir haben auch Blankobögen. Spannender wird die Abreise, wenn mehr oder weniger zeitgleich 6500 Menschen das Stadion verlassen. Um die Lage zu entzerren, werden wir über den neuen Videowürfel die Spieltagshighlights zeigen, so dass einige hoffentlich etwas länger auf ihren Sitzen bleiben. Außerdem werden wir versuchen, über Lautsprecher Menschenströme zu leiten.

          Welche Resonanz der Fans haben Sie bisher auf die Einschränkungen durch das Gesundheitskonzept erfahren?

          Abwartend positiv. Das Verständnis, dass diese Phase notwendig ist, um zum Gewohnten zurückzukehren, ist im Prinzip bei allen vorhanden. Aber viele sind sich nicht sicher, ob sie Fußball auf diese Art erleben möchten oder genießen können. Und eine gewisse Skepsis ob der gesundheitlichen Situation wird es sicher auch geben.

          Wann ist für Sie das Eintracht-Konzept erfolgreich, und wie wird der Erfolg gemessen?

          Das Infektions-Monitoring erfolgt über das Gesundheitsamt. Wenn ein Neuinfizierter angibt, er sei in den letzten Tagen im Stadion gewesen und habe womöglich dort weitere Personen angesteckt, wird das durch das Gesundheitsamt bearbeitet. An dem Punkt beispielsweise wird sich zeigen, wie gut die Infektionsketten-Nachverfolgung gelingt. Unser Ziel ist es, dass durch einen Stadionbesuch die Infektionsgefahr nicht höher wird, als sie im normalen öffentlichen Raum ist. Einen Risiko-Ausschluss erwartet niemand, wobei ich davon ausgehe, dass das Risiko aufgrund der ganzen Maßnahmen und Konzepte tatsächlich sogar geringer sein dürfte als in vielen anderen Lebensbereichen.

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