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St. Pauli - HSV 1:1 : Ringelkiez mit Anfassen

  • -Aktualisiert am

Verbissen: Lange prägten Zweikämpfe wie der zwischen Oczipka und Petroipa das Hamburger Derby Bild: REUTERS

Typisch Derby: Lange tut sich auf den Rängen mehr als auf dem Rasen, doch in der letzten Viertelstunde geht es zur Sache. St. Pauli sieht wie der verdiente Sieger aus, doch Petric rettet dem schwachen HSV kurz vor Schluss einen Punkt.

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          Lange sah es nach einem torlosen Remis im Hamburger Derby der Fußball-Bundesliga aus, ehe dann doch beide Mannschaften je ein Tor machten. Am Ende trennten sich der FC St. Pauli und der Hamburger SV am Sonntagnachmittag nach den Toren von Boll (77. Minute) und Petric (88.) 1:1. Ein gerechtes Resultat in einem lange spielerisch schwachen Duell. „Es war lange Ringelpietz mit Anfassen“, kommentierte HSV-Torwart Frank Rost das 75 Minuten lange fade Spiel.

          Der HSV hatte am Sonntagnachmittag im mit knapp 24.000 Zuschauern ausverkauften Stadion am Millerntor zu lange zu zurückhaltend agiert und musste sich damit seine erste Saisonniederlage selbst zuschreiben. Der HSV bleibt damit bei nun acht Punkten in der Fußball-Bundesliga weiter unbesiegt; St. Pauli rangiert mit vier Zählern im hinteren Mittelfeld.

          Wenn man bedenkt, dass der HSV in der vergangenen Saison noch im Halbfinale der Europa League stand und St. Pauli in der zweiten Liga spielte, muss man dem Aufsteiger vom Millerntor ein Lob aussprechen für die Leistung am Sonntagnachmittag - einen Unterschied zwischen dem großen und dem kleineren Hamburger Verein gab es nicht zu sehen. Großen Fußball leider auch nicht: Der HSV kam mit seinem Spiel nie durch, weil St. Pauli hochkonzentriert bis zum Schluss blieb, und die HSV-Offensivkräfte nicht zur Entfaltung kommen ließ. Als Bonbon für die Anhänger des FC wurde Mitte der zweiten Halbzeit Gerald Asamoah eingewechselt. Nach seiner Oberschenkelverletzung war es der erste Einsatz des ehemaligen Nationalspielers in Braun und Weiß.

          Drei Verteidiger, ein Tor: Boll lässt sich beim Schuss zu St. Paulis Führung nicht beirren

          Vor dem Spiel liefen noch einmal alte Bilder über die Anzeigetafel - Dokumente vom ersten und einzigen Sieg des FC St. Pauli in der Bundesliga gegen den HSV, ausgerechnet im damaligen Volksparkstadion gewann der FC im September 1977 mit 2:0. Eifrig bejubelt wurden die alten Tore von den St. Pauli-Fans, während es aus dem prall gefüllten HSV-Block Pfiffe gab. 1000 Polizisten waren am Sonntagnachmittag im Einsatz, Hubschrauber kreisten schon den ganzen Tag über den Kiez - das Spiel war als Risikopartie eingestuft worden, und auch wenn sich alle Verantwortlichen in den Wochen zuvor um Befriedung bemüht hatten, war doch zu sehen und zu hören, wie wenig sich die Anhänger beider Lager mögen.

          „Welcome to the hell of St. Pauli“

          Eine angespannte Stimmung lag über dem Stadtteil, die sich auf der Reeperbahn vor dem Spiel in kleineren Krawallen entlud. Aus dem Block der 2100 HSV-Fans stieg kurz vor dem Anpfiff blauer Nebel auf - zwar in den Vereinsfarben, aber trotzdem verboten. Die Anhänger des FC begrüßten den Gegner aus dem Stadtteil Stellingen mit Fäkalsprache und in der Hölle: „Welcome to the hell of St. Pauli.“ Von 15.37 Uhr an wurde dann nach vielen Worten endlich Fußball gespielt, beim ersten Bundesliga-Derby am Millerntor. Etwas verspätet, denn Papierschlangen, Konfetti und Luftballons übersäten das Feld. Eine Optik wie bei einem Spiel im tiefen Süden Europas.

          Endlich Chancengleichheit bei einem Heimspiel, jubelte der Stadionsprecher, denn die letzten Partien hatten ja in der Arena am Volkspark stattgefunden. Und zuhause, in ihrem Kiez, zeigte die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski eine gute erste Halbzeit. Diszipliniert, laufstark und bissig in den Zweikämpfen erarbeitete sich St. Pauli Feldüberlegenheit, während der HSV erstaunlich zurückhaltend begann und wohl nicht wollte, dass ein frühes St. Pauli-Tor das Stadion zum Kochen bringt.

          Keine Kreativität beim HSV

          Was der Partie fehlte, war die Würze: kaum Chancen, zähes Ringen um wenige Meter, viele Zweikämpfe. FC-Verteidiger Thorandt kümmerte sich nur um van Nistelrooy, vor der Abwehr stopften Boll und Lehmann eifrig Löcher. Beim HSV stand die Dreierkette hinter van Nistelrooy dieses Mal nicht für Kreativität. Hennings Kopfball für den FC, Rost lenkte ihn über die Latte, und Rincons Schuss für den HSV waren die besten Chancen der ersten Halbzeit (11. und 42. Minute).

          Rosts schwerste Aufgabe war lange Zeit, sein Tor von Papierschlangen freizuräumen. Bälle abwehren musste der Veteran im HSV-Tor in seinem 400. Bundesligaspiel nicht. Armin Veh, Trainer des HSV, sah sich die Einfallslosigkeit seines Teams 63 Minuten an, dann brachte er Petric für Guerrero als Mann im Zentrum der offensiven Dreierkette, und der erzielte zwei Minuten vor dem Abpfiff mit einem fulminanten Treffer den Ausgleich, nachdem Boll St. Pauli mit einem Flachschuss in Führung gebracht hatte (77.). Erst nach dem 1:0 für den kleineren Hamburger Klub wurde die Partie so hitzig und darmatisch wie man das von einem Derby erwarten muss. es war zu spät, um diese Begegnung unvergesslich machen zu können.

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