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Sportvorstand Fredi Bobic : Der Baumeister einer neuen Eintracht

Erst kritisiert, dann geachtet: Sportvorstand von Eintracht Frankfurt Fredi Bobic Bild: Picture-Alliance

Aus der anfänglichen Skepsis gegenüber dem Sportvorstand Fredi Bobic wird Begeisterung: Seit er den Posten 2016 übernommen hat, landet Frankfurt einen Volltreffer nach dem anderen. Wie macht er das?

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          Drei Jahre sind im Fußball eine halbe Ewigkeit. Als sich im Frühling 2016 abzeichnete, dass Fredi Bobic den Posten des Sportvorstands bei der Frankfurter Eintracht übernehmen würde, fielen die Reaktionen im Umfeld des Traditionsvereins skeptisch aus. Fans positionierten sich mit Plakatbotschaften gegen ein Engagement des früheren Nationalspielers, bei dem sie auch wegen eines missglückten Intermezzos beim VfB Stuttgart die nötige Reputation vermissten. Gegen die Schwaben tritttdie Eintracht an diesem Sonntag an (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky).

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Wolfgang Steubing, für den als Aufsichtsratsvorsitzender der Hessen Bobic von Anfang an erste Wahl war, berichtete später, dass er Drohbriefe erhalten habe, sollte bei der Wahl des Nachfolgers für Heribert Bruchhagen tatsächlich Bobic das Rennen machen. Keiner der Beteiligten ließ sich damals anmerken, ob und wie sie die Störgeräusche irritierten. Heute können sie sich bestätigt fühlen: Die anfängliche Skepsis wich allgemeiner Begeisterung. Erfolg ist die Währung, in der allenthalben abgerechnet wird.

          Bobics Gewinn-und-Verlust-Rechnung fällt überzeugend aus. Vorläufiger Höhepunkt der von ihm vorangetriebenen Entwicklung: das 1:0 bei Inter Mailand, mit dem sich die Eintracht erstmals seit fast einem Vierteljahrhundert wieder fürs Viertelfinale im Europapokal qualifizierte. Selbst der Einzug ins Europa-League-Endspiel in Baku am 29. Mai scheinen nach dem zehnten internationalen Spiel in Serie ohne Niederlage nicht mehr undenkbar. „Wir haben eine überragende Leistung gezeigt“, sagte Bobic nach der magischen Nacht in San Siro: „Den Traum vom Finale dürfen wir haben.“ Der Sieg schreibt eine Erfolgsgeschichte fort, zu der nach überstandener Abstiegs-Relegation ein elfter und ein achter Rang in der Liga, zwei Teilnahmen am Pokalfinale in Folge und der Triumph über die Bayern im Mai 2018 zählen. Vor dem aktuellen Bundesliga-Endspurt ist die Eintracht, die an diesem Sonntag zu Hause auf Nürnberg trifft, aussichtsreich hinter der Spitzengruppe plaziert. „Was hier gerade abgeht, ist phantastisch“, sagte Bobic.

          Der 47-Jährige trug mit seiner Personalpolitik maßgeblich zum Boom bei. 98 Zu- und Abgänge gab es bis heute unter seiner Regie, bei der Mehrzahl erfüllten sich die Erwartungen. Sportlich und wirtschaftlich. Luka Jovic, Sébastien Haller, Omar Mascarell, Jesús Vallejo, Marius Wolf, Kevin-Prince Boateng, Evan Ndicka, Kevin Trapp, Sebastian Rode oder Martin Hinteregger – die Quote der Volltreffer war in Frankfurt zuletzt überdurchschnittlich hoch. Auch bei der Wahl des Trainers, der die Aufbauarbeit Niko Kovacs fortsetzen sollte, bewies Bobic Gespür.

          Mit Adi Hütter fand er einen Mann, der ein wenig Zeit benötigte, um sich einzugewöhnen, seitdem aber mit Ruhe und Bedacht einen Kollektivgedanken gedeihen lässt, der die Auswahl beflügelt. Neben dem österreichischen Coach und Sportdirektor Bruno Hübner vertraut Bobic in der Kaderplanung auf einen Weggefährten, der in der öffentlichen Wahrnehmung des Aufschwungs kaum vorkommt: Chefscout Ben Manga. Der 45-Jährige genießt das uneingeschränkte Vertrauen Bobics. Er verbringt mehr als die Hälfte eines Monats im Ausland und behält die Ligen im Blick. Kehrt Manga von seinen Beobachtungstouren zurück, legt er seinem Chef sogleich Listen mit interessanten Kandidaten vor.

          Bobic bewertet die Eintracht ungeachtet des anhaltenden Höhenflugs als „gehobenen Ausbildungsverein“, der stets damit rechnen müsse, dass seine besten Leute zu einer Top-Adresse der Branche weiterziehen. Für ihn brauchen Spieler, die für die Eintracht interessant sein sollen, eine „gewisse Mentalität“, und er müsse in ihnen „Entwicklungspotential“ erkennen. So wie bei Jovic, den Bobic für eine Leihgebühr von 200.000 Euro (plus Kaufoption) aus der Reserve von Benfica Lissabon, dem Viertelfinalgegner, weglotste. Sein Marktwert ist auch durch das Tor zuletzt im Achtelfinal-Showdown gegen Inter weiter gestiegen, er weckt wie kein Zweiter aus dem Kreis der Winner-Typen Begehrlichkeiten. Bobic sagt, dass ihn das kaltlasse: „Gehen Sie davon aus“, antwortete er auf die Frage nach einem möglichen Preis des Erfolgs, „dass wir auch in der kommenden Saison eine gute Mannschaft haben werden.“ Das Vertrauen der Fans, dass es so kommt, wie er sagt, hat sich Bobic erarbeitet.

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