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Spionage im Fußball : Im Geheimdienst des Gegners

Siehst Du das Flugobjekt? Werder-Trainer Florian Kohfedlt (l.) mit Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. Bild: EPA

Der Drohnenalarm von Hoffenheim lenkt den Blick auf übliche Methoden in der Spielvorbereitung: Trainingsspionage gab es freilich schon immer. Eine kurze Reise in die Geschichte der Fußballspionage.

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          Anfang der Woche war Drohnenalarm über dem Trainingsplatz in Zuzenhausen. Offenbar übertrieb es ein Späher von Gegner Werder Bremen vor dem Aufeinandertreffen am Mittwochabend ein wenig mit seinem Ehrgeiz, ein James Bond des Fußballs zu werden. Die TSG Hoffenheim schaltete nun sogar die Polizei ein, Drohnenüberflüge über Menschenansammlungen sind schließlich wegen damit verbundener Gefahren verboten.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Geheimdienstaktivität steht freilich in einer schönen Tradition: Schon im Herbst 1981 tauchte plötzlich ein Hubschrauber über dem Trainingsgelände am Hamburger Rothenbaum auf. Darin saß ein Fotograf der „Bild“-Zeitung. Er sollte ablichten, was der HSV im Geheimtraining übte. Ernst Happel war gerade dabei, den Bundesliga-Fußball durch Raumdeckung und Forechecking zu revolutionieren, den Vorläufern von Viererkette ohne klassischen Libero und des Pressings moderner Prägung.  Bei der Umsetzung dieses Plans wollte Happel keine Augenzeugen.

          Im Geheimdienst des Gegners

          Spionage im Fußball gab es also schon immer. Nach der Jahrtausendwende, als Bundesliga-Mannschaften begannen, mehr Zeit und Knowhow in Spielanalysen und  Gegnerbeobachtung zu investieren, gerieten Kiebitze mehr und mehr in einen Generalverdacht. Ist der Mann mit der Schiebermütze vom Gegner geschickt? Macht sich der Kerl im Ballonseideanzug nicht auffällig viele Notizen? Und was ist mit den Journalisten? Verraten Sie berichterstattend Geheimnisse an die Konkurrenz?

          Es begann die Unterteilung der Übungsstunden in öffentliche und nicht-öffentliche Trainingseinheiten. Die Klubs fürchteten umherreisende Kundschafter des jeweiligen Gegners, die ihrem Trainer entscheidende Hinweis auf Grundformation, Aufstellung und Strategie des Kontrahenten liefern sollten. Das Geheimtraining hatte immer mehr Konjunktur. Und so hob selbst im damals beschaulichen Mainz 2007 ein Hubschrauber der „Bild“-Zeitung ab, um Jürgen Klopp bei seiner Arbeit an der erfolgreichen Strategie im Abstiegskampf zu beobachten. Blöderweise war der Pilot nur für den Zeitraum des Aufwärmens gebucht. Die Laufwege waren dann doch nicht so spannend.

          Umso schöner endete da die Geschichte, an die der Werder-Trainer und vermeintliche Spionage-Auftraggeber Florian Kohfeldt am Mittwochabend selbst noch einmal erinnerte: Auch er habe in der Vergangenheit immer wieder ungebetene Trainingsgäste „aus dem Gebüsch gezogen oder aus dem Stadion geholt“. So hatte er im Februar vor dem Nordderby gegen den Hamburger SV einen Beobachter versteckt in einer Hecke erwischt und im Dienste der Spionageabwehr des Gebüsches verwiesen.

          Viel weiter als die doch recht lustigen deutschen Spionageversuche gingen bei der Frauenfußball-WM 2007 die Gastgeberinnen aus China. Sie filmten mittels versteckter Kameras ganz einfach den Besprechungsraum der Gegnerinnen aus Dänemark samt der Taktiktafel, wie die Spielerinnen aus Europa im Nachgang herausfanden. China gewann 3:2 und erreichte statt Dänemark das Viertelfinale.

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