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Slomka und Hecking : Wiedersehen ohne Freude

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Drei Punkte müssen her: Für Dieter Hecking zählt derzeit nur der „Club” Bild: REUTERS

Was wohl nach dem Spiel zwischen Hannover und Nürnberg passiert? Gehen sie einen trinken? Reden sie noch miteinander? Der smarte Mirko Slomka und der knorrige Dieter Hecking sind gute Bekannte - im Abstiegskampf jedoch geht Arbeit vor Vergnügen.

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          Die Geschichte klingt so gut: die Trainerfreunde im Abstiegsduell. Hannover 96 mit Mirko Slomka gegen den 1. FC Nürnberg mit Dieter Hecking. Die langjährigen Freunde aus Hannover in einem Spiel des Dritt- gegen den Vorletzten. Was wohl danach passiert? Gehen sie einen trinken? Bleiben sie Freunde? Schweigen? Halt. Slomka und Hecking sind nämlich gar keine Freunde. Nur gute Bekannte. Slomka sagt: „Wir telefonieren zwar regelmäßig, aber nicht sehr oft. Wir sind nicht so dicke, dass man sagen kann, wir tauschen uns jede Woche aus. Wenn wir uns begegnen, ist es sehr vertraut, offen und zugänglich.“ In den Tagen vor dem Spiel an diesem Samstag haben sie nicht miteinander gesprochen.

          Sie kennen sich seit langem; zu Beginn seiner Laufbahn als Trainer war Hecking mal Slomkas Assistent beim Nachwuchs von Hannover 96. Jahre später, als Hecking die „Roten“ anleitete und zu Beginn dieser Saison in die Kritik geriet, galt der in Hannover wohnende Slomka immer wieder als möglicher Nachfolger. Als Hecking gehen musste, fiel die Wahl zunächst auf Andreas Bergmann. Nun, nach dessen Beurlaubung, ist Slomka tatsächlich „Chef“ bei 96 geworden.

          Für Glamour und Schlagzeilen sollten gern andere sorgen

          Es ist wenig überraschend, dass der 45 Jahre alte Hecking vor dem Spiel möglichst wenig Aufhebens um seine Rückkehr nach Hannover machen will. Unaufgeregt hat man ihn schon in seinen drei Jahren am Maschsee erlebt, für Glamour und Schlagzeilen sollten gern andere sorgen. Den Trainerjob hat er vor allem immer als Arbeit aufgefasst. Das Leichte, das Schöne am Spiel, das war in Hannover unter Hecking selten zu sehen. Am Ende war es - neben den unglaublich vielen Verletzten - sein Starrsinn, an einem System mit nur einem Stürmer festzuhalten, der ihn bei 96 scheitern ließ.

          Herz für Hannover? Das war einmal

          Dabei hatte Präsident Martin Kind ihn doch ausgewählt und 2006 aus dem Vertrag in Aachen herausgekauft, weil mit dem in Bad Nenndorf wohnenden Hecking eine Ära wie die von Thomas Schaaf in Bremen beginnen sollte. Von der „Herzensangelegenheit“ Hannover will Hecking natürlich heute nichts mehr wissen. Er sagt: „Ich habe meine Aufgabe in Nürnberg. Meiner Spieler erwarten, dass ich mich mit ihnen und nicht mit meiner Vergangenheit beschäftige.“

          Er hat ja auch genug mit der Gegenwart zu tun. Die Defensive scheint durch die Wintereinkäufe Breno und Ottl stabiler zu stehen, wie beim 0:1 in Gelsenkirchen und dem 1:1 gegen Frankfurt ansatzweise zu erkennen war. Doch im Spiel nach vorn fehlt es an Tempo und Präzision. Fraglich, ob der vom HSV ausgeliehene Mittelfeldspieler Tavares nach einer Hinrunde ohne nennenswerte Spielpraxis gleich die Lösung sein wird. Tavares ist ein ballsicherer Spieler und soll zusammen mit Ottl mithelfen, dass der „Club“ im Mittelfeld länger den Ball hält.

          „Nicht ich spiele gegen Hannover, sondern meine Spieler“

          Ein halbes Jahr hatte Hecking auf ein neues Engagement warten müssen und sich in dieser Zeit mit Kommentaren zur Bundesliga und öffentlichen Auftritten zurückgehalten. Nüchtern, wie man ihn kennt, spielt er die Brisanz des Kellerduells herunter. Er sagt: „Was soll man sagen, wenn man zu seinem Verein zurückkommt. Nicht ich spiele gegen Hannover, sondern meine Spieler. Das ist das Einzige, was man in den Vordergrund rücken sollte.“

          Es sind umgekehrt eher seine ehemaligen Spieler, die gegen ihn antreten - und womöglich besonders motiviert sind. Hanno Balitsch etwa, mit dem Hecking nie besonders gut auskam. Oder Mike Hanke, der unter Hecking Opfer der Ein-Stürmer-Strategie wurde, weil Hecking ganz vorn anderen vertraute. Und nun am Samstag in Slomkas Strategie die große Hoffnung Hannovers ist: als einziger Angreifer.

          Es gibt also genug Überschneidungen zwischen dem smarten Slomka und dem knorrigen Hecking. Da passt es, dass Hannover 96 rund um das Spiel ein Ehemaligentreffen organisiert hat, zu dem auch Hecking eingeladen ist. Er hat ja auch für Hannover gespielt. Sollten Dieter Hecking und Mirko Slomka aus welchen Gründen auch immer am Samstagabend die Konversation einstellen, so wird das zwei Frauen kaum kümmern: Kerstin Hecking und Gunda Slomka sind nämlich wirklich dicke Freundinnen.

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