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Neuzugang Silvan Widmer : Mainz ist wie die Schweiz – nur etwas schneller

  • -Aktualisiert am

Silvan Widmer spielte sich mit der Schweiz bei der EM in den Vordergrund. Bild: Reuters

Seinen Karriereweg bezeichnet Silvan Widmer selbst als atypisch. Nun ist der Rechtsverteidiger neu bei Mainz 05 in der Bundesliga scheint für seine Aufgabe dort prädestiniert.

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          Nach seinem bislang letzten Pflichtspiel hat es Silvan Widmer regelrecht den Boden weggezogen. Einen Monat liegt das zurück, im Viertelfinale der Europameisterschaft schied der Schweizer mit seiner Nationalmannschaft nach Elfmeterschießen gegen Spanien aus. „Ich kam nach Hause und hatte keine Energie mehr“, erzählt er, „das war eine ganz neue Erfahrung. Und ich habe einige Tage gebraucht, um wieder Fuß zu fassen.“

          Bundesliga

          Hilfe nahte aus Rheinhessen. Die Verantwortlichen des FSV Mainz 05 hatten sich schon vor der EM um den Rechtsverteidiger des FC Basel bemüht und die Gespräche während des Turniers intensiviert. Andere Klubs hätten ebenfalls Interesse bekundet, doch nur in den Gesprächen mit 05-Sportdirektor Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson habe er von Beginn an gespürt, „dass sie mich unbedingt haben möchten. Und seit dem Moment, in dem ich den Vertrag unterschrieben habe, überwiegt die Vorfreude auf die neue Herausforderung.“

          Wie die anderen EM-Teilnehmer aus dem Kader des Bundesligaklubs stieg Widmer erst zum Trainingslager in Tirol in die Saisonvorbereitung ein, hat mithin also noch etwas Rückstand. Dennoch ist davon auszugehen, dass er auf der rechten Außenbahn gesetzt sein und schon im DFB-Pokalspiel bei der SV Elversberg am nächsten Sonntag wie auch eine Woche später zum Ligaauftakt gegen RB Leipzig der ersten Elf angehören wird. Ein Indiz dafür bot das letzte Testspiel der Mainzer am Samstag gegen den CFC Genua – beim 3:2 in der über 2 × 60 Minuten gehenden Partie stand der Neuzugang in der Anfangsformation.

          „Was macht er da bloß?“

          Seinen Karriereweg bezeichnet Widmer selbst als atypisch. Der Grund: Nach der Jugend beim FC Aarau wechselte er als 20-Jähriger zu Udinese Calcio in die Serie A, wurde Stammspieler, kehrte aber nach fünf Jahren in die Schweiz zurück, jetzt nach Basel. „Einige haben sich damals gefragt: Was macht er da bloß?“, sagt er. „Im Nachhinein kann ich sagen, dass es ein super Schritt war.“ Denn in Basel habe er sich weiterentwickelt, mehr als 20 Mal in Champions- und Europa League gespielt, er sei gereift „und jetzt definitiv bereit, den Schritt in eine große Liga zu machen“.

          Für seinen neuen Arbeitgeber scheint Widmer aus zwei Gründen bestens präpariert. Zum einen wegen der Spielweise. Das von Bo Svensson bevorzugte 3-5-2-System ist er aus der Schweizer Nationalmannschaft gewohnt. „Ich habe auch das 4-4-2 drauf, aber die Dreierkette kommt mir mehr entgegen, weil ich die Laufbereitschaft habe, um offensive Akzente zu setzen, aber auch nach hinten arbeiten kann. Wir wollen hoch pressen, schnell zum gegnerischen Tor finden, und ich gehe davon aus, dass ich mich relativ viel in der gegnerischen Hälfte aufhalten werde.“

          Zum anderen ähnele die Rolle der 05er in der Bundesliga jener der „Nati“ bei der Europameisterschaft. „Wir haben in der Schweiz ein tolles Team, alle haben Bock, dafür zu spielen“, sagt er. Von den Namen her sei die deutsche Nationalmannschaft höher einzustufen, „aber wir haben es als Mannschaft besser auf den Platz gebracht“. Die Mainzer Situation sei damit vergleichbar. Kein Riesenverein, aber eine Einheit, gegen die zu spielen extrem unangenehm sein soll. „In der vorigen Rückrunde wollte niemand gegen Mainz spielen, weil man wusste, dass es wehtun wird. So soll es auch in der neuen Saison sein.“

          Einen nicht unerheblichen Unterschied zwischen seiner vorherigen und der neuen Station hat Silvan Widmer allerdings auch ausgemacht: Intensität und Qualität im Training seien höher als in Basel, was der 28-Jährige beispielsweise an Passspiel und Pressing festmacht. „Alles ist schneller, man hat weniger Zeit am Ball, man muss auf der Hut sein und vorher schon überlegen, wohin man spielen will“, sagt er. Das habe sowohl mit der Liga als auch mit dem Trainer zu tun. „Bo legt großen Wert auf Dinge wie Pressing und hohes Anlaufen im Sprint. Aber auch allgemein sind Tempo und Qualität höher als in der Schweiz.“ Widmers erste Aufgabe wird es sein, dies zu adaptieren.

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