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Zwei Tore beim Comeback : Die märchenhafte Rückkehr des Luka Jovic

Bild: EPA

Eintracht Frankfurt tut sich gegen destruktive Schalker lange schwer. Dann kommt der Rückkehrer von Real Madrid ins Spiel – und wird prompt zum Matchwinner. Es ist ein Abend mit vielen Gänsehautmomenten.

          3 Min.

          Ein Drehbuch hätte besser nicht geschrieben sein können. Da nimmt Kapitän David Abraham mit einem hochverdienten 3:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 Abschied von der Eintracht und vom Profifußball – und Rückkehrer Luka Jovic, in der 62. Minute eingewechselt, erzielt in seinem ersten Spiel zwei Tore. Als die Partie am Sonntagabend zum Ausklang des 16. Bundesliga-Spieltags beendet war, lief Eintracht-Trainer Adi Hütter sofort auf das Spielfeld zu seinem Capitano. Er herzte Abraham, er umarmte ihn innig – und er gab ihm in der Emotion sogar ein Küsschen.

          Bundesliga

          Die Eintracht-Spieler bildeten danach einen großen Kreis, Abraham, der zuvor sein Trikot mit Schiedsrichter Manuel Gräfe getauscht hatte, sagte Adios – und auf dem Videowürfel in der Frankfurter Arena waren in Kurzform die sportlichen Höhepunkte von Abrahams fünfeinhalb Frankfurter Jahren zu sehen. „Das waren sehr viele Ereignisse heute“, sagte später Eintracht-Trainer Hütter und freute sich über einen „tollen, verdienten, klaren Sieg. Das wichtigste Thema für mich ist der Abschied von David Abraham, der 178 Spiele für uns gemacht hat. Wir verlieren einen tollen Spieler und einen tollen Menschen. Er hat 16 Jahre lang seine Knochen hingehalten.“

          Keine Zuschauer, aber dafür jede Menge Tore zum Abschied? Das wäre so ganz nach dem Geschmack des 34 Jahre alten Abraham gewesen, der nach dem Ende seiner Karriere zurück in seine argentinische Heimat und zu seinem vier Jahre alten Sohn Alfonso geht – und es hätte ja auch so kommen können. Die Eintracht spielte sich Chancen in Hülle und Fülle heraus. Tore aber wollten für die deutlich überlegene Eintracht gegen ganz auf Defensive einstellte Schalker zunächst nicht fallen. Zweimal binnen kurzer Zeit war es der wieder in die Startelf gerückte Aymen Barkok gewesen, der hätte erfolgreich sein müssen. Doch zweimal vergab er (3. und 7. Spielminute).

          Die Eintracht war mächtig am Drücker, ließ Ball und Gegner laufen. Nur der Lohn ließ auf sich warten. In der 24. Minute hatte Martin Hinteregger nach einer Ecke von Amin Younes Pech, dass Schalke-Torwart Ralf Fährmann den Kopfball gerade noch parieren konnte. Es war schon die dritte Großchance der Eintracht. Als André Silva vier Minuten später im Strafraum an den Ball kam, war die Ausgangslage nicht so eindeutig. Doch der Portugiese zeigte wieder einmal seine große Klasse und Kaltschnäuzigkeit, denn mit einer geschickten Drehung verschaffte er sich freie Schussbahn und vollendete zum überfälligen 1:0. Für Silva war es schon der zwölfte Saisontreffer.

          Die Führung hatte sich abgezeichnet, was dann passierte, überraschte. Nur sechzig Sekunden nach dem Frankfurter 1:0 stand es plötzlich 1:1. Hinteregger hatte eine Situation im eigenen Strafraum völlig falsch eingeschätzt, und weil auch Torhüter Kevin Trapp mit dem Herauslaufen zögerte, schoss Matthew Hoppe als Profiteuer des Eintracht-Blackouts zum 1:1 ein. Das Spiel war auf den Kopf gestellt. Drei Minuten vor der Pause hätte Erik Durm wieder für halbwegs normale Verhältnisse sorgen können. Doch bei seinem Linksschuss zeigte Fährmann abermals sein großes Können.

          Perfekter Abschluss eines perfekten Abends

          Hütter handelte, nahm kurz nach der Pause den angeschlagenen Hinteregger aus der Partie, der durch Ajdin Hrustic ersetzt wurde. Ein offensiver Mittelfeldspieler, der mithelfen sollte, den Schalker Abwehrriegel zu knacken. Makoto Hasebe verlagerte dafür sein Arbeitsgebiet aus dem Mittelfeld in die Abwehrzentrale. Schalke war zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst besser, doch dies wollte Hütter mit Macht ändern. In der 62. Minute kam dann Rückkehrer Jovic zu seinem Einsatz. Genau zehn Minuten dauerte es, dann hatte die Eintracht ihren Gänsehautmoment. Filip Kostic nahm auf links Tempo auf, zirkelte den Ball präzise in den Strafraum – und sein serbischer Freund Jovic drosch den Ball zum 2:1 ins Schalker Tor. Ein phänomenaler Schuss und ein eindeutiges Signal: Jovic hat sich höchst spektakulär zurückgemeldet.

          Doch damit nicht genug. In der ersten Minute der dreiminütigen Nachspielzeit schlug Jovic ein zweites Mal eiskalt zu. Wieder war es sein Kumpel Kostic, der ihn bestens in Szene setzte, und wieder zeigte Jovic sein großes Können. 3:1 – es war der perfekte Abschluss eines perfekten Abends, der für die mit jetzt 26 Punkten auf Platz sieben vorgerückten Eintracht besser nicht hätte laufen können.

          Kapitän Abraham verabschiedet sich mit einem Sieg von seiner großen sportlichen Liebe Eintracht, und Torjäger Jovic meldet sich bei seinen Frankfurter Fußballfreunden mit zwei Toren zurück. „Das war ein Drehbuch wie in einem Hollywoodfilm“, sagte Fredi Bobic bei Sky. Der Eintracht-Sportvorstand war am Tag voller „Wehmut und Freude“ froh, dass Kapitän Abraham einen derart emotionalen und erfolgreichen Abschied feiern konnte. „David ist ein toller Typ, der uns auch abseits des Platzes fehlen wird.“

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