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Hoher Sieg in Berlin : FC Bayern lässt Klinsmann keine Chance

So sehen Sieger aus: der FC Bayern um Torschütze Thomas Müller (Mitte) in Berlin Bild: dpa

Beim Duell mit ihrem früheren Trainer beißen sich die Münchener lange die Zähne an der stabilen Berliner Defensive aus. Dann aber brechen alle Dämme. Am Ende wirkt die Hertha wie ein Abstiegskandidat.

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          Die beiden Fragen, die Hertha BSC und Bayern München rund um die Winterpause beschäftigt hatten, waren, soweit man das auf den ersten Blick beurteilen konnte, zum Anpfiff der Rückrunde zur beiderseitigen Zufriedenheit gelöst. Jürgen Klinsmann hatte irgendwo in einer Schublade dies- oder jenseits des Atlantiks die geforderten Nachweise auftreiben lassen, die den deutschen Fußballverbänden Beweis genug waren, um den ehemaligen Bundestrainer mit den erforderlichen Papieren für seinen Trainerjob in der Hauptstadt auszustatten. Und Robert Lewandowski hatte sich, wie es so seine Art ist, in der Winterpause auch von einer Leistenoperation nicht stoppen lassen und war am 18. Spieltag ebenso wie Klinsmann wieder an seinem Arbeitsplatz.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auch die anderen Angelegenheiten endeten in Berlin am ersten Rückrundenspieltag zwischen dem Big-City-Klub, der die Hertha gerne werden möchte, und dem real existierenden deutschen Meister, wie die Kräfteverhältnisse 2020 nun mal sind: Die Bayern siegten auch in der Höhe vollkommen verdient 4:0 durch Tore von Thomas Müller (59. Minute), Robert Lewandowski (71., Foulelfmeter), Thiago (76.) und Ivan Perisic (84.).

          „Wir haben Hertha ein bisschen müde gespielt, da wurden die Lücken in der zweiten Halbzeit größer. Da haben wir mehr aufs Tempo gedrückt. Als der Knoten offen war, hat sich Hertha nicht mehr gewehrt“, sagte Müller bei Sky und fügte hinzu: „Am meisten Spaß machen die eigenen Tore. Es war ein sehr schöner Tag für mich und die Mannschaft.“ Gleichzeitig erinnerte sich Müller auch daran, dass ihn Hertha-Coach Klinsmann einst bei den Bayern zu den Profis hochgeholt hatte. „Ich habe noch den Anruf auf dem Anrufbeantworter im Ohr, als er mich vor der Saison zum Trainingslager eingeladen hat. Das ist schon eine besondere Beziehung, auch wenn wir nicht so lange zusammengearbeitet haben.“

          Klinsmann versuchte, das Positive aus dem Spiel mitzunehmen. „Wir waren ganz gut im Spiel in der ersten Halbzeit, hatten auch unsere Möglichkeiten“, sagte er. „Das 1:0 hat das Spiel geöffnet, der Knackpunkt war aber der Elfmeter. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen mal so einen Elfmeter für uns bekommen, das wäre sehr hilfreich. Unser Bestreben ist es, gegen Mannschaften zu punkten, die mit uns in der unteren Hälfte der Tabelle sind."

          Wenn dann Lewandowski

          Die Münchner, die sich nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit erheblich steigerten, rückten durch den Erfolg gegen ihren früheren Trainer Klinsmann auf den zweiten Rang vor, vier Punkte hinter Spitzenreiter RB Leipzig. Die Hertha war nach dem Rückstand in sich zusammengefallen und wirkte wie ein Abstiegskandidat. Tatsächlich trennen den Tabellenvierzehnten auch nur zwei Plätze und zwei Punkte vom Relegationsplatz. Die Berliner mussten am Ende sogar froh sein, nicht noch höher gegen einen dann überzeugenden Meister verloren zu haben, dem eine starke halbe Stunde zu einem klaren Sieg genügte hatte.

          Die erste Hälfte war von Spitzenfußball noch weit entfernt gewesen. Zahlreiche Fehler, geringes Tempo und zäher Spielaufbau prägten ein Spiel, dem zunächst die Höhenpunkte fehlten. In der 21. Minute hatte die Hertha so etwas wie ihre erste und einzige Chance bis zu Pause, als Selke nach einer Flanke von Plattenhardt auf Höhe des Elfmeterpunkts unbedrängt zum Kopfball kam, aber weder Druck noch Präzision in diese Aktion bringen konnte. Bei den Bayern war, wenn es überhaupt zu einem Abschluss reichte, Torjäger Lewandowski, der zumindest für potentielle Unruhe in der Berliner Defensive sorgte.

          Zwei Trainer, zwei Stimmungen: Berlins Coach Jürgen Klinsmann (hinten) gestikuliert, Bayern-Trainer Hansi Flick bleibt gelassen.

          In der 25. Minute setzte sich der Torjäger im Strafraum gegen Boyata durch, spitzelte den Ball zwar an Torwart Jarstein vorbei, allerdings auch am Tor. Zehn Minuten später war es wiederum Lewandowski, der eine Flanke von Davies direkt nahm, aber der nicht besonders hart geschossene Ball flog Jarstein in die Arme. Die Hertha, die schon in den vergangenen drei Spielen zuvor ohne Gegentor geblieben war, hatte gegen den harmlosen Meister keine Mühe, diese Serie bis zum Halbzeitpfiff mit einer kompakten Defensive zu verlängern.

          In der zweiten Halbzeit plätscherte das Spiel in den ersten zehn Minuten zunächst weiter dahin. Die Bayern erhöhten das Tempo kaum, und die Berliner begnügten sich damit, den Favoriten vom eigenen Tor fernzuhalten, ohne jedoch selbst die Initiative zu ergreifen. In den Zweikämpfen wirkte die Hertha jedoch in einigen Szenen etwas nachlässig und weniger zupackend als in der ersten Hälfte. Diesen gelegentlichen Freiraum nutzte der Meister und kam in der 58. Minute mit seinem bis dahin vielversprechendsten Angriff zu einer Doppelchance durch Perisic, doch Boyata und Jarstein klärten gerade noch.

          Doch eine Minute später setzten sich die Münchner endgültig und zählbar durch. Lewandowski legte den Ball für Goretzka auf, dessen Flanke Perisic klug auf Müller weiterleitete, der aus wenigen Metern zum verdienten 1:0 für die Bayern traf. Nur fünf Minuten später schien das Spiel durch einen Kopfballtreffer von Lewandowski entschieden, doch der Schiedsrichter nahm das Tor nach Blick auf den Bildschirm wieder zurück.

          Doch die Bayern ließen nicht nach und nutzte ihre Chancen gegen einen taumelnden Gegner, dessen Grenzen offensichtlich wurden. Lewandowski nutzte in der 73. Minute einen Foulelfmeter, nachdem Goretzka nach einem Eckball im Strafraum umgerissen wurde, zum 2:0 für die Bayern. Dann ging es Schlag auf Schlag gegen eine Hertha, die völlig die Kontrolle verlor. In der 76. Minute folgte das 3:0 durch einen herrlichen Treffer von Thiago, der den Ball nach wunderbarer Vorbereitung von Goretzka unter die Latte setzte. Und auf den Höhepunkt folgte kurz darauf der Schlusspunkt durch Perisics Kopfball zum 4:0 für die Bayern, der die Münchner Anhänger in Berlin rundum verzückte und von der deutschen Meisterschaft singen ließ.

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