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„Sicheres Stadionerlebnis“ : DFL kämpft um ihr Konzept

  • Aktualisiert am
Unterschiedliche Meinungen zur Debatte um Sicherheit in den Stadien - nicht nur in Dortmund
          3 Min.

          Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will mit einer Informationsveranstaltung für die 36 Profiklubs den Weg zum neuen Sicherheitskonzept ebnen - und bekommt Schützenhilfe von den Branchenriesen FC Bayern München und Borussia Dortmund. In einem Schreiben an die Vereine nach der Sitzung der Sicherheitskommission der DFL am Montag wurde nach dpa-Informationen auch ein zusätzliches Angebot an die Fan-Vertreter gemacht.

          Für die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte steht das Positionspapier „Sicheres Stadionerlebnis“ nicht im Einklang mit der bestehenden Rechtslage. Dies teilte die Interessenvertretung am Dienstag in einer zwölfseitigen „rechtlichen Stellungnahme“ mit. „Die genannten Maßnahmen sind nicht nur rechtswidrig und unverhältnismäßig, sondern das Papier enthält keine Erklärung, weshalb derartige Eingriffe in Rechte anderer überhaupt notwendig seien“, heißt es darin.

          Dagegen wehrte sich wiederum vehement die DFL. „Die im Konzeptpapier (...) vorgeschlagenen Maßnahmen werden in den verbandsrechtlichen Vorschriften selbstverständlich so ausgestaltet und in der Praxis selbstverständlich so umgesetzt, dass sie mit dem geltenden Recht in Einklang stehen“, sagte ein Sprecher. Nach vielen Bedenken und Widerständen gegen das Papier hat sich Rekordmeister FC Bayern positiv zu den geplanten Maßnahmen gegen Gewalt geäußert. „Wir stehen hinter diesem Konzept“, sagte Sprecher Markus Hörwick.

          Stephan Schippers, Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach, verwies auf den klaren Auftrag, den die Politik beim Sicherheitsgipfel in Berlin und bei der Innenministerkonferenz dem Fußball gegeben habe. Sollte es nicht gelingen, die Gewalt einzudämmen, laufe man Gefahr, dass entsprechende Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip von der Politik selbst ohne Einbeziehung von DFL und DFB festgelegt werden.

          „Und als letzte Möglichkeit drohen Geisterspiele“

          Derweil sieht der Dortmunder Polizeipräsident Norbert Wesseler nach den Krawallen beim Bundesligaderby zwischen Dortmund und Schalke 04 „Geisterspiele“ als letzte Möglichkeit im Kampf gegen die Gewalt. „Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir überlegen müssen, ob zukünftig Spiele ohne Gäste-Fans stattfinden oder verschoben werden müssen. Und als letzte Möglichkeit drohen Geisterspiele, wenn Vereine und Fans nicht endlich handeln“, sagte Wesseler der „Bild“-Zeitung (Dienstagsausgabe).

          Wesselers Sprecher Wolfgang Wieland betonte, Geisterspiele wären sicherlich das letzte Mittel. Das Polizeigesetz gebe das aber her, wenn die Gefahrenlage zu groß werde. „Zuvor müssten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden“, sagte Wieland. Dazu zählen laut Polizei Stadionverbote mit Meldeauflagen, Bereichsbetretungsverbote, eine Verringerung der Gästezahlen im Stadion am Ende der gänzliche Ausschluss von Gäste-Fans.

          „Wir können mit dem Entwurf sehr gut leben“

          Nachdem sich in den Tagen zuvor einige Klubs wie der VfL Wolfsburg und Hertha BSC deutlich gegen das Sicherheitskonzept ausgesprochen hatten, ist nach der Sitzung vom Montag ein moderaterer Ton in der Szene eingezogen. So unterstützt auch Borussia Dortmund DFL und DFB. „Wir waren in der Kommission vertreten. Deshalb können wir mit dem Entwurf sehr gut leben. Aber wenn dieser Entwurf abgelehnt wird und Verbesserungsvorschläge kommen, kann das nur gut sein. Es ist ja erst einmal nur ein Entwurf“, erklärte Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung beim deutschen Meister.

          Die DFL hatte die Vereine schon ursprünglich dazu aufgefordert, ihre Fan-Vertreter mit einzubeziehen - nun soll dies auf vielfachen Wunsch auch auf oberster Ebene geschehen. Genau das verlangte auch der VfB Stuttgart. „Es macht keinen Sinn, über einen Maßnahmenkatalog abzustimmen, bevor die Interessen und Vorschläge der Fans einbezogen wurden“, sagte Präsident Gerd Mäuser. Der VfB habe der DFL vorgeschlagen, neben der bereits bestehenden Sicherheitskommission eine zweite zu gründen, in der die Fan-Beauftragten der 36 Profiklubs sitzen. F

          Die DFL hält am 12. Dezember fest

          an-Vertreter wehren sich vor allem gegen Ganzkörperkontrollen am Stadioneingang und gegen eine Reduzierung von Ticket-Kontingenten für Auswärtsspiele als Strafe für Verstöße. „Wir weisen darauf hin, dass es sich weder um ein abschließendes Konzept noch um ein finales Arbeitsergebnis handelt“, heißt es in dem DFL-Schreiben.

          In den nächsten Wochen soll es auch Treffen mit Fan- und Sicherheitsbeauftragten der Klubs und der Arbeitsgemeinschaft Fan-Belange beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) geben. Die DFL will bei ihrem Vorhaben bleiben, das Konzept bei der Vollversammlung am 12. Dezember zu verabschieden. „Der Ligaverband ist weiterhin der Auffassung, dass er im Rahmen der Verbandsautonomie in Eigenverantwortung zu Lösungsansätzen kommen sollte, die der Besonderheit der Liga und damit auch ihrer Rolle als Veranstalter entsprechen“, sagte Peter Peters, der Vorsitzende der DFL-Kommission Sicheres Stadionerlebnis.

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