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Shinji Kagawa : Ich bin wieder hier, in meinem Revier

Wieder zuhause: Shinji Kagawa Bild: Reuters

Was Klopp und Müller-Westernhagen über Kagawa wussten: Der Japaner braucht den BVB. Er zeigt, dass er in Dortmund wieder aufblühen wird.

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          Eine der Hymnen, die Musiker Marius Müller-Westernhagen verfasst und mit großem Erfolg intoniert hat, heißt „Wieder hier“. Natürlich kannte er 1998 weder Shinji Kagawa noch die besondere Geschichte um den Japaner und Borussia Dortmund, aber alles, was die BVB-Fans und auch Trainer Jürgen Klopp vor zwei Jahren nach dem Abschied des Mittelfeldspielers an Gefühlen und Enttäuschung über den Wechsel zu Manchester United ausgedrückt hatten, findet sich wieder. Und nun ist er also wieder da. Was sich alle erhofft hatten, geschah am Samstag beim 3:1 gegen Freiburg. Es schien so, als wäre Kagawa nie weg gewesen, als wäre das alles nur ein böser Traum gewesen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt, ich rieche den Dreck, ich atme tief ein, und dann bin ich mir sicher, wieder zuhause zu sein.

          Gut, Dreck ist in dem Fall nur eine Metapher für eine vertraute Gegend, dreckig ist es im Ruhrgebiet schließlich schon lange nicht mehr. Aber weg war Kagawa tatsächlich nie, zumindest nicht in Gedanken vieler Fans, und auch Klopp hatte bisweilen kundgetan, wie weh es ihm täte, dass die Fähigkeiten des Japaners in England nicht zum Vorschein kämen. Möglicherweise fehlte nur das Vertrauen, und wie groß nun die Freude über die Rückkehr war, hatte der wortgewandte Klopp mit einem Satz ausgedrückt. „Für diesen Moment habe ich zwei Jahre Japanisch gelernt.“

          Ich hab Dich wirklich lieb, auch wenn ich Dir nie schrieb, und Dich verleumdet hab, in meinen Träumen.

          Die Trauer in Dortmund hatten aber nicht alle geteilt. Schließlich wollte die Borussia damals Kagawa unbedingt halten, den es aber genauso unzweifelhaft zu Manchester United in die Premier League zog, die noch ein gutes Stück bekannter in Japan ist als die Bundesliga. Aber so wie in Dortmund war es in Manchester eben nie. Man mag moderne Fußballprofis wie Kagawa für gefühllose Legionäre halten, die nur nach dem Geld schielen. Aber ob Kagawa nicht manchmal nachts in seinem Bett lag und sich fragte, ob das, was er aufgegeben hatte, vielleicht doch viel größer war als das, was er bekam?

          Wenn Du vergessen kannst, alles vergessen kannst, dann schenk mir diesen Tanz, ich will nichts versäumen.

          Sie können vergessen in Dortmund, aber das war ohnehin nur bei einigen Fans nötig. Anders als bei Mario Götze, dessen Wechsel zu Bayern München ein Band durchschnitt, das sich kaum mehr zusammen nähen lässt, gab es damals auch Verständnis dafür, dass Kagawa seinen Traum von der Premier League zu verwirklichen suchte. Aber welche Spuren, das war die große Frage, hatten diese schwierigen Zeiten bei Manchester United hinterlassen? Die Erwartungen der Dortmunder Fans hätten riesiger kaum sein können, was sich im Trikotverkauf zeigte. Der BVB erzielte einen Umsatz von einer Million Euro mit den Shirts des Heimkehrers, der eine neue Rückennummer bekam, die Sieben.

          Zuneigung für den Japaner

          Auf Kagawa war in den vergangenen zwei Wochen so viel wie nur denkbar eingeprasselt. Wenn er sich mit dem Schritt zurück ein wenig von der alten Zuneigung erhofft hatte, dann war es vielleicht sogar ein bisschen zu viel gewesen. Doch am Samstag erwiesen sich alle Befürchtungen als Makulatur. Kagawa fremdelte keine Sekunde, prägte sofort das Dortmunder Spiel, bereitete die Führung mit einem prächtigen Pass vor, schoss das 2:0 selbst. „Gänsehaut“ habe er während des gesamten Spiels gehabt, und möglicherweise krampfte auch wegen der großen Gefühle der Körper nach 64 Minuten. „Er kann extrem gut kicken, was ganz praktisch ist, und wir sorgen nun für das Umfeld, dass er das auch wieder glaubt“, sagte Klopp. Vielleicht werden sie sich bei Manchester United irgendwann Fragen stellen.

          Ich bin wieder da, noch immer ein Star, noch immer ein Held, für kein Geld der Welt, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt, und eines ist sicher, ich geh nie wieder weg.

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