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Selbstversuch im Footbonaut : Doppelpass mit der Hoffenheimer Maschine

  • -Aktualisiert am

Bild: Andreas Brand

Die neue Bundesligasaison beginnt an diesem Freitag: Auch unser Fußballreporter hat sich vorbereitet – mit einem Selbstversuch im Footbonaut der TSG Hoffenheim.

          Es waren damals mindestens drei unten, drei oben. So oft ging über die Jahre in der Fensterfront des Notariats im Erdgeschoss meines Elternhauses Glas zu Bruch, weil ich es beim Doppelpass mit der Hofwand mal wieder übertrieben hatte oder mich zwischenzeitlich an der ZDF-Torwand wähnte. Meine Eltern zahlten den Glasersatz zähneknirschend (oder war es der Talentförderungsfonds der Haftpflichtversicherung?), hielten sich aber mit Vorwürfen zurück. Ob sie trotz völliger Unkenntnis des Fußballspiels in Theorie („Wie geht Abseits?“) und Praxis doch erkannten, welchen Wert die unendlichen Wiederholungen von Spann-Seitstoß für die Pass- und Schusstechnik des gerade sieben oder acht Jahre jungen Knirpses hatten? Neue Scheibe, neues Glück, hieß es also immer wieder.

          Gegen Hofwände habe ich nun schon recht lange nicht mehr konzentriert gekickt. Die Fußballkarriere beim Mainzer Kreisligaklub Vitesse Mayence ging vor fünf Jahren mit einem Kreuzbandriss zu Ende, bei meiner Hobbymannschaft Ente Bagdad lebe ich als Enten-Legende „der Achtfache“ auch nur noch von der gar nicht so großen Vergangenheit.

          Die Verschwiegenheit des Footbonauten

          Wenn ich demnächst nach langer Pause im Altherren-Fußball – ein Wort, das mir bis vor kurzem stets Gänsehaut vor Schrecken und Ekel auf die Beine zauberte – mein Comeback gebe, muss das Passspiel wenigstens wieder auf Jürgen-Kohler-Niveau sein. Da kommt die Einladung der TSG Hoffenheim zum Besuch im Footbonaut für meine persönliche Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison gerade recht. Das High-Tech-Gerät, das der Klub für rund drei Millionen Euro im Trainingszentrum in Zuzenhausen für Profis und Nachwuchs errichtet hat, scheint mir ein Trainingspartner, der verschwiegen genug ist für klägliche Ballannahmen, desaströse Fehlpässe und peinliche Missgeschicke. Ich denke mir, dass das seit seligen Zeiten an der Hofwand endlich wieder ein Mitspieler ist, der ohne Murren den Ball abgibt und nie über ungenaue Zuspiele meckert, wie es meine Kameraden demnächst wieder tun werden.

          Doch strenger als unzufriedene Mitspieler ist Julian Nagelsmann, ein sympathischer Jungtrainer, der allerdings mit der Footbonauten-Fernbedienung in der Hand sadistische Züge entwickelt. Eine Stunde lang coacht mich der gebürtige Münchner, eine Stunde lang quält er mich mit einem fröhlichen Schmunzeln im Gesicht. Der 27 Jahre alte Nachwuchscoach ist gerade mit den A-Junioren der TSG deutscher Meister geworden. Im Finale schlug sein Team die Altersgenossen von Hannover 96 mal eben so in deren Stadion mit 5:0. Und das natürlich nur, weil sie immer fleißig im Footbonaut geübt haben. Passspiel super, Schusstechnik perfekt und fertig ist der Meistertitel.

          Der Footbonaut geht Zweikämpfen aus dem Weg

          Okay, Julian Nagelsmann gibt zu bedenken, dass im echten Fußballerleben der Gegner hin und wieder die Sache verkompliziere und es trotz aller Passschnelligkeit Zweikämpfe gebe, denen der Footbonaut dankenswerterweise fein aus dem Weg geht. Und Nagelsmann behauptet auch, dass seine Meister-Jungs schon noch ein paar Stunden unter seiner Anleitung draußen auf dem Rasen trainiert haben. Das muss er schließlich sagen, da er hier im Footbonauten eigentlich entbehrlich ist. Was sage ich: Er irritiert einen gar bei der Trainingsfron! Immer wieder macht er mir Druck, fordert eine offene Stellung zum Ball, schnelleren Antritt, schärferes Passspiel, exaktere Technik.

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